<h1>Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studenten</h1> <h2>HISBUS-Befragung zur Verbreitung und zu Mustern von Hirndoping und Medikamentenmissbrauch... Quelle DZHW</h2> <p>Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studierenden Neuro-Enhancement, Hirndoping und leistungsbezogener Substanzkonsum: Bekanntheit und Verbreitung leistungsbezogenen Substanzkonsums. Bekanntheit leistungsbezogenen Substanzkonsums. Verbreitung leistungsbezogenen Substanzkonsums und angewendete Substanzen - Konsumtyp. Sch&auml;tzung der Pr&auml;valenz mittels Randomized Response Technique. Studierende mit leistungsbezogenem Substanzkonsum. Erscheinungsformen leistungsbezogenen Substanzkonsums. Substanzkonsum in der Freizeit. Stress, Leistungsdruck und Substanzkonsum. Stresswahrnehmung und Substanzkonsum. Aktuelle Stresswahrnehmung. Schwierigkeiten im Studium. Lebenszufriedenheit und Substanzkonsum. Einflussfaktoren leistungsbezogenen Substanzkonsums - Regressionsanalytische Betrachtung. Hirndoping Im Auftrag des Bundesministeriums f&uuml;r Gesundheit hat das Deutsche Zentrum f&uuml;r Hochschulund Wissenschaftsforschung Studierende an Universit&auml;ten und Fachhochschulen zum zweiten Mal zu Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung befragt. Die erste Erhebung zu diesem Thema fand im Wintersemester 2010/11 statt. Die Wiederholungbefragung fand vier Jahre sp&auml;ter, im Wintersemester 2014/15 statt. Sie erfolgte erneut als Online-Survey des HISBUS-Panels von November 2014 bis Januar 2015. An ihr beteiligten sich 29% der eingeladenen Studierenden (Brutto-R&uuml;cklaufquote). Die im vorliegenden Projektbericht dargestellten Befunde beruhen auf den Angaben von ca. 6.700 Studierenden (bereinigter R&uuml;cklauf ), die verwertbare Angaben zum Kernthema des Projektes - Stresskompensation und Leistungssteigerung in Form von Hirndoping - gemacht haben. Begriffsbestimmung Im Rahmen der vorliegenden Studie wird leistungsbezogener Substanzkonsum anhand der Aussagen der Studierenden, dass sie seit Beginn des Studiums schon einmal Substanzen eingenommen haben, die ihnen die Bew&auml;ltigung studienbezogener Anforderungen erleichtert haben, als Studienzeitpr&auml;valenz festgestellt. Je nach Art der konsumierten Substanz(en) wird zwischen &#039;&#039;Hirndopenden&#039;&#039; und &#039;&#039;Soft-Enhancenden&#039;&#039; unterschieden. Dem &#039;&#039;Hirndoping&#039;&#039; wird die Einnahme verschreibungspflichtiger Medikamente sowie illegaler Drogen zugeordnet. Illegale Drogen werden einbezogen, wenn ihre Einnahme in Zusammenhang mit der Bew&auml;ltigung von Studienanforderungen erfolgte. Soft-Enhancende nehmen aus dem gleichen Motiv Substanzen, die frei verk&auml;uflich bzw. nicht rezeptpflichtig sind (Koffeintabletten, Energy Drinks, Vitaminpr&auml;parate, Schlaf- oder Beruhigungsmittel, Schmerzmittel, hom&ouml;opathische bzw. pflanzliche Substanzen). Der Konsum von Kaffee und Tee wird nicht zum &#039;&#039;Soft-Enhancement&#039;&#039; gerechnet. Bekanntheit und Verbreitung von leistungsbezogenem Substanzkonsum Die Mehrheit der Studierenden (86%) hat bereits davon geh&ouml;rt, dass Substanzen zur geistigen Leistungssteigerung eingenommen werden. Fast ein Drittel (31%) kennt jemanden, der schon einmal Substanzen zur geistigen Leistungssteigerung eingenommen hat. Diese Quoten haben sich im Vergleich zur ersten Befragung 2010 kaum ver&auml;ndert. Von den Studierenden selbst haben 14% schon mal Substanzen eingenommen mit dem Ziel, sich die Bew&auml;ltigung der studienbezogenen Anforderungen zu erleichtern (Studienzeitpr&auml;valenz). Ein