Muster-Betriebsvereinbarung zur Regelung des betrieblichen Eingliederungsmanagements Nr. 2

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Entwurf Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung ''Betriebliche Prävention und Eingliederungsmanagement'' Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung ''Betriebliche Prävention und Eingliederungsmanagement'' Fa. Musterbetrieb/Musterdienststelle Das betriebliche Eingliederungsmanagement beinhaltet folgende Ziele: Überwindung und Vorbeugung erneuter Arbeitsunfähigkeitszeiten, Erhalt und Förderung der Gesundheit, Vermeidung von Behinderungen einschließlich chronischer Erkrankungen und Vermeidung krankheitsbedingter Kündigungen. Um diese Ziele zu erreichen, arbeitet der in § 3.1. genannte Personenkreis vertrauensvoll zusammen. Die Unternehmensleitung/Dienststellenleistung der Fa. Musterbetrieb/Musterdienststelle, der Betriebsrat/Personalrat und die Schwerbehindertenvertretung bekräftigen, dass erkrankte Beschäftigte nicht wegen ihrer Krankheit - schwerbehinderte und behinderte Beschäftigte nicht wegen ihrer Behinderung - benachteiligt werden dürfen. 2. Geltungsbereich Die Vereinbarung findet auf alle Beschäftigten Anwendung, die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind und in einem Arbeits-, Ausbildungsoder sonstigem Beschäftigungsverhältnis zur Fa. Musterbetrieb/Musterdienststelle stehen. Die Vertragsparteien sind sich darüber einig, dass diese Vereinbarung keine Anwendung auf Betroffene mit Bagatellerkrankungen oder absehbar folgenlos ausheilenden Erkrankungen findet. Beschäftigte können von sich aus jederzeit ein betriebliches Eingliederungsmanagement beantragen. 3. Maßnahmen 3.1. Zusammenarbeit der Verantwortlichen Zur Durchführung der Vereinbarung wird (soweit nicht schon aufgrund einer abgeschlossenen Integrationsvereinbarung vorhanden) in der Fa. Musterbetrieb/Musterdienststelle ein Integrationsteam gebildet. In diesem Team sind 1 Beauftragte/r der Unternehmensleitung mit Entscheidungsbefugnis 1 Beauftragte/r des Betriebsrats/Personalrats die Schwerbehindertenvertretung und der Betriebsarzt vertreten. Bei Bedarf werden weitere interne Fachkräfte (z.B. Ausbildungsleitung, Sicherheitsfachkraft, Leiter/in des Sozialbetriebes etc.) und externe Fachkräfte (z.B. Integrationsamt, Servicestelle, etc.) zur Beratung hinzugezogen. Das Integrationsteam ist das Steuerungsgremium für das betriebliche Eingliederungsmanagement. Es ist verantwortlich für die Auswertung der Arbeitsplatzanalysen sowie für die Arbeitsplatzbegehungen und die darauf aufbauende Maßnahmenentwicklung und -umsetzung. Entwurf Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung 3 Das Integrationsteam wählt aus seiner Mitte eine/n Vorsitzende/n. Das Integrationsteam arbeitet im Rahmen seiner Aufgabenstellung weisungsungebunden. Es trifft sich mindestens 4 x jährlich zur Erörterung und Überprüfung der in der in dieser Vereinbarung benannten Ziele und Aufgaben. Einer Person des Integrationsteams obliegt es, dem Betriebsrat/Personalrat im Rahmen der regelmäßigen Sitzungen über die Arbeit zu berichten, dies gilt auch für Betriebs-/Personalversammlungen. 3.2. Aufbau eines betrieblichen Frühwarnsystems 3.2.1. Erfassung und Auswertung von Arbeitsunfähigkeitsdaten Prävention erfordert Information. Deshalb stellt die Personalabteilung dem Integrationsteam mindestens 1 x im Quartal: eine gesamtbetriebliche Arbeitsunfähigkeitsstatistik, dazugehörende abteilungsbezogene Kennziffern, zur Verfügung. Darüber hinaus werden die Ergebnisse des betrieblichen Gesundheitsberichts - insbesondere die Arbeitsunfähigkeitsanalysen der Krankenkassen - mit in die Bewertung mit einbezogen. Sie dienen vornehmlich der Analyse tätigkeitsspezifischer und alterspezifischer Belastungen, die für die Bewertung des Einzelfalls relevant sein können. Außerdem übersendet die Personalabteilung mindestens 1x im Quartal die