<h1>Arbeitszeitgesetz</h1> <h2>Diese Brosch&uuml;re zeigt mit praxisnahen Beispielen, wie das Gesetz angewendet und kontrolliert wird... Quelle BMAS</h2> <p>Das Arbeitszeitgesetz &Uuml;berblick &uuml;ber das Arbeitszeitgesetz Gesch&uuml;tzte Personen Bereitschaftsdienst ist Arbeitszeit T&auml;gliche Arbeits- und Ruhezeiten Rahmenbedingungen f&uuml;r flexible Arbeitszeiten Gesundheitsschutz bei Nachtarbeit An Sonn- und Feiertagen ruht die Arbeit Begriff der Arbeitszeit Ein besonderer Fall: Die Nachtarbeit Im Durchschnitt acht Stunden - aber nicht mehr als zehn Mach mal Pause Nach Feierabend hat die Arbeit f&uuml;r mindestens elf Stunden Ruh In einigen Bereichen gehts k&uuml;rzer Ausgleich muss sein Wenn andere schlafen Schutz bei Nachtarbeit K&uuml;rzerer Ausgleichszeitraum Gesundheit geht vor: Alle drei Jahre ein Check beim Arzt R&uuml;cksicht auf besondere famili&auml;re Situationen Ausgleich f&uuml;r Nachtarbeit Recht auf Weiterbildung Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit Besondere Regelungen f&uuml;r besondere Situationen Mehr Flexibilit&auml;t f&uuml;r bestimmte Branchen Abweichungen f&uuml;r nicht-tarifgebundene Betriebe Verschiebung der Sonntagsruhe Kaum vorstellbar, dass sonntags niemand mehr arbeitet Wer sonntags zur Arbeit muss: Die Ausnahmen von der Regel Menschen, die daf&uuml;r arbeiten, dass immer alles funktioniert Mindestens 15 Sonntage sind frei Ein Ersatzruhetag ist selbstverst&auml;ndlich Sonntagsarbeit: nicht &uuml;berall gilt die Norm Weniger freie Sonntage in manchen Branchen Tarifpartner k&ouml;nnen die Zahl der Ersatzruhetage verringern Von der Theorie zur Praxis Die Aufsichtsbeh&ouml;rde &uuml;berwacht K&ouml;nnen, sollen, m&uuml;ssen Arbeitspl&auml;tze in Deutschland erhalten Besondere Ma&szlig;nahmen f&uuml;r besondere Umst&auml;nde Wenn alle Stricke rei&szlig;en Wenn die Arbeit Saison hat Wenn es wirklich ernst wird Kontrollieren, wie es gelaufen ist Wenn nicht alles so l&auml;uft, wie es laufen soll Strafe bei schweren Verst&ouml;&szlig;en Spezielle Regelungen f&uuml;r spezielle Gruppen Besondere Regelungen im Stra&szlig;entransport Ausgenommene Besch&auml;ftigungsgruppen Spezielle Regelungen Arbeitszeitgesetz (ArbZG) Muss ich eigentlich am Sonntag arbeiten? Welchen Ausgleich erhalte ich f&uuml;r Nachtarbeit? Und wie ist das noch mal mit der Pausenregelung? Im Betriebsalltag stehen Fragen zur Arbeitszeit h&auml;ufig auf der Tagesordnung. Grundlegendes ist vom Gesetzgeber branchen&uuml;bergreifend geregelt. Es gibt aber auch Spezialregelungen f&uuml;r einzelne Branchen, die Ausnahmen zulassen und im Unternehmen flexibel gehandhabt werden k&ouml;nnen. In jeden Fall aber verfolgt das Arbeitszeitgesetz zwei grundlegende Ziele: Schutz f&uuml;r die arbeitenden Menschen und gleichzeitig die notwendige Flexibilit&auml;t f&uuml;r die Unternehmen. Das Gesetz sch&uuml;tzt die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, indem es die H&ouml;chstgrenzen f&uuml;r die t&auml;gliche Arbeitszeit und die Mindestdauer f&uuml;r Pausen festlegt. Und f&uuml;r die Unternehmen schafft es einen Rahmen f&uuml;r intelligente und spezifische Arbeitszeitmodelle, ohne die viele Betriebe im globalen Wettbewerb heute nicht bestehen k&ouml;nnten. Individuelle Konzepte und ma&szlig;geschneiderte L&ouml;sungen sind aber auch dann gefragt, wenn es um die Gestaltung der eigenen Erwerbsbiografie geht: Mehr und mehr wird das Hin und Her zwischen Arbeit, Weiterbildung, Kindererziehung oder Pflege zum Normalfall. Und zwar f&uuml;r M&auml;nner wie f&uuml;r Frauen. Wir brauchen daf&uuml;r ein modernes Arbeitsrecht, das gesellschaftliche Anspr&uuml;che, individuelle Bed&uuml;rfnisse und