Sechstel hat hierin keine Erfahrungen, kann sich aber vorstellen, dies zu tun. F&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit (71%) kommt Gleiches nicht infrage. Im Vergleich zu den Befunden vier Jahre zuvor ist die Studienzeitpr&auml;valenz um zwei Prozentpunkte gestiegen, was v. a. auf den Anstieg derer zur&uuml;ckgeht, die &#039;&#039;nur ganz selten&#039;&#039; versucht haben, sich die Anforderungsbew&auml;ltigung mit Substanzen zu erleichtern. Substanzen des leistungsbezogenen Substanzkonsums Je nach verwendeten Substanz(en) geh&ouml;ren 6% der Befragten zu den Hirndopenden und 8% zu den Soft-Enhancenden. Der Anteil Hirndopender hat sich seit 2010 um lediglich einen Prozentpunkt erh&ouml;ht (2010: 5% Hirndopende). Mit einem Zuwachs von drei Prozentpunkten ist das SoftEnhancement unter Studierenden st&auml;rker angestiegen (2010: 5%). Studentinnen geh&ouml;ren genauso h&auml;ufig wie Studenten zu den Hirndopenden (je 6%). SoftEnhancement hingegen ist unter den Studentinnen h&auml;ufiger als unter den Studenten zu beobachten (10% vs. 6%). Zum Hirndoping werden am h&auml;ufigsten verschreibungspflichtige Schlaf- bzw. Beruhigungsmittel verwendet (31%). Ebenfalls recht verbreitet ist der Einsatz von Cannabis (29%) und von Antidepressiva (27%). Ein F&uuml;nftel der Hirndopenden greift zu Methylphenidat (21%) und/oder zu verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln (20%). Illegale Drogen wie Kokain, Ecstasy oder Methamphetamine spielen beim leistungsbezogenen Substanzkonsum eine vergleichsweise geringe Rolle (2% bzw. 1%). Die Einnahmefrequenz ist beim Hirndoping h&ouml;her als beim Soft-Enhancement. Von den SoftEnhancenden sagen fast drei Viertel, dass sie &#039;&#039;nur ganz selten&#039;&#039; Substanzen einnehmen. Nur jede(r) zweite Hirndopende gibt dieselbe Einsch&auml;tzung an (50%). Ein Drittel der Hirndopenden (33%) greift &#039;&#039;ab und zu&#039;&#039; und mehr als ein Sechstel (17%) sogar &#039;&#039;h&auml;ufig&#039;&#039; leistungsbezogen zu Substanzen. Sozio-demographische und Pers&ouml;nlichkeitsmerkmale der Konsument(inn)en Alter: Hirndopende sind im Durchschnitt anderthalb Jahre &auml;lter als ihre Kommiliton(inn)en ohne leistungsbezogenen Substanzkonsum (26,8 Jahre vs. 25,2 Jahre). Dieser Unterschied trifft auf hirndopende Frauen bzw. M&auml;nner im Vergleich zu ihren Geschlechtsgenoss(inn)en gleicherma&szlig;en zu. Diese Disparit&auml;t beruht darauf, dass mit dem Alter der Studierenden der Anteil derer steigt, die Substanzen einsetzen, um die Studienanforderungen besser zu bew&auml;ltigen. Beispielsweise geh&ouml;ren in der Altersgruppe der bis zu 21-J&auml;hrigen 2% zu den Hirndopenden. Diese Quote erh&ouml;ht sich sukzessive bis auf 11% unter Studierenden ab einem Alter von 30 Jahren. Beim Soft-Enhancement verl&auml;uft die altersabh&auml;ngige Progression weniger dynamisch von 6% in der j&uuml;ngsten Altersgruppe auf 8% in der Altersgruppe ab 30 Jahren. Der Zusammenhang zwischen Alter und leistungsbezogenem Substanzkonsum stellt sich auch deshalb her, weil mit der vorliegenden Untersuchung die Studienzeitpr&auml;valenz erfasst wird und mit der Studiendauer - und also auch steigendem Alter der Studierenden - das Gelegenheitsfenster gr&ouml;&szlig;er wird, schon mal aus Leistungsgr&uuml;nden zu Substanzen gegriffen zu haben. Bildungsherkunft: Hirndopende haben h&auml;ufiger als andere Studierende einen nicht-akademischen Bildungshintergrund (54% vs. 45% Soft-Enhancende bzw. 46% Nicht-Anwendende). Dieser Unterschied zeigt sich bei den M&auml;nnern besonders deutlich: 60% der hirndopenden Studenten