Daten der unter den Geltungsbereich dieser Vereinbarung fallenden Beschäftigten an das Integrationsteam. Das Integrationsteam entscheidet, ob einzelfallbezogene Maßnahmen erforderlich sind und beauftragt die Personalabteilung (alternativ: eine Ansprechperson aus dem Kreise des Integrationsteams) mit deren Durchführung. (Geschäfts-/Dienststellenleitung, Betriebsrat/Personalrat und Schwerbehindertenvertretung einigen sich über die durchführende Stelle/Ansprechperson. Sie muss gleichermaßen das Vertrauen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern genießen) 3.2.2. Kontaktaufnahme mit den Betroffenen Die Durchführung des betrieblichen Eingliederungsmanagements dient der Beschäftigungssicherung und -förderung. Es handelt sich um ein freiwilliges Verfahren und bedarf der Zustimmung durch die betroffene Person. Wird die Zustimmung nicht erteilt, darf dies nicht zu Lasten der betroffenen Person gewertet werden. Die Kontaktaufnahme erfolgt in zwei Schritten: Im Zuge der ersten Kontaktaufnahme (schriftlich) wird die betroffene Person über die Zielsetzungen sowie über die dazu erforderliche Datenerhebung und den weiteren, möglichen Verlauf des Verfahrens aufgeklärt. Erst nach Zustimmung der betroffenen Person erfolgt durch entsprechend geschultes Fachpersonal ein erstes Gespräch zur Klärung und Abstimmung der Vorgehensweise und Feststellung des Bedarfs. Es dürfen keine Krankheitsdiagnosen oder Angaben zur voraussichtlichen Entwicklung der Arbeitsunfähigkeit erhoben werden. Der Gesprächsinhalt muss vertraulich behandelt werden. Lehnt der/die Betroffene eine Teilnahme am betrieblichen Eingliederungsmanagement ab, so wird sie im laufenden Kalenderjahr nicht wieder angeschrieben. Entwurf Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung 4 3.2.3. Feststellung des Bedarfs Die Parteien der Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung sind sich darüber einig, dass das betriebliche Eingliederungsmanagement in ein Gesamtkonzept zum betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz einzubinden ist. Eine geeignete Maßnahme ist die Ermittlung, Beurteilung und Dokumentation der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen (§ 5 Arbeitsschutzgesetz). Hierzu wird für jeden Beschäftigten eine Arbeitsplatzanalyse, ggf. in Verbindung mit einer Arbeitsplatzbegehung durchgeführt. Wenn bis dato keine betrieblichen Erhebungen vorliegen, wird im Rahmen des Eingliederungsmanagement für den jeweiligen Arbeitsplatz eine ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz durchgeführt. Die gewonnenen Daten werden dem Integrationsteam zur Entscheidungsfindung über einzelfallbezogene Maßnahmen vorgelegt. Bei Bedarf werden Maßnahmen aus dieser Vereinbarung mit den örtlichen gemeinsamen Servicestellen der Rehabilitationsträger - bei schwerbehinderten Menschen mit dem Integrationsamt - abgesprochen. Kommen finanzielle Fördermöglichkeiten o. g. Stellen in Betracht, so werden diese beantragt. Soweit erforderlich und unter Beachtung datenschutzrechtlicher Bestimmungen werden die Daten auch den Rehabilitationsträgern und Integrationsämtern zur Verfügung gestellt. 3.2.4. Maßnahmenspektrum Das Spektrum der Maßnahmen umfasst drei Schwerpunkte: Maßnahmen der Prävention, der Rehabilitation und der Gesundheitsförderung. Im Mittelpunkt stehen hierbei Maßnahmen der alters- bzw. alterns- und behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung. Konkrete Anknüpfungspunkte finden sich in den Bereichen Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, Arbeitsumfeld, Personalplanung, Qualifizierung, stufenweise Wiedereingliederung, medizinische und berufliche Rehabilitation. 3.2.5. Koordination und Dokumentation Ein Mitglied des Integrationsteams oder eine vom Integrationsteam beauftragte Person koordiniert und steuert die einzelfallbezogenen Maßnahmen und dokumentiert den Prozessverlauf. 