Vielfalt fördern, Vereinbarkeit gestalten, Fachkräfte gewinnen

Es gibt viele Möglichkeiten, eine familienfreundliche,

vereinbarkeitsfördernde Willkommenskultur für Familien zu schaffen...

Publikation öffnen

Vielfalt fördern, Vereinbarkeit gestalten, Fachkräfte gewinnen Aufgrund der demografischen Entwicklung können in deutschen Unternehmen bereits jetzt 1,3 Millionen Stellen nicht besetzt werden, bis 2020 werden in allen Mitarbeitergruppen 2,1 Millionen Arbeitskräfte fehlen.1 Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass viele Mütter in Deutschland - mit und ohne Migrationshintergrund - sich wünschen, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen oder in ihren Beruf zurückzukehren. Und auch im Ausland gibt es viele hoch qualifizierte Fachkräfte, die in deutschen Unternehmen wertvolles Know-how einbringen und wichtige Beiträge leisten können. Das BMFSFJ unterstützt Familien bereits mit einer familienorientierten Zeitpolitik, dem Ausbau der Betreuungsinfrastruktur und gezielten finanziellen Leistungen dabei, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Zu den Maßnahmen gehören das Elterngeld, der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige ab 2013 sowie Initiativen für eine familienbewusste Personalpolitik in Unternehmen. Dennoch liegt die Erwerbstätigenquote bei Müttern mit eigenem Zuwanderungshintergrund mit 50 Prozent deutlich niedriger als die von Müttern in Deutschland insgesamt (67 Prozent) und weit unter der Erwerbstätigenquote von Müttern ohne Migrationshintergrund (72 Prozent). 2 Zusätzlich hat sich gezeigt, dass in den Betreuungseinrichtungen für unter Dreijährige und unter Sechsjährige weniger Kinder aus Zuwandererfamilien angemeldet sind und sie häufig nicht die Möglichkeit haben, von den öffentlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten zu profitieren. Offenbar erreichen die Unterstützungsangebote die Zuwandererfamilien bisher nicht in gleichem Maße wie Familien, die aus Deutschland stammen. Wie aber kann es gelingen, Familien mit Migrationshintergrund noch besser einzubinden, um die neuen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen und die bestehenden Angebote auch Familien mit Migrationshintergrund besser zugänglich zu machen? Und wie können Lokale Bündnisse dazu beitragen, dass Neubürgerinnen und Neubürger aus dem In- und Ausland sich an ihrem neuen Lebensmittelpunkt von Anfang an willkommen und eingebunden fühlen? Bei der materiellen Situation sowie bei den Zugangschancen zum Arbeitsmarkt von Migrantinnen und Migranten werden starke Unterschiede zu den Familien ohne Migrationshintergrund deutlich: In den oberen Einkommensgruppen ist der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund gering. Gleichzeitig ist in Familien mit Zuwanderungsgeschichte das Armutsrisiko etwa doppelt so hoch wie in Familien mit deutschen Wurzeln. Die Armutsgefährdung liegt in allen Herkunftsgruppen über dem Durchschnitt aller Familien - obwohl Eltern aus Zuwandererfamilien fast genauso häufig gut qualifiziert sind wie Eltern ohne Migrationshintergrund. Familien mit Zuwanderungsgeschichte verfügen im Schnitt über ein mittleres monatliches Nettoeinkommen von 2.208 Euro, das sind etwa 87 Prozent des mittleren Nettoeinkommens aller Familien mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland. Der Anteil der Familien mit Migrationshintergrund, die von weniger als 1.100 Euro im Monat leben, ist allerdings mit 8 Prozent nur geringfügig höher als bei den Familien ohne Migrationshintergrund (7 Prozent).6 Der Bezug von Transferleistungen wie Arbeitslosengeld (ALG) I und II, Kinderzuschlag und Wohngeld ist jedoch bei Familien mit Migrationshintergrund erhöht: 3 Prozent von ihnen geben das ALG I als Haupteinnahmequelle an, unter den Familien ohne Migrationshintergrund liegt dieser Anteil bei 1 Prozent. Beim ALG II (''Hartz IV'') ist der Anteil der Familien mit ausländischen Wurzeln mehr als doppelt so hoch wie der von Familien ohne Migrationshintergrund (15 Prozent gegenüber 7 Prozent). Daten des ''Panels Arbeitsmarkt und soziale Sicherung'' weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Anteil von ''Aufstockern'' in Familien mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Familien ohne Zuwanderungsgeschichte etwa dreimal so hoch ist. Zudem haben die Familien mit Migrationshintergrund insgesamt eine starke Motivation, zumindest einen Teil ihres Einkommens durch eine ergänzende Erwerbstätigkeit selbst zu bestreiten ...

Publikation öffnen