Arbeiten bei Kälte

Kältearbeit beginnt für den Menschen

bereits unterhalb einer Lufttemperatur von +15°C...

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Arbeiten bei Kälte Schutzmassnahmen bei Temperaturen unter und 15° C Kälteschutzmassnahmen im Detail Arbeiten bei Kälte - oder vereinfacht Kältearbeit - bezeichnet diejenigen Tätigkeiten, bei denen Arbeitnehmende kalten klimatischen Umgebungsbedingungen ausgesetzt sind. Der Laie versteht unter Kälte meist eisige Temperaturen oder solche unter dem Gefrierpunkt. Kältearbeit beginnt aber für den Menschen bereits unterhalb einer Lufttemperatur von und 15°C. Solche Arbeitsplätze sind häufig anzutreffen bei der Herstellung, der Lagerung, dem Transport und dem Verkauf von Nahrungsmitteln, aber auch bei Arbeiten im Freien, bei denen Luftbewegungen, Nässe sowie hohe Luftfeuchtigkeit die Kältesituation und Kälteempfindung zusätzlich verschärfen. Kälte führt überall dort zu Gesundheitsrisiken und zu Leistungsminderung, wo im Freien oder in kalten Innenräumen gearbeitet wird. In der Schweiz sind für Arbeitsräume Mindesttemperaturen einzuhalten. Für Arbeiten, die im Freien durchgeführt werden müssen, gibt es keine Temperaturuntergrenzen. In gewissen Branchen (z.B. Forstwirtschaft) muss auch unter extremen Bedingungen (z.B. bei minus 20°C, eisigem Wind, Arbeit in grosser Höhe, schlechter Witterung usw.) gearbeitet werden. Für Kältearbeit gelten gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Normen und Richtwerte, die für eine Beurteilung der Arbeitsplatzbedingungen heranzuziehen sind. Im Rahmen der allgemeinen Pflichten (Art. 3-10 VUV1 und Art. 3-9 ArGV 32) ermitteln alle Arbeitgeber die in ihren Betrieben auftretenden Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmenden und treffen die erforderlichen Schutzmassnahmen und Anordnungen nach anerkannten Regeln der Technik. Die Richtlinien für Kältearbeitsplätze sind in Art. 21 ''Arbeit in ungeheizten Räumen und im Freien'' der Wegleitung zur ArGV 3 aufgeführt. Der Arbeitgeber ist insbesondere verpflichtet: im Falle von besonderen Gefährdungen ASA-Spezialisten (z.B. Arbeitsmediziner/innen oder Arbeitshygieniker/innen) beizuziehen. Als besondere Gefährdung bei Kälte gelten ständige Arbeitsplätze mit Umgebungstemperaturen um und unter 0°C. Die Wahl der Beurteilungsmethode bzw. der Schutzmassnahmen sind dem ASA-Spezialisten bzw. dem Betrieb überlassen: ASA-Richtlinie Nr. 6508 der EKAS3 (2007), den Mitarbeitenden geeignete Kälteschutzmassnahmen zur Verfügung zu stellen. So sind technische Massnahmen und organisatorische Begleitmassnahmen zu treffen sowie persönliche Schutzausrüstungen bereitzustellen. Beim TOP-Prinzip handelt es sich um ''anerkannte Regeln der Technik'': Gesundheitsvorsorge zu betreiben. Gemäss einem Europäischen Normentwurf wird allen Betrieben mit Kältearbeitsplätzen in Innenräumen ein Fragebogen für die Gesundheitsvorsorge zur Verfügung gestellt. Damit lassen sich die Kälterisiken im Betrieb evaluieren und Schutzmassnahmen vorkehren: DIN EN ISO 15743:2008-11, die Arbeitnehmenden über die gesundheitlichen Risiken und die notwendigen Schutzmassnahmen (technische, organisatorische und persönliche Schutzmassnahmen) zu informieren: Art. 6 VUV, Art. 5 ArGV 