betriebliche Notwendigkeiten ausbalanciert und aufeinander abstimmt. Das Arbeitszeitgesetz leistet dazu einen wichtigen Beitrag. In dieser Brosch&uuml;re erl&auml;utern wir F&auml;lle, die bei der Arbeitszeitgestaltung im betrieblichen Alltag immer wieder von gro&szlig;er Bedeutung sind. Als praxisnahe Beispiele richten sich unsere Informationen deshalb sowohl an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch an Besch&auml;ftigte. &Uuml;berblick &uuml;ber das Arbeitszeitgesetz Das Arbeitszeitgesetz legt die Grundnormen daf&uuml;r fest, wann und wie lange Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer h&ouml;chstens arbeiten d&uuml;rfen. Die folgenden Seiten geben einen &Uuml;berblick &uuml;ber wichtige Punkte des Gesetzes. Gesch&uuml;tzte Personen Das Arbeitszeitgesetz sch&uuml;tzt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die zu ihrer Berufsausbildung Besch&auml;ftigten. Es gilt daher zum Beispiel nicht f&uuml;r Beamtinnen und Beamte, Richterinnen und Richter sowie Soldatinnen und Soldaten. Ziel des Gesetzes Das Arbeitszeitgesetz, das in der Bundesrepublik Deutschland und in der deutschen ausschlie&szlig;lichen Wirtschaftszone in der Nordsee und in der Ostsee gilt, stellt den Gesundheitsschutz der Besch&auml;ftigten sicher, indem es die t&auml;gliche H&ouml;chstarbeitszeit begrenzt sowie Mindestruhepausen w&auml;hrend der Arbeit und Mindestruhezeiten nach Arbeitsende festlegt. Zugleich enth&auml;lt das Gesetz Rahmenbedingungen f&uuml;r die Vereinbarung flexibler Arbeitszeiten. Nachtarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer sind besonders gesch&uuml;tzt. Die Sonn- und Feiertagsruhe wird durch ein grunds&auml;tzliches Besch&auml;ftigungsverbot gesch&uuml;tzt. Arbeiten sind an diesen Tagen nur ausnahmsweise zul&auml;ssig. Bereitschaftsdienst ist Arbeitszeit Arbeitszeit ist die Zeit zwischen dem Beginn und Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen. Arbeitszeit ist nicht nur Vollarbeit. Auch Zeiten mit geringer Inanspruchnahme am Arbeitsplatz, also Arbeitsbereitschaft und Bereitschaftsdienst gelten in vollem Umfang als Arbeitszeit. Bei Rufbereitschaft z&auml;hlt jedoch nur die Zeit, in der die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer zur Arbeit herangezogen wird. T&auml;gliche Arbeits- und Ruhezeiten Grunds&auml;tzlich haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren bew&auml;hrten Acht-Stunden-Tag. Nach Feierabend besteht Anspruch auf eine ununterbrochene Ruhezeit von elf Stunden. Und: Niemand darf l&auml;nger als sechs Stunden ohne Ruhepause arbeiten. Rahmenbedingungen f&uuml;r flexible Arbeitszeiten Die Arbeitszeit kann flexibel und intelligent verteilt werden: So kann jemand ohne weiteres bis zu zehn Stunden an den sechs Werktagen arbeiten. Jede Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit &uuml;ber acht Stunden hinaus muss innerhalb von sechs Monaten auf durchschnittlich acht Stunden werkt&auml;glich ausgeglichen werden. Gesundheitsschutz bei Nachtarbeit Die Gesundheit geht vor. Deshalb sind f&uuml;r Nachtarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer arbeitsmedizinische Untersuchungen vorgeschrieben. Wer gesundheitlich gef&auml;hrdet ist, kann sich auf einen Tagesarbeitsplatz umsetzen lassen, falls es die betrieblichen M&ouml;glichkeiten erlauben. Und das gilt auch f&uuml;r Besch&auml;ftigte, die Kinder unter zw&ouml;lf Jahren oder schwerpflegebed&uuml;rftige Angeh&ouml;rige betreuen m&uuml;ssen. An Sonn- und Feiertagen ruht die Arbeit An Sonn- und Feiertagen sollen sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausruhen und erholen k&ouml;nnen. Kaum vorstellbar ist allerdings, dass etwa