haben ein nicht akademisches Elternhaus im Vergleich zu 48% bei den soft-enhancenden bzw. 47% der nicht-anwendenden M&auml;nner. Familienstand: Mit dem Alter in engem Zusammenhang stehen Partnerschaftsstatus und Elternschaft der Studierenden. Das h&ouml;here Durchschnittsalter der Hirndopenden erkl&auml;rt auch, warum anteilig relativ viele von ihnen bereits verheiratet oder verpartnert sind (11% vs. 8% Soft-Enhancende bzw. 7% Nicht-Anwendende) bzw. (ein) Kind(er) haben (8% vs. 3% Soft-Enhancende bzw. 6% Nicht-Anwendende). Pers&ouml;nlichkeitsdimensionen: Leistungsbezogener Substanzkonsum steht in Zusammenhang mit Pers&ouml;nlichkeitsdimensionen, wie die Erfassung von Pers&ouml;nlichkeitsmerkmalen mittels der &#039;&#039;Big Five&#039;&#039; belegt: F&uuml;r die Dimensionen &#039;&#039;Vertr&auml;glichkeit&#039;&#039;, &#039;&#039;Gewissenhaftigkeit&#039;&#039; und &#039;&#039;Neurotizismus&#039;&#039; konnten hoch signifikante Korrelationen nachgewiesen werden. Aus der Erstbefragung bekannte Zusammenh&auml;nge, dass Hirndopende weniger gewissenhaft sind als andere Studierende und dass sie h&ouml;here Neurotizismuswerte aufweisen als ihre Kommiliton(inn)en, haben sich best&auml;tigt. Auch die Besonderheiten der Soft-Enhancenden - &uuml;berdurchschnittlich hohe Werte sowohl bei &#039;&#039; Gewissenhaftigkeit&#039;&#039; als auch beim &#039;&#039;Neurotizismus&#039;&#039; - konnten repliziert werden. Neu hingegen ist die Erkenntnis, dass Studierende mit leistungsbezogenem Substanzkonsum, und unter ihnen insbesondere die Hirndopenden, signifikant weniger vertr&auml;glich sind als Nicht-Anwendende. Studienmerkmale und leistungsbezogener Substanzkonsum Studienfach: Von den Studierenden der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften greift ein &uuml;berdurchschnittlich hoher Anteil zu substanzbasierten Hilfen bei der Bew&auml;ltigung der Studienanforderungen (7% Hirndopende, 9% Soft-Enhancende). Am anderen Ende der Skala sind Studierende der Ingenieurwissenschaften, von denen lediglich 3% dem Hirndoping zugeordnet wurden. Runtergebrochen auf einzelne Studienf&auml;cher wiederholt sich der (jeweils auf geringen Fallzahlen beruhende) Befund, dass sich unter Studierenden der Veterin&auml;rmedizin hohe Quoten Hirndopender finden (23%). Studierende des Wirtschaftsingenieurwesens weisen ebenfalls eine &uuml;berdurchschnittlich hohe Hirndoping-Quote auf (16%). Hingegen konnte der in der Erstbefragung 2010 festgestellte relativ hohe Hirndopinganteil (14%) unter den Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftlern f&uuml;r die in 2014 Befragten nicht best&auml;tigt werden (6%). Abschlussart: Im Vergleich nach Abschlussart fallen in Bezug auf den leistungsbezogenen Substanzkonsum Studierende auf, die in traditionellen Diplom- oder Magister-Studieng&auml;ngen immatrikuliert sind: Von ihnen geh&ouml;ren mit 12% doppelt so viele wie durchschnittlich zu den Hirndopenden. Ihr h&ouml;heres Alter, l&auml;ngere Studienzeiten und u. U. Studienabschlussprobleme z&auml;hlen zum Ursachengef&uuml;ge f&uuml;r diese hohe Quote. Das Gegenbeispiel sind Studierende in Studieng&auml;ngen, die mit einem Staatsexamen abschlie&szlig;en (nicht Lehramt). Sie weisen einen vergleichsweise geringen Anteil an Hirndopenden auf (3%). Hochschulsemester: Parallel zur altersabh&auml;ngigen Entwicklung steigt auch mit der Semesterzahl die Quote derer, die die Studienanforderungen mit Unterst&uuml;tzung von Substanzen zu bew&auml;ltigen sucht: Bis zum 4. Hochschulsemester betr&auml;gt sie 4% und steigt bis zum 13. Hochschulsemester auf 9%. Dieser Verlauf ist an