3 (Information und Anleitung), die Arbeitnehmenden in allen Belangen von Gesundheitsschutzfragen und insbesondere bei der Wahl der Kälteschutzmassnahmen (TOP) einzubeziehen: Mitwirkung nach Art. 48 des Arbeitsgesetzes und Art. 6a VUV, für Risikogruppen (z.B. Schwangere) die besonderen Bestimmungen zu beachten: Art. 62 ArGV 1: Gefährliche und beschwerliche Arbeiten bei Schwangerschaft und Mutterschaft (SR 822.111). Gesundheit und Befinden der Arbeitnehmenden stehen in engem Zusammenhang mit den klimatischen Bedingungen. Je nach Abweichung vom Komfortklima werden Unbehaglichkeit oder gar unerträgliche Kälte verspürt, die zu einer Minderung der Leistungsfähigkeit führen können. Auskühlung kann zu einer Gesundheitsgefährdung und zu einem erhöhten Unfallrisiko führen (z.B. Einschränkung der motorischen Fähigkeiten, eingeschränkte Aufmerksamkeit usw.). Niedrige Lufttemperaturen wirken sich vor allem an Kopf, Gesicht, Händen und Füssen aus. Bei Arbeit in kalter Umgebung kommt es besonders an den Händen infolge verminderter Durchblutung zu einer Verringerung der Beweglichkeit, des Feingefühls und der Geschicklichkeit. Im Fussbereich machen sich oftmals ein spürbarer Wärmeverlust und ein Kältegefühl bemerkbar. Darüber hinaus kann es durch die starke Abkühlung zu lokalen Erfrierungen und bei länger dauerndem Aufenthalt in extremer Kälte zu einer lebensbedrohlichen Unterkühlung kommen. Längerfristige Auswirkungen von Kälteeinflüssen werden bei der Entwicklung von chronischen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (Rheuma), der Atemwege (Erkältungskrankheiten), der Harnorgane und der peripheren Systeme (z.B. an Nerven oder Blutgefässen) gesehen. Generelle Schutzmassnahmen bei Temperaturen unter und 15°C Folgende technische, organisatorische und persönliche Massnahmen (TOP) sind bei Kältearbeit zu prüfen: Örtliche Heizungen (Infrarotstrahler), zugluftarme Lüftungssysteme, Abschaltung der Lüftung während der Arbeitsphase im Kältebereich, griffige Bedienelemente, wärmeisolierte Bedienelemente, wärmeisolierende Fussmatten und Sitzauflagen, beheizter Fahrersitz für Staplerfahrzeuge, exponierte Stellen wie z.B. Kälte leitende Metalloberflächen abdecken, ausreichende Lichtverhältnisse für sicheres Arbeiten, Hilfsmittel zur Reduktion schwerer körperlicher Arbeiten (starkes Schwitzen vermeiden) usw. Vorsicht ist mit Wärmequellen wie Heizstrahlern usw. geboten: keine zu grossen Temperaturunterschiede schaffen Wahrnehmungsverzerrungen und thermische Unbehaglichkeit). Die Suva hat zum Schutz von Personen in Kühlräumen spezifische Empfehlungen herausgegeben ( weiterführende Informationen). Organisatorisch Einhaltung der minimalen Erholungszeiten in thermisch behaglicher Umgebung (gilt als Arbeitszeit), Möglichkeit zum individuellen Bezug von Pausen5, Schaffung geeigneter Aufenthaltsräume, Arbeitswechsel in wärmere Bereiche, Abgabe warmer Getränke, Schulung der Körperhygiene (z.B. Hautreinigung, Umgang mit Lebensmitteln usw.), Ausbildung für Neueintretende, Schutzkleider sind vom Arbeitgeber reinigen zu lassen, Thermounterwäsche (z.B. Unterziehleibchen) ist vom Arbeitnehmenden zu waschen. Langes Arbeiten in Zwangshaltungen und statischen Körperhaltungen sind zu vermeiden. Persönlich