Feuerwehrleute, Krankenschwestern oder Kellner sonntags nicht mehr arbeiten. Deshalb gibt es in engen Grenzen Ausnahmen von der Regel. Voraussetzung f&uuml;r jede Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist, dass die Arbeit nicht an Werktagen erledigt werden kann. Die Rolle der Sozialpartner Die Sozialpartner spielen eine gro&szlig;e Rolle. Die Tarifvertragsparteien k&ouml;nnen die Arbeitszeitgrundnormen (Acht-Stunden-Tag, Pausenregelung, Ruhezeiten, Ausgleichszeitraum) an die Notwendigkeiten der Praxis anpassen - in einem gesundheitlich vertretbaren Rahmen, versteht sich. Unter bestimmten Voraussetzungen k&ouml;nnen das auch die Betriebspartner, wobei die Tarifvertragsparteien immer Vorrang haben. Schlie&szlig;lich wissen die Sozialpartner am besten, was in einzelnen Branchen notwendig ist. In der Regel geht es k&uuml;rzer Das Arbeitszeitgesetz setzt nur den Rahmen, der aus Gr&uuml;nden des Gesundheitsschutzes nicht &uuml;berschritten werden darf. Das Gesetz schreibt nicht die konkrete Arbeitszeit der einzelnen Arbeitnehmerin bzw. des Arbeitnehmers vor. Die tats&auml;chliche Arbeitszeit der Besch&auml;ftigten ist in aller Regel k&uuml;rzer, als das Arbeitszeitgesetz es zulassen w&uuml;rde. Sie wird durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Einzelarbeitsvertrag festgelegt. Wie die so festgelegte Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage verteilt wird, liegt im Ermessen des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin. Allerdings haben die Betriebs- und Personalr&auml;te hier mitzubestimmen, wann die t&auml;gliche Arbeitszeit einschlie&szlig;lich der Pausen beginnt und endet und wie die Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage verteilt wird. Rahmen f&uuml;r moderne Arbeitszeitgestaltung Das Arbeitszeitgesetz verfolgt drei gro&szlig;e Ziele: Es sch&uuml;tzt die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, indem es die H&ouml;chstgrenzen f&uuml;r die t&auml;gliche Arbeitszeit und die Mindestdauer f&uuml;r Ruhezeiten und Pausen festlegt. Gleichzeitig verbessert es die Rahmenbedingungen f&uuml;r flexible Arbeitszeiten. Und es sorgt daf&uuml;r, dass der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe gesch&uuml;tzt sind. Begriff der Arbeitszeit Was hei&szlig;t das &uuml;berhaupt: Arbeitszeit? Das Gesetz definiert sie als die Zeit, die zwischen dem Beginn und dem Ende der Arbeit liegt - und zwar ohne die Ruhepausen. Nur im Bergbau unter Tage z&auml;hlen die Pausen zur Arbeitszeit. Zur Arbeitszeit z&auml;hlt aber nicht nur die Vollarbeit. Auch Zeiten mit geringer Inanspruchnahme am Arbeitsplatz, also Arbeitsbereitschaft und Bereitschaftsdienst gelten in vollem Umfang als Arbeitszeit. Bei Rufbereitschaft z&auml;hlt jedoch nur die Zeit, in der die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer tats&auml;chlich zur Arbeit herangezogen wird, als Arbeitszeit. &Uuml;brigens: F&uuml;r Frauen und M&auml;nner mit mehreren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen m&uuml;ssen die Arbeitszeiten zusammengerechnet werden. Ein besonderer Fall: die Nachtarbeit Ein besonderer Fall ist die Nachtarbeit. Dazu z&auml;hlt jede Arbeit zwischen 23 und 6 Uhr, in B&auml;ckereien und Konditoreien zwischen 22 und 5 Uhr, die mehr als zwei Stunden dauert. Wer normalerweise Nachtarbeit in Wechselschicht oder an mindestens 48 Tagen im Kalenderjahr leistet, gilt als Nachtarbeitnehmerin und -arbeitnehmer im Sinne des Gesetzes. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn Nachtarbeitnehmerinnen und Nachtarbeitnehmer stehen unter einem besonderen gesundheitlichen Schutz. Dazu mehr Informationen im n&auml;chsten Kapitel. Im Durchschnitt acht Stunden - aber nicht mehr als zehn Sicherheit und Gesundheitsschutz f&uuml;r die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einerseits, Flexibilit&auml;t f&uuml;r die Unternehmen andererseits: Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das Arbeitszeitgesetz. Und es legt fest: Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte und die zu ihrer Berufsbildung Besch&auml;ftigten d&uuml;rfen grunds&auml;tzlich h&ouml;chstens acht Stunden pro Werktag arbeiten. In vielen Unternehmen jedoch ist an manchen Tagen mehr zu tun und an anderen weniger. Das Arbeitszeitgesetz hat nichts dagegen, dass die Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden verl&auml;ngert wird - unter einer wichtigen Voraussetzung: Die &uuml;ber acht Stunden hinausgehende Arbeitszeit muss ausgeglichen werden. Und zwar nicht irgendwann, sondern innerhalb der n&auml;chsten sechs Monate. Im Durchschnitt darf niemand innerhalb von sechs Kalendermonaten l&auml;nger als acht Stunden pro Werktag arbeiten. Auch die Arbeitspausen der Besch&auml;ftigten sind durch das Arbeitszeitgesetz geregelt. Normalerweise stehen ihnen mindestens 30 Minuten Pause zu. Normalerweise hei&szlig;t: an Tagen, an denen sie mehr als sechs und bis zu neun Stunden arbeiten. Bei einer Arbeitszeit &uuml;ber neun Stunden, muss die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer 45 Minuten Pause einlegen. Ob diese halbe bzw. dreiviertel Stunde am St&uuml;ck oder mehrere Pausen von jeweils mindestens 15 Minuten genommen werden, entscheidet im Voraus die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber, wobei der Betriebs- oder Personalrat &uuml;ber die Pausenregelung mitbestimmt. Fest steht: Niemand darf l&auml;nger als sechs Stunden hintereinander ohne Ruhepause besch&auml;ftigt werden. Nach Feierabend hat die Arbeit f&uuml;r mindestens elf Stunden Ruh Wer Tag f&uuml;r Tag hart arbeitet, braucht Ruhe. Und zwar mindestens elf Stunden ohne Unterbrechung zwischen Feierabend und dem n&auml;chsten Arbeitsbeginn - Zeit, um sich zu erholen und zu entspannen. In einigen Bereichen gehts k&uuml;rzer Lediglich in einigen wenigen Bereichen kann diese gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit um bis zu eine Stunde auf zehn Stunden verk&uuml;rzt werden. Das ist m&ouml;glich in Krankenh&auml;usern und anderen Einrichtungen, in denen Menschen behandelt, gepflegt und betreut werden, in Gastst&auml;tten und anderen Einrichtungen zur Bewirtung und Beherbergung, in Verkehrsbetrieben, beim Rundfunk, in der Landwirtschaft und in der Tierhaltung. Ausgleich muss sein Allerdings gilt hier das gleiche Prinzip wie bei der t&auml;glichen Arbeitszeit: Wer an einem Tag eine k&uuml;rzere Ruhezeit hat, muss an einem anderen Tag mindestens zw&ouml;lf Stunden Ruhezeit erhalten - und zwar innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen. F&uuml;r &Auml;rztinnen und &Auml;rzte sowie das Pflegepersonal in Krankenh&auml;usern und &auml;hnlichen Einrichtungen gelten weitergehende Ausnahmen, wenn sie nach Dienstende Rufbereitschaften ableisten. Ihre Einsatzzeiten w&auml;hrend der Rufbereitschaft k&ouml;nnen zu anderen Zeiten ausgeglichen werden, wenn sie nicht mehr als die H&auml;lfte der Ruhezeit betragen. Das Arbeitszeitgesetz trifft besondere Regelungen f&uuml;r die Nachtarbeit: Besch&auml;ftigte mit Nacht- und Schichtarbeit und ihre Gesundheit stehen unter der besonderen F&uuml;rsorge des Arbeitszeitgesetzes. K&uuml;rzerer Ausgleichszeitraum Das Arbeitszeitgesetz enth&auml;lt eine Reihe von arbeitsmedizinischen und sozialpolitischen Schutzvorschriften f&uuml;r alle Nachtarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer. Wer an Werktagen zur Nachtschicht kommt, soll in der Regel h&ouml;chstens acht Stunden arbeiten. Ausnahmsweise darf die Arbeitszeit bis zu zehn Stunden betragen. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Arbeitszeit am Tag, nur der Ausgleichszeitraum ist bei Nachtarbeit wesentlich k&uuml;rzer: Innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen darf die durchschnittliche Arbeitszeit h&ouml;chstens acht Stunden pro Werktag betragen. Gesundheit geht vor: Alle drei Jahre ein Check beim Arzt Klarer Fall: Wer nachts arbeitet, setzt sich erschwerten Bedingungen aus. Deshalb k&ouml;nnen sich Besch&auml;ftigte mit Nachtarbeit nach dem Gesetz arbeitsmedizinisch untersuchen lassen: einmal vor dem Beginn der n&auml;chtlichen Besch&auml;ftigung und danach regelm&auml;&szlig;ig alle drei Jahre. Wer &auml;lter als 50 Jahre ist, kann sich sogar einmal im Jahr durchchecken lassen. Die Kosten tr&auml;gt die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber, falls diese Untersuchungen nicht ohnehin kostenlos durch eine Betriebs&auml;rztin oder einen Betriebsarzt angeboten werden. Was passiert, wenn bei der Untersuchung festgestellt wird, dass die weitere Nachtarbeit die Gesundheit der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers gef&auml;hrdet? Dann kann die betroffene Person verlangen, dass sie auf einen geeigneten Tagesarbeitsplatz umgesetzt wird. Voraussetzung ist allerdings, dass keine dringenden betrieblichen Erfordernisse dagegen sprechen. Falls doch, muss der Betriebs- oder Personalrat geh&ouml;rt werden - er kann dann Vorschl&auml;ge unterbreiten, wie die Nachtarbeitnehmerin oder der Nachtarbeitnehmer umgesetzt werden sollte. R&uuml;cksicht auf besondere famili&auml;re Situationen Der Betrieb muss auf eine besondere famili&auml;re Situation der Nachtarbeitnehmerin oder des Nachtarbeitnehmers R&uuml;cksicht nehmen. Wer mit einem Kind unter zw&ouml;lf Jahren zusammenlebt, das nicht von einer anderen im Haushalt wohnenden Person betreut werden kann, kann verlangen, k&uuml;nftig nur noch tags&uuml;ber zu arbeiten. Das gleiche gilt f&uuml;r Besch&auml;ftigte, die schwerpflegebed&uuml;rftige Angeh&ouml;rige versorgen m&uuml;ssen. In diesen F&auml;llen gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei der Umsetzung aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden. Ausgleich f&uuml;r Nachtarbeit Normalerweise haben die Tarifpartner in ihren Vertr&auml;gen festgelegt, welchen Ausgleich die Besch&auml;ftigten f&uuml;r ihre n&auml;chtlichen Arbeitsstunden erhalten. Wo es solche tarifvertraglichen Ausgleichsregelungen nicht gibt, springt das Gesetz ein: Den Besch&auml;ftigten ist dann eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage zu gew&auml;hren oder ein angemessener Zuschlag auf das normale Bruttoarbeitsentgelt zu zahlen. Im Sinne des Gesundheitsschutzes sollte der Freizeitausgleich immer Vorrang haben vor einer finanziellen Abgeltung der besonderen Belastungen bei Nachtarbeit. Recht auf Weiterbildung &Uuml;brigens: Auch wer nachts arbeitet, hat ein Recht auf Weiterbildung. Nachtarbeitnehmerinnen und Nachtarbeitnehmer haben deshalb grunds&auml;tzlich den gleichen Zugang zur betrieblichen Weiterbildung und zu Ma&szlig;nahmen, die ihren Aufstieg f&ouml;rdern k&ouml;nnen, wie ihre tags&uuml;ber arbeitenden Kolleginnen und Kollegen. Viel Spielraum f&uuml;r die Sozialpartner Es mag Bereiche geben, in denen die vom Gesetzgeber festgelegten Arbeitszeitgrundnormen f&uuml;r ein Unternehmen oder eine Branche nicht individuell genug sind, weil die Arbeit hier nach anderen Erfordernissen verteilt und eingeteilt werden muss. Jede Branche hat ihre eigenen Besonderheiten. Und die kennen am besten die Sozialpartner. Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit Das Arbeitszeitgesetz r&auml;umt den Sozialpartnern das Recht ein, in einigen Punkten abweichende Regelungen festzulegen. Nat&uuml;rlich muss das in einem Tarifvertrag geschehen oder in einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung, wenn ein Tarifvertrag dies zul&auml;sst. So k&ouml;nnen die Tarifvertragsparteien die Arbeitszeit f&uuml;r Tages- und Nachtarbeit &uuml;ber zehn Stunden an Werktagen mit Ausgleich verl&auml;ngern, wenn in sie regelm&auml;&szlig;ig und in erheblichem Umfang Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst f&auml;llt, einen anderen Ausgleichszeitraum als den gesetzlichen Halbjahreszeitraum vereinbaren, wobei die H&ouml;chstarbeitszeit von 48 Stunden w&ouml;chentlich im Durchschnitt von zw&ouml;lf Monaten nicht &uuml;berschritten werden darf. In einem Tarifvertrag - oder wenn die Tarifvertragsparteien dies zulassen auch in einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung kann die M&ouml;glichkeit er&ouml;ffnet werden, die Arbeitszeit bei Arbeitsbereitschaft oder Bereitschaftsdienst auch ohne Zeitausgleich &uuml;ber acht Stunden pro Werktag hinaus zu verl&auml;ngern. Dabei muss durch besondere Regelungen sichergestellt werden, dass die Gesundheit der Besch&auml;ftigten nicht gef&auml;hrdet wird. Im Betrieb ist die Arbeitszeitverl&auml;ngerung ohne Ausgleich nur m&ouml;glich, wenn die betroffenen Besch&auml;ftigten jeweils schriftlich einwilligen. Ihnen darf kein Nachteil entstehen, wenn sie einer solchen Arbeitszeitregelung nicht zustimmen oder ihre schriftliche Einwilligung mit einer Frist von sechs Monaten widerrufen. Die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber muss ein Verzeichnis der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer f&uuml;hren, die einer Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit ohne Ausgleich zugestimmt haben und diese Verzeichnisse zwei Jahre aufbewahren. Wird die werkt&auml;gliche Arbeitszeit &uuml;ber zw&ouml;lf Stunden hinaus verl&auml;ngert, so muss unmittelbar danach eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden gew&auml;hrt werden. Besondere Regelungen f&uuml;r besondere Situationen Die Tarifvertragsparteien haben auch die M&ouml;glichkeit, in Schichtbetrieben und Verkehrsbetrieben die Gesamtzeit der Ruhepausen auf Kurzpausen von weniger als 15 Minuten aufzuteilen, die Ruhezeit um bis zu zwei Stunden zu k&uuml;rzen, wenn die Art der Arbeit dies erfordert und die K&uuml;rzung innerhalb eines festzulegenden Zeitraums ausgeglichen wird, den Beginn des siebenst&uuml;ndigen Nachtzeitraums auf die Zeit zwischen 22 und 24 Uhr festzulegen, bei Rufbereitschaften die Ruhezeit den Besonderheiten dieser Dienste anzupassen, wobei die Gesundheit der Besch&auml;ftigten durch einen entsprechenden Zeitausgleich gesch&uuml;tzt werden muss. Mehr Flexibilit&auml;t f&uuml;r bestimmte Branchen Unter der Voraussetzung, dass die Gesundheit der Besch&auml;ftigten durch einen entsprechenden Zeitausgleich gesch&uuml;tzt und die H&ouml;chstarbeitszeit von 48 Stunden w&ouml;chentlich im Durchschnitt von zw&ouml;lf Monaten nicht &uuml;berschritten wird, k&ouml;nnen die Tarifvertragsparteien auch vereinbaren in der Landwirtschaft die werkt&auml;gliche Tages- und Nachtarbeitszeit und die Ruhezeit der Bestellungs- und Erntezeit sowie den Witterungseinfl&uuml;ssen anzupassen, die Arbeits-, Pausen- und Ruhezeiten f&uuml;r Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Menschen behandeln, pflegen und betreuen, so zu &auml;ndern, da&szlig; sie auf diese T&auml;tigkeit zugeschnitten sind und dem Wohl der betreuten Personen dienen, die