Fachhochschulen wesentlich deutlicher zu beobachten als an Universit&auml;ten (Anstieg von 4% auf 16% vs. an Universit&auml;ten von 3% auf 8%). Motive und Anwendungssituationen f&uuml;r leistungsbezogenen Substanzkonsum Hinter dem globalen Ziel, mit der Substanzeinnahme die Studienanforderungen besser bew&auml;ltigen zu k&ouml;nnen, stehen verschiedene konkrete Einzelmotive. In der Summe betrachtet unterstreichen die konkreten Ziele den Befund der Erstbefragung, dass nicht das Erreichen von (individuellen) Ausnahmeleistungen im Vordergrund der Substanzanwendung steht, sondern der Leistungserhalt, die Sicherstellung der F&auml;higkeit, &uuml;berhaupt eine (individuell &#039;&#039; normale&#039;&#039;) Leistung erbringen zu k&ouml;nnen. Am h&auml;ufigsten wird Hirndoping eingesetzt, &#039;&#039;um (ein)schlafen zu k&ouml;nnen&#039;&#039; (51%), &#039;&#039;Nervosit&auml;t/ Lampenfieber&#039;&#039; zu bek&auml;mpfen (42%) bzw. &#039;&#039;um wach zu bleiben&#039;&#039; (34%). Gesundheitliche Gr&uuml;nde und Schmerzbek&auml;mpfung spielen ebenfalls eine recht gro&szlig;e Rolle (je 27%). Lediglich ein knappes Viertel (24%) der Hirndopenden erw&auml;hnt explizit, dass die geistige Leistungssteigerung das Ziel der Substanzanwendung ist. Stofff&uuml;lle (23%), Termin- (20%), Leistungs- und Konkurrenzdruck (22%) sind weitere Motive, die hinter dem Griff nach Substanzen stehen. Beim Soft-Enhancement spielen ebenfalls (Ein)Schlafprobleme, Nervosit&auml;t/Lampenfieber die wichtigste Rolle im Motivkanon. Innerhalb beider Gruppen mit leistungsbezogenem Substanzkonsum werden diese Motive von den Frauen im Vergleich zu den M&auml;nnern signifikant h&auml;ufiger genannt. Im Vergleich der Motive beider Gruppen f&uuml;r leistungsbezogenen Substanzkonsum f&auml;llt auf, dass sowohl Hirndopende als auch Soft-Enhancende Gr&uuml;nde nennen, die dem Erhalt der Leistungsf&auml;higkeit dienen. Hirndopende geben jedoch dar&uuml;ber hinaus h&auml;ufiger zus&auml;tzlich an, dass mit der Einnahme (auch) eine Erh&ouml;hung der Leistung angezielt wird. Die studienbezogene Substanzeinnahme findet am h&auml;ufigsten in Zusammenhang mit der Vorbereitung von Pr&uuml;fungen statt (Hirndopende: 50%, Soft-Enhancende: 58%). Genereller Stress ist bei Hirndopenden h&auml;ufiger der Anlass als bei Soft-Enhancenden (54% vs. 38%). Umgekehrt greifen Soft-Enhancende h&auml;ufiger als Hirndopende in Pr&uuml;fungssituationen zu Substanzen (50% vs. 36%). Zwischen den Motiven der Substanzeinnahme und den Situationen, in denen Substanzen angewendet werden, besteht ein enger Zusammenhang: Die Erh&ouml;hung der Leistungsf&auml;higkeit wird vor allem in der Phase der Pr&uuml;fungsvorbereitung zu erreichen versucht. Bei generellem Stress oder in der Pr&uuml;fungssituation selbst geht es in erster Linie um den Erhalt der F&auml;higkeit, &uuml;berhaupt eine (akzeptable) Leistung zu erbringen. Substanzkonsum in der Freizeit: Alkohol und Nikotin Alkohol und Nikotin sind auch unter Studierenden recht verbreitete Drogen, deren (vermehrte) Anwendung ebenfalls in Zusammenhang mit Stress und Leistungsdruck stehen kann. In der vorliegenden Studie wurde dieser Anwendungszusammenhang bei der Erhebung der Daten jedoch nicht explizit hergestellt. Alkohol: Von den Studierenden gibt lediglich jede(r) achte an, nie Alkohol zu trinken (12%). Fast zwei F&uuml;nftel (37%) hingegen trinken &#039;&#039;h&auml;ufig&#039;&#039; (1-mal pro Woche bis t&auml;glich). Diese Quote ist unter M&auml;nnern signifikant h&ouml;her als unter Frauen (42% vs. 31%). Von den Hirndopenden z&auml;hlt anteilig jeder zweite zu den &#039;&#039;h&auml;ufig&#039;&#039; trinkenden (50% vs. 30% Soft-Enhancenden bzw. 36% Nicht-Anwendende). Abgeleitet von Aussagen zu ihrem Alkoholkonsum wurden Studierende identifiziert, die ein Alkoholproblem haben, das hei&szlig;t, sie glauben nicht, jederzeit auf alkoholische Getr&auml;nke verzichten zu k&ouml;nnen, und/oder neigen dazu, bei Stress im Studium mehr Alkohol zu trinken. Zu diesen Studierenden geh&ouml;ren ein Sechstel (16%) der Nicht-Anwendenden, mehr als ein F&uuml;nftel (22%) der Soft-Enhancenden und mit fast einem Drittel (32%) &uuml;berdurchschnittlich viele der Hirndopenden. Nikotin: Drei Viertel der Studierenden raucht nicht, die meisten von ihnen haben nie geraucht. Hirndopende weisen die geringste Quote an Nichtraucher(inne)n auf (53%), Nicht-Anwendende die h&ouml;chste (77%, Soft-Enhancende: 73%). Raucher(innen) haben h&auml;ufiger Alkoholprobleme als Nichtraucher(innen), unter Hirndopenden ist diese Problemkombination besonders h&auml;ufig. Cannabis: Cannabis, die in Deutschland wohl am weitesten verbreitete illegale Droge, wird auch von Studierenden vergleichsweise h&auml;ufig verwendet: Etwa jede(r) sechste (17%) gibt an, Haschisch oder Marihuana zu konsumieren. Der Gro&szlig;teil der Studierenden verwendet Cannabisprodukte allerdings weniger als einmal pro Monat (12%), so dass hierunter einmalige Erfahrungen bis hin zu unregelm&auml;&szlig;igem Gelegenheitskonsum erfasst sein k&ouml;nnen. Mindestens w&ouml;chentlicher Gebrauch von Cannabis kommt bei 2% der Studierenden vor. Zuz&uuml;glich derer, die ein- bis dreimal pro Monat kiffen, ergibt sich eine 30-Tage-Pr&auml;valenz von 5%. Da Cannabisprodukte zumeist geraucht werden, besteht ein deutlicher Zusammenhang zum Rauchen. Auch beim Cannabiskonsum best&auml;tigt sich analog zu Alkohol und Rauchen ein starker Zusammenhang mit leistungsbezogenem Substanzkonsum, der sich wiederum auf die Hirndopenden konzentriert. Fast zwei F&uuml;nftel der Hirndopenden konsumieren Haschisch oder Marihuana (39%), jede(r) achte sogar ein- oder mehrmals pro Woche (13%). Sowohl Nicht-Anwendende als auch Soft-Enhancende verwenden Cannabisprodukte demgegen&uuml;ber signifikant seltener (16% bzw. 15%). W&ouml;chentlicher Cannabiskonsum ist bei ihnen lediglich in geringem Ma&szlig;e verbreitet (Nicht-Anwendende: 2%, Soft-Enhancende: 1%). Stress im Studium und leistungsbezogener Substanzkonsum Gem&auml;&szlig; der zentralen Fragestellung der vorliegenden Studie wurde untersucht, inwieweit der Konsum von Substanzen zur (besseren) Bew&auml;ltigung der Studienanforderungen mit der Wahrnehmung der Studierenden korreliert, dass diese Anforderungen und ggf. die weiterer Lebensbereiche belastend bzw. stressverursachend seien. Die Befunde zeigen eindr&uuml;cklich, dass Nicht-Anwendende sich anteilig relativ selten gestresst f&uuml;hlen, w&auml;hrend sich Hirndopende am h&auml;ufigsten als (sehr) oft &#039;&#039;nerv&ouml;s und gestresst&#039;&#039; beschreiben (52% vs. 74%). Die gro&szlig;e Mehrheit (71%) der Hirndopenden f&uuml;hlte sich in den letzten vier Wochen (sehr) stark durch das Studium belastet oder gestresst. Dahinter liegen Schwierigkeiten mit einer Reihe von Anforderungen, wie z.B. Wissensl&uuml;cken aufzuarbeiten (55%), den Stoffumfang zu bew&auml;ltigen (48%), die Pr&uuml;fungen effizient vorzubereiten (48%), schriftliche Arbeiten anzufertigen (43%) oder den Leistungsanforderungen im Fachstudium (38%) gerecht zu werden. Dar&uuml;ber hinaus haben Hirndopende &uuml;berdurchschnittlich oft auch Schwierigkeiten mit der Studienfinanzierung (47%) und mit der Begeisterung f&uuml;r ihr