Geeignete Wetter- bzw. Kälteschutzbekleidung ist vom Arbeitgeber in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Schutzmassnahmen für die verschiedenen Arbeitsstandorte (Innen, aussen, halboffen) Für Arbeiten in Gebäuden, im Freien, in halboffenen Räumen sowie überdachten Aussenstandorten sind geeignete Massnahmen zu treffen, damit die Beschäftigten keinen Beeinträchtigungen durch Kälte, Wind, Nässe, Höhe und Witterung und sonstigen gesundheitsschädigenden Bedingungen ausgesetzt sind. Arbeiten in Innenräumen Für Arbeitsräume mit regelmässig wiederkehrenden Tätigkeiten, in denen produktionstechnisch bedingt die Lufttemperatur bei und 15°C oder niedriger liegt, existieren für die Kältebereiche entsprechende Normempfehlungen6. Anhand der Lufttemperatur werden fünf Kältebereiche mit den maximalen Aufenthaltszeiten und minimalen Aufwärmzeiten an thermisch behaglichen Pausenorten definiert sowie ergonomische Massnahmen vorgeschlagen, damit erträgliche Bedingungen gewährleistet sind. Die in der Norm angegebenen Aufwärmzeiten stellen Richtwerte dar. Diese gelten als ''anerkannte Regeln der Technik'' und basieren auf einer risikoorientierten Betrachtungsweise. Die Aufwärmzeiten stellen Kompensationspausen dar und gelten als Arbeitszeit. Beispiel: bei -22°C ist nach 90 Minuten Arbeitszeit ein Aufenthalt von mindestens 30 Minuten in einem geheizten Bereich vorzusehen. Schutzmassnahmen für die verschiedenen Arbeitsstandorte (Innen, aussen, halboffen) Arbeiten im Freien Im Gegensatz zu Innenräumen ist bei Arbeiten im Freien mit hohen Luftgeschwindigkeiten und Nässe zu rechnen, welche die Kälteempfindung zusätzlich verstärken können und eine erhöhte Gefährdung am Arbeitsplatz mit sich bringen. Je nach Aussentemperaturen sind zusätzliche Schutzmassnahmen zu prüfen. So z.B. Windschutzvorrichtungen, Bedachungen, geeignete Unterkünfte (Baracken, Container), Heizkörper, optimale Windstopp-Bekleidung, kürzere Arbeitsphasen, häufigere Pausen ( Arbeitszeit), genügend Flüssigkeitszufuhr (warme alkoholfreie Getränke), usw. Welche der Massnahmen geeignet ist, ist im Einzelfall und je nach körperlicher Aktivität abzuklären. Die Suva-Checkliste ''Gefahren im Winter'' (2009) behandelt typische Wintergefahren, bedingt durch Kälte, Schnee und kürzere Tage. Als wichtige Gefahren werden Glätte, mangelnde Beleuchtung und Beeinträchtigung der arbeitenden Person durch Kälte genannt. Zur Thematik Arbeitssicherheit und Kälte im Baugewerbe wurden von der BfA7 mehrere Informationen herausgegeben ( Literatur). Die in der vorgängigen Tabelle ''Kältebereiche'' angegebenen Aufwärmzeiten für Innenräume (S.15) sind als orientierende Richtwerte auch für Arbeiten im Freien anwendbar. Solche überdachte Standorte sind Arbeitsbereiche, die der Aussentemperatur und der Aussenluft (Zugluft) ausgesetzt, jedoch vor Regen geschützt sind. Dazu gehören halboffene Räume (Kioske mit nach aussen gerichteten Verkaufsöffnungen, Imbissstände und andere Verkaufsstellen) oder überdachte Aussenstandorte (Bahnhofhallen, Passagen). An überdachten Aussenstandorten sind die Temperaturschwankungen grösser als in Räumen, dies belastet den Körper zusätzlich. Folgende Schutzmassnahmen sind bei überdachten Standorten vorzusehen: minimale