4. Qualifizierung der Vorgesetzen Vorgesetzte haben eine besondere Verantwortung für die Gesunderhaltung ihrer MitarbeiterInnen und die Qualität der Arbeit. Sie haben mit dafür Sorge zu tragen, dass dem genannten Personenkreis möglichst frühzeitig präventive Maßnahmen zuteil werden. Um Vorgesetzte für diese Aufgabenstellungen zu sensibilisieren und sie als Teil der Unternehmens/Dienststellensphilosophie in ihre Aufgabenwahrnehmung zu integrieren, bietet die Fa. Musterbetrieb/Leitung der Musterdienststelle an, die neueste Kenntnisse über Gesundheits- und Eingliederungsmanagement vermitteln. Entwurf Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung 5 5. Finanzierung der Maßnahmen Die Finanzierung der Maßnahmen wird über Eigen- und Fremdmittel sichergestellt. Diese Mittel werden über eine eigene Kostenstelle ''Betriebliches Eingliederungsmanagement'' ausgewiesen. Eigenmittel werden in der Höhe von zur Verfügung gestellt. Bis zu einem Betrag von kann das Integrationsteam eigenständig verfügen. Darüber hinausgehende Beträge erfordern ein gesondertes Antragsverfahren. 6. Zielerreichung Die Unternehmensleitung beraten mit dem Betriebsrat/Personalrat und der Schwerbehindertenvertretung einmal jährlich, ob und in welchem Umfang die in dieser Vereinbarung getroffenen Ziele erreicht wurden. Die Unternehmensleitung stellt sicher, dass die MitarbeiterInnen regelmäßig und in geeigneter Weise über die Erreichung der Ziele aus dieser Vereinbarung informiert werden. 7. Streitigkeiten Erreichen die Beteiligten bezüglich der Auslegung und Anwendung dieser Vereinbarung oder auch einzelner Bestimmungen dieser Vereinbarung keine Einigung, entscheidet die Einigungsstelle gem. § 76 BetrVG. Sie besteht aus einer gleichen Anzahl von BeisitzerInnen der Unternehmensleitung, der Interessenvertretungen und einem/einer unparteiischen Vorsitzenden, auf denen sich beide Seiten einigen müssen. 8. Datenschutz Das betriebliche Eingliederungsmanagement erfolgt unter Wahrung der jeweils gültigen datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Wenn personenbezogene Daten an Dritte weitergegeben werden müssen, hat die Ansprechperson die Arbeitnehmer darüber aufzuklären und ihre schriftliche Einwilligung einzuholen. Wenn Ärzte angehört und eventuelle gesundheitliche Informationen erörtert werden sollen, dürfen die Ärzte ihnen bekannt gewordene gesundheitliche Informationen erst weitergeben, wenn die Arbeitnehmer sie schriftlich von der Schweigepflicht entbunden haben. Bevor eine Unterschrift geleistet wird, ist die Schwerbehindertenvertretung und/oder der Betriebsbzw. Personalrat einzuschalten. Die erhobenen Daten dürfen ausschließlich für die in der Vereinbarung benannten Ziele des BEM verwandt werden. Sie dienen dem Erhalt der Arbeitsfähigkeit und des Arbeitsplatzes. Zu anderen Zwecken ist ihre Verwendung untersagt. Gesundheitsdaten sind getrennt von der Personalakte aufzubewahren. Bei Bedenken gegen einen umfassenden Datenschutz kann externer Rat hinzugezogen werden. Entwurf Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung 6 9. Geltungsdauer Diese Vereinbarung tritt am XX.XX.2005 in Kraft. Sie kann von jeder Seite unter Einhaltung einer Frist von 3 Monaten zum Jahresende - erstmals zum 31.12.2006 - schriftlich gekündigt werden. Sie wirkt nach, bis zum Abschluss einer neuen Vereinbarung. (Sofern vorhanden: Die derzeit bestehende Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung über ''Krankenrückkehrgespräche'' wird im Zuge dieser Vereinbarung einvernehmlich aufgehoben und unterliegt keiner Nachwirkung.) Wiederspricht eine Vorschrift dieser Vereinbarung höherrangigem Recht, so bleibt die Gültigkeit der übrigen Bestimmungen davon unberührt. Die Parteien der Betriebsvereinbarung/Dienstvereinbarung verpflichten sich, die unwirksame Vorschrift durch eine ihr inhaltlich möglichst entsprechend wirksame Vorschrift zu ersetzen ...

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