Fachgebiet (28%). Sie sind anteilig seltener gut ins Studium integriert und haben h&auml;ufiger Probleme mit der Findung von Kontakten zu Mitstudierenden und Lehrenden. Hirndopende beschreiben seltener als Nicht-Anwendende oder Soft-Enhancende die Atmosph&auml;re zwischen den Studierenden als gut (57% vs. 71% bzw. 68%), sie orientieren sich st&auml;rker als diese an sozialen Kontakten au&szlig;erhalb des Hochschulbereichs (45% vs. 40% bzw. 41%). Auch bei den Formen, mit denen Studierende versuchen, Leistungsdruck auszugleichen, nennen Hirndopende im Vergleich zu Soft-Enhancenden und Nicht-Anwendenden h&auml;ufiger tendenziell gesundheitsgef&auml;hrdende Wege, wie Alkohol trinken (35% vs. 17% Nicht-Anwendende bzw. 19% Soft-Enhancende), Rauchen (32% vs. 11% Nicht-Anwendende bzw. 12% Soft-Enhancende), Schmerzmittel (16% vs. 3% bzw. 9%) oder Substanzen zur Beruhigung (20% vs. 1% bzw. 8%) oder zur Leistungssteigerung (16% vs. 1% bzw. 4%) einnehmen. Lebenszufriedenheit und Substanzkonsum Mit der Bitte, ihre Lebenssituation insgesamt einzusch&auml;tzen, wurden die Studierenden gefragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind (Satisfaction with Life Scale). W&auml;hrend drei Viertel (76%) der Nicht-Anwendenden mehr oder weniger stark zufrieden mit ihrem Leben sind und auch mehr als zwei Drittel der Soft-Enhancenden (68%) ein &uuml;bereinstimmendes Urteil abgeben, trifft gleiches auf weniger als jede(n) zweiten Hirndopenden zu (47%). Umgekehrt betrachtet hei&szlig;t das, dass mehr als die H&auml;lfte der Hirndopenden unzufrieden mit ihrem Leben ist - das sind im Vergleich zu den Nicht-Anwendenden anteilig mehr als doppelt so viele (24%) und deutlich mehr als unter den Soft-Enhancenden (32%). Integriertes Modell zu den Einflussfaktoren f&uuml;r leistungsbezogenen Substanzkonsum In multivarianten Analysen konnte gezeigt werden, dass im Gesamtzusammenhang der betrachteten Merkmale vor allem eine geringe Lebenszufriedenheit und ein hohes Stressempfinden ausschlaggebend daf&uuml;r sind, dass Studierende ihre Leistungsf&auml;higkeit durch verschreibungspflichtige Medikamente und/oder illegale Drogen zu beeinflussen versuchen. Aus diesem Grund sind vor allem Studierende gef&auml;hrdet, die aufgrund ihrer Pers&ouml;nlichkeit besonders sensibel auf Stress reagieren. Entscheidend ist allerdings das tats&auml;chlich empfundene Stressniveau, weshalb auch stressresistentere Studierende ein h&ouml;heres Risiko f&uuml;r Hirndoping haben, wenn sie entsprechenden Belastungen ausgesetzt sind. Dar&uuml;ber hinaus stellt (nicht leistungsbezogener) Cannabiskonsum einen Risikofaktor f&uuml;r Hirndoping dar. Demgegen&uuml;ber ist Soft-Enhancement st&auml;rker von Pers&ouml;nlichkeitsmerkmalen wie starkem Neurotizismus, Extraversion und geringer Vertr&auml;glichkeit abh&auml;ngig und weniger vom akuten Stressempfinden oder der Lebenszufriedenheit. Diese Merkmale sind - zumindest teilweise - h&auml;ufiger bei Frauen zu finden. Das Soft-Enhancement kann durch die multivariaten Modelle deutlich schlechter erkl&auml;rt werden als das Hirndoping, so dass eine weitere Erforschung des Ph&auml;nomens n&ouml;tig erscheint. Da beide hier betrachteten Konsumtypen Substanzen nehmen, um studienbezogene Anforderungen zu bew&auml;ltigen, wurde abschlie&szlig;end der Frage nachgegangen, warum die einen hierf&uuml;r zu verschreibungspflichtigen Medikamenten und/oder illegalen Drogen greifen (Hirndoping) w&auml;hrend die anderen ausschlie&szlig;lich frei erh&auml;ltliche Substanzen (Soft-Enhancement) w&auml;hlen. Dabei zeigte sich, dass vor allem