Grundfläche für den Arbeitsbereich (siehe Wegleitung zu Art. 24 ArGV 3) Aufenthaltsraum für Pausen (zum Aufwärmen: siehe weiter unten) Den Aussentemperaturen angemessene Pausenzeiten (bei kalter Witterung in geheizten Räumen) Garderobe mit Waschgelegenheit und Toilette Thermisch isolierter Boden (Wärmeabflüsse über Fussbereich vermeiden) Massnahmen gegen Zugluft (Umwandungen) Korrekte Sitzgelegenheit, gegebenenfalls Tisch Wärmeschutzbekleidung (diese ist vom Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen) Die Arbeit bei Marktständen entspricht einer Arbeit im Freien. Die Arbeitsbedingungen bei Marktständen sind für die Markthändlerinnen und -händler vor allem im Winter belastend, da der Witterungsschutz sehr gering ist. Solche Tätigkeiten sind auch häufig mit einem Standortwechsel verbunden, wodurch Forderungen nach Aufenthaltsräumen und Toiletten in der Regel schwierig umzusetzen sind. Die Neugestaltung von Marktplätzen zeigt einen Trend in Richtung von Marktpavilllons. In Pavillons können z.B. die Anordnungen der Verkaufsflächen flexibel der Saison angepasst werden (z.B. im Winter innenseitig, im Sommer nach aussen gerichtet) und es lassen sich ortsfeste Garderoben und WC-Anlagen einrichten. Dadurch werden die Arbeitsbedingungen und die Infrastruktur für die Marktleute verbessert. Bei tiefen Temperaturen ist es erforderlich, den Beschäftigten Gelegenheit zu geben, die Arbeit zu unterbrechen und zum Aufwärmen einen geheizten Arbeitsplatz oder Aufenthaltsraum aufzusuchen. Der Arbeitgeber muss warme alkoholfreie Getränke zur Verfügung stellen. Den Arbeitnehmenden sind geeignete Aufenthaltsräume zur Verfügung zu stellen. Diese müssen gegen Witterungseinflüsse Schutz bieten und während der kalten Jahreszeit eine Lufttemperatur von mindestens und 18°C (Erfahrungswert) aufweisen. Art. 21 ArGV 3. Wetter- bzw. Kälteschutzbekleidung Der Arbeitgeber muss für alle Arbeitnehmenden - die Kälte ausgesetzt sind - eine entsprechende persönliche Schutzausrüstung (Wetter- bzw. Kälteschutzbekleidung) zur Verfügung stellen. Wichtig ist ein ausreichender Schutz der exponierten Stellen am Kopf. Die Mitarbeitenden sollten ihre Schutzbekleidung möglichst individuell zusammenstellen können (individuelles Kälteempfinden!). Jedem Mitarbeitenden sind mehrere Paar Arbeitsschuhe und Handschuhe zur Verfügung zu stellen, damit ihm jederzeit ''trockene'' Schutzmittel zur Verfügung stehen. Schuhe müssen vor ihrer Wiederverwendung mindestens einen Tag ausgelüftet werden können. Alle Kleidungsstücke wie z.B. Jacken, Schuhe, Handschuhe, Ohren- und Kopfschutz, die den Schutzzweck nicht mehr erfüllen, sind zu ersetzen. Die Schutzkleidung muss dem Verwendungszweck entsprechen. Die Kleidungsstücke für Kältearbeit weisen mit Vorteil z.B. folgende Eigenschaften auf: Atmungsaktive Winterbekleidung, Thermounterwäsche8 (z.B. Mikrofasern, Merinowolle), Kälteschutzjacke/-mantel/-gilet mit Reflektoren (bei schlechter Sicht), ausreichende Windstopp-Eigenschaften für Kältearbeit im Freien, Kälteschutzhandschuhe für Kältebereich I und II: dünne Thermovlieshandschuhe mit Noppen haben sich bewährt, für das Schuhwerk eignen sich Thermoeinlagesohlen mit Aluminiumfolie ...

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