Arbeits-, Pausen- und Ruhezeiten f&uuml;r Besch&auml;ftigte im &ouml;ffentlichen Dienst der Eigenart der jeweiligen T&auml;tigkeit anzupassen. Wird die werkt&auml;gliche Arbeitszeit &uuml;ber zw&ouml;lf Stunden hinaus verl&auml;ngert, so muss unmittelbar danach eine Ruhezeit von mindestens elf Stunden gew&auml;hrt werden. Abweichungen f&uuml;r nicht-tarifgebundene Betriebe Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im Geltungsbereich eines Tarifvertrags, die nicht tarifgebunden sind, k&ouml;nnen abweichende tarifvertragliche Regelungen &uuml;bernehmen: entweder durch eine Betriebsvereinbarung oder, wenn es keinen Betriebsrat gibt, durch eine schriftliche Vereinbarung mit der Arbeitnehmerin oder dem Arbeitnehmer. Auch die Kirchen und die &ouml;ffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften k&ouml;nnen die Abweichungen in ihren Regelungen vorsehen. Und in Bereichen, in denen normalerweise keine Tarifvertr&auml;ge geschlossen werden, ist die Aufsichtsbeh&ouml;rde am Zug: Sie kann Ausnahmen bewilligen, wenn sie aus betrieblichen Gr&uuml;nden notwendig sind und die Gesundheit der Besch&auml;ftigten nicht beeintr&auml;chtigen. Der Sonntag bleibt Sonntag: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen frei - und das rund um die Uhr. Von 0 bis 24 Uhr, so sagt es das Arbeitszeitgesetz, d&uuml;rfen sie nicht besch&auml;ftigt werden. Von diesem Grundsatz ausgenommen sind lediglich einige genau definierte Bereiche, zum Beispiel Krankenh&auml;user, das Rettungswesen und die Gastronomie. Verschiebung der Sonntagsruhe Zwei Ausnahmen betreffen den Beginn bzw. das Ende der Sonn- und Feiertagsruhe, nicht jedoch das Prinzip, wonach die Besch&auml;ftigten sich an diesen Tagen ausruhen und erholen k&ouml;nnen. So kann der Beginn der 24-st&uuml;ndigen Sonn- und Feiertagsruhe f&uuml;r Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer um bis zu zwei Stunden vorverlegt werden. Auch mehrschichtige Betriebe mit regelm&auml;&szlig;iger Tag- und Nachtschicht k&ouml;nnen unter bestimmten Voraussetzungen ein wenig an der Uhr drehen: Sie d&uuml;rfen Beginn oder Ende der Sonn- und Feiertagsruhe um bis zu sechs Stunden vor- oder zur&uuml;ckverlegen, wenn unmittelbar nach dem Beginn der Ruhezeit der Betrieb f&uuml;r 24 Stunden ruht. Ein Beispiel: Ein Unternehmen, dessen Sp&auml;tschicht am Samstag um 22 Uhr endet und dessen Nachtschicht am Sonntagabend um 22 Uhr beginnt, darf seine Arbeitnehmer in diesem Rhythmus besch&auml;ftigen, falls es zwischen diesen beiden Terminen seine Maschinen abstellt. Kaum vorstellbar, dass sonntags niemand mehr arbeitet Es ist kaum vorstellbar, dass an Sonn- und Feiertagen die Not- und Rettungsdienste, Krankenschwestern, &Auml;rztinnen und &Auml;rzte, Busfahrerinnen und Busfahrer, Kellnerinnen und Kellner ihre Arbeit einstellen. Denn nat&uuml;rlich m&ouml;chten die G&auml;ste eines Restaurants auch am Sonntag zuvorkommend bedient werden, Kulturinteressierte ins Theater gehen und die Leserinnen und Leser einer Tageszeitung am Montag das Neueste aus Sport und Politik erfahren - ganz zu schweigen von der Versorgung im Krankenhaus oder der Bek&auml;mpfung von Br&auml;nden, die auch sonntags gew&auml;hrleistet sein m&uuml;ssen. Wer sonntags zur Arbeit muss: Die Ausnahmen von der Regel Deshalb gibt es im Arbeitszeitgesetz Ausnahmen von der Regel. Voraussetzung f&uuml;r jede Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist, dass diese Arbeiten nicht an Werktagen erledigt werden k&ouml;nnen</p> <p><a href="https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a120-arbeitszeitgesetz.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=8">Publikation zeigen</a></p>