die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Einnahme leistungssteigernder Mittel einen Einfluss darauf haben, welche Art von Substanzen verwendet wird. Studierende, die Substanzen zur Schmerzbek&auml;mpfung, aus gesundheitlichen Gr&uuml;nden oder aus Neugier nehmen, oder um den Zeitaufwand zum Lernen gering zu halten, haben eine deutlich h&ouml;here Neigung zum Hirndoping als andere Studierende mit leistungsbezogenem Substanzkonsum. Das Bundesgesundheitsministerium hat das HIS-Institut f&uuml;r Hochschulforschung (HIS-HF) - die Vorg&auml;ngerinstitution des Deutschen Zentrums f&uuml;r Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) 2010 mit einer Datenerhebung zu Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung unter Studierenden beauftragt. Auf der Grundlage einer Online-Befragung des HISBUS-Panels wurden 2012 erstmals bundesweit repr&auml;sentative Befunde zur Bedeutung und Verbreitung der Einnahme von leistungssteigernden und stimmungsaufhellenden Mitteln unter Studierenden vorgelegt (s. Kap. 1.2, Middendorff, Poskowsky, und Isserstedt, 2012). Dieser Projektbericht sowie diverse Aufs&auml;tze und Vortr&auml;ge zum Thema, die auf den Befunden der HISBUS-Befragung basierten1, fanden gro&szlig;e Beachtung und weite Verbreitung unter Expert(inn)en aus den Bereichen Medizin, Psychotherapie, Studien- und Sozialberatung. Mit den Befunden setzten sich vielf&auml;ltige Akteure im Bereich der Hochschulen sowie Studierende und ihre Eltern auseinander. Anlass f&uuml;r diese erste HISBUS-Befragung zum Thema waren sich h&auml;ufende Berichte in den Medien, die eine (vermeintlich) wachsende Verbreitung der Einnahme von leistungssteigernden bzw. stimmungsaufhellenden Mitteln unter Studierenden beschrieben. Zu den wesentlichen Ursachen f&uuml;r diese behauptete Entwicklung wurden ein Anstieg des Leistungsdrucks und zunehmende Pr&uuml;fungsdichte in den gestuften Studieng&auml;ngen gez&auml;hlt. Mit diesen erstmalig ermittelten Befunden konnte die Frage, ob die festgestellten Pr&auml;valenzraten auf die Einf&uuml;hrung der gestuften Studienstruktur zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind oder nicht, nicht beantwortet werden. Daf&uuml;r h&auml;tte es einer Art &#039;&#039;Nullmessung&#039;&#039; vor Einf&uuml;hrung der Bachelor-/Master-Struktur bedurft. Diese einmalige Momentaufnahme lie&szlig; ebenfalls offen, ob die Quote derer, die Neuro-Enhancement betreiben, &uuml;ber die Zeit stabil oder ver&auml;nderlich ist und ob Ver&auml;nderungen im Spektrum der verwendeten Substanzen zu beobachten sind. Um diese Fragen zu beantworten, hat das Bundesgesundheitsministerium das DZHW vier Jahre sp&auml;ter mit einer Wiederholungsbefragung beauftragt, die im November 2014 als zweite Befragung des HISBUS-Panels zu diesem Thema durchgef&uuml;hrt wurde (s. Kap. 1.3.3). Das Hauptziel dieser zweiten HISBUS-Erhebung zum Thema besteht darin, die Entwicklung der Pr&auml;valenzrate zu beobachten. Zur methodischen Absicherung des Zeitvergleichs wurden die Rahmenbedingungen der Untersuchung (Erhebungsmodus, befragte Zielgruppe) und zentrale Elemente des Erhebungsinstruments weitgehend konstant gehalten. Auf der Grundlage der Erfahrungen der Erstbefragung wurden Ver&auml;nderungen des Erhebungskatalogs vorgenommen mit dem Ziel, vorhandene Erkenntnisse zum Substanzkonsum zu pr&auml;zisieren. Dazu geh&ouml;ren z.B. Erweiterungen oder Umformulierungen von Antwortvorgaben. Ein Teil der Forschungen zum Neuro-Enhancement berichten Pr&auml;valenzraten (Dietz et al., 2013), die deutlich &uuml;ber den HISBUS-Quoten liegen (vgl. Kap. 1.2). Sie beruhen auf einer