Erster Gleichstellungsbericht

Neue Wege - Gleiche Chancen.

Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf...

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Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf Erster Gleichstellungsbericht Gleichstellungspolitik in der Lebensverlaufsperspektive. Rollenbilder und Recht. Alter und Bilanzierung des Lebensverlaufs. Vor hundert Jahren wurde am 19. März 1911 erstmals in Deutschland und anderen europäischen Ländern der Internationale Frauentag begangen. Im Mittelpunkt stand das Frauenwahlrecht, das schon wenige Jahre später in Deutschland eingeführt wurde. Seither hat die Frauen- und Gleichstellungspolitik eine wechselvolle Geschichte erlebt. Wichtige Wegmarken stellen in Deutschland das Inkrafttreten des Grundgesetzes mit Artikel 3 Absatz 2 und die Erweiterung dieses Artikels im Gefolge der deutschen Einheit dar. ''Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.'' - diesen Verfassungsauftrag aus Artikel 3 Absatz 2 GG hat die Bundesregierung unter sich wandelnden Bedingungen stets neu zu erfüllen und auf die Herausforderungen der jeweiligen Zeit auszurichten. 100 Jahre nach dem ersten Frauentag legt die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode erstmals einen Gleichstellungsbericht vor. Der Erste Gleichstellungsbericht geht zurück auf einen Auftrag des letzten Koalitionsvertrages1. Der Koalitionsvertrag der laufenden Legislaturperiode knüpft daran an, indem er einen Rahmenplan zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in allen Phasen des Lebensverlaufs ankündigt2. Damit wird der Berichtsauftrag für den Ersten Gleichstellungsbericht - Gleichstellungspolitik in Lebensverlaufsperspektive neu zu buchstabieren - wieder aufgegriffen. Am 23. Juni 2008 betraute das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Sachverständige aus unterschiedlichen Fachrichtungen mit der Erstellung eines Gutachtens für den Ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Die Sachverständigen wurden beauftragt, mit ihrem Gutachten eine Grundlage für eine zukunftsorientierte und konsistente Gleichstellungspolitik für Frauen und Männer zu schaffen. Aus der Analyse der gegenwärtigen Situation sollten die Sachverständigen Empfehlungen entwickeln, welche die Bundesregierung in ihrem Ziel unterstützen, gleiche Chancen für Frauen und Männer in allen Phasen des Lebensverlaufs zu gewährleisten. In einem besonderen Fokus sollten dabei die Ziele einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern im Erwerbsleben und der Erweiterung von geschlechtsspezifischen Rollenbildern stehen. Der Berichtsauftrag war einerseits inspiriert vom 7. Familienbericht3 und den von ihm aufgeworfenen Fragen zur Veränderung der Lebenschancen der Geschlechter im Lebensverlauf, andererseits auch durch Erkenntnisse der modernen Lebenslaufforschung, deren Ertrag es für die Gleichstellungspolitik zu nutzen galt. Die Sachverständigenkommission wurde gebeten, die Arbeit an ihrem Gutachten und ihre konzeptionellen und inhaltlichen Festlegungen sowie die Befunde und Empfehlungen kommunikativ zu begleiten. Daher führte die Sachverständigenkommission während der Erstellung ihres Gutachtens Konsultationen mit zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden durch. Das Gutachten ist vor dem Hintergrund seines Entstehungsprozesses als ein Text zu sehen, in dem sich eine Vielzahl von Meinungen und Standpunkten zu einer umfassenden Analyse verbinden. Es spiegeln sich darin die aktuellen Fragen an ein zukunftsfähiges Verhältnis der Geschlechter wider - Fragen, die heute neue Brisanz erhalten. Es ist eine Generation von jungen Frauen und Männern herangewachsen, die sich mit den Antworten von gestern auf die Fragen von heute nicht zufrieden geben. Diese Generation stellt sich den Diskussionen, warum die Top-Positionen der deutschen Wirtschaft fast ausschließlich von Männern besetzt sind (obwohl Frauen häufig die besseren Schulnoten und Studienabschüsse vorweisen können), warum mehr Frauen als Männer nach der Familiengründung ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder reduzieren (obwohl immer mehr junge Männer sagen, sie wären gerne ''aktive Väter''), warum Männer so selten Erzieher werden (obwohl auch nicht alle typischen Männerjobs besser bezahlt sind) und warum die eigenständige Alterssicherung von Frauen oftmals unzureichend ist (trotz der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegenen Erwerbsbeteiligung von Frauen). Auch in der Sachverständigenkommission wurden diese Fragen diskutiert und aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven beleuchtet. Gleichstellungspolitik. Ebenen der Gleichstellungspolitik. Gleichstellung und Verwirklichungschancen. Rollenbilder, Rollenstereotype und rechtliche Transformation. Frauen- und Männerbild in der frühen verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung. Familienrechtliches Ehe- und Familienbild. Gleichberechtigungsgebot als Gebot der ''Chancengleichheit'' und Abkehr des Verfassungs- und des Familienrechts von ''Bildern''. Artikel 3 Absatz 2 GG als Gebot beruflicher und sozialer Gleichberechtigung. Sorgeverantwortung für die Pflege naher Angehöriger. Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Erwerbschancen (und -pflichten) im Arbeits- und Sozialrecht. Flexibilisierung der Arbeitszeit. Geschlechterpolitische Implikationen der Hartz-Reformen. Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern und Anerkennung von im Herkunftsland erworbenen Berufsqualifikationen. Anerkennung von Sorgearbeit. Institutionelle Aspekte: Das Berufsbildungssystem als Zuweisung von Verwirklichungschancen. Geschlechtertypische Berufs- und Studienfachwahl. Spätere Bildungschancen: Betriebliche Weiterbildungen. Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz und Anrechenbarkeit von Leistungen. Gender Mainstreaming, Gender-Kompetenz und Lebensgestaltungskompetenz. Erwerbsverläufe von Frauen und Männern: Ausdifferenzierung unterschiedlicher Muster. Typische Erwerbsverläufe von Frauen und Männern. Teilzeitmuster im Lebensverlauf von Frauen. Beruflicher Einstieg und frühe berufliche Entwicklung. Folgen von Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitphasen für den Erwerbsverlauf. Erwerbsunterbrechungen. Teilzeitphasen. Karriereentwicklungen von Frauen und Männern. Voraussetzungen für die Besetzung einer Führungsposition. Relevante intervenierende Faktoren im Karriereverlauf. Stereotype und Vorurteile als Erklärungsansätze für ungleiche Erwerbslebensverläufe von Frauen und Männern. Doppelkarrierepaare als Zukunftsmodell?. Frauen in Führungspositionen. Entgeltungleichheit. Familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und -reduzierungen. Lohnfindung. Niedriglöhne von Frauen. Frauen im SGB-II-Bezug. Umsetzung der Entgeltgleichheit. Arbeitszeitwünsche von Müttern und Vätern ...

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