Erhebungsmethode, mit der den Befragten eine h&ouml;here Anonymit&auml;t zugesichert wird. Um zu &uuml;berpr&uuml;fen, ob das Dunkelfeld des Tabuthemas &#039;&#039;Hirndoping&#039;&#039; mit einer st&auml;rker anonymisierten Befragungsmethode (Randomised Response Technique) auch unter Studierenden besser erhellt werden kann, wurde eine Unterstichprobe mit dieser Methode befragt (vgl. Kap. 1.3.1). Die Einnahme leistungsbeeinflussender Substanzen beruht auf einem komplexen Bedingungsgef&uuml;ge aus individuellen Merkmale und Motiven, aus Rahmenbedingungen und Gelegenheitsstrukturen. Um weitere Elemente dieses Bedingungsgef&uuml;ges zu identifizieren, wurden neue Instrumente in das Survey aufgenommen. Dabei wurde auf etablierte Instrumente zur Erfassung von Stress zur&uuml;ckgegriffen, wie z.B. die Perceived Stress Scale (PSS) (Cohen, Kamarck, und Mermelstein, 1983, Ortenburger, 2013), oder zur Identifikation von Lebensbereichen, die mit belastenden Situationen oder Stress verbunden sind (Ortenburger, 2013). Ebenfalls aufgenommen wurde ein Instrument zur Messung der akademischen und sozialen Integration - als wesentlicher Faktor f&uuml;r den Studienerfolg. Aus dem Studienqualit&auml;tsmonitor des DZHW wurde eine Frage zu Schwierigkeiten im Studium &uuml;bernommen, um den Zusammenhang zwischen bestehenden Problemen und der Einnahme von Substanzen zur besseren Anforderungsbew&auml;ltigung aufzuzeigen. Den Blick &uuml;ber Hochschule und Studium als Bedingungsfaktoren f&uuml;r Neuroenhancement hinaus lenkend wurde die allgemeine Lebenszufriedenheit der Studierenden anhand der etablierten Satisfaction With Life Scale (SWLS) (Diener, Emmons, Larsen, und Griffin, 1985) erhoben. Mit der beschriebenen Kontinuit&auml;t, Modifikation und Erweiterung des Fragenkatalogs ist die Wiederholungsbefragung zu Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studierenden ein Beitrag zum Monitoring des gesundheitsbezogenen Verhaltens von Studierenden und bietet zahlreiche und wichtige Hinweis f&uuml;r die zielgruppenspezifische Pr&auml;vention an Hochschulen. Die Diskussion um sogenanntes &#039;&#039;Neuroenhancement&#039;&#039; wurde zu einem wesentlichen Teil durch die Ver&ouml;ffentlichung der Ergebnisse einer nicht repr&auml;sentativen Umfrage unter Leser(inne)n der Zeitschrift Nature ins Rollen gebracht (Maher, 2008). Dort gab ein F&uuml;nftel der Befragten an, schon einmal Methylphenidat, Modafinil oder Beta-Blocker mit dem Ziel genommen zu haben, die Aufmerksamkeit und die Konzentration zu steigern oder die Ged&auml;chtnisleistung zu verbessern. Der Bericht von Maher war dabei keinesfalls die erste, sicherlich aber die bis dato aufsehenerregendste Erhebung zum Thema. Bereits in den Jahren zuvor wurden mehrere Studien ver&ouml;ffentlicht, die vor dem Hintergrund steigender Verordnungszahlen f&uuml;r Medikamente zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivit&auml;tssyndroms (ADHS) wie Methylphenidat und andere Stimulanzien einen Missbrauch dieser Medikamente vermuten (Low und Gendaszek, 2002, McCabe, Knight, Teter, und Wechsler, 2005, Novak, Kroutil, Williams, und Van Brunt, David L, 2007, Teter, McCabe, Boyd, und Guthrie, 2003). W&auml;hrend Low and Gendaszek (2002) auf der Grundlage eines kleinen convenience samples2 Studierender f&uuml;r den nicht-medizinischen Gebrauch von Stimulanzien eine 12-Monats-Pr&auml;valenz von fast 36% ermitteln, weisen Studien, die auf deutlich gr&ouml;&szlig;eren Samples mit randomisierter Stichprobenziehung beruhen, deutlich geringere Pr&auml;valenzen f&uuml;r Studierende aus (12-MonatsPr&auml;valenz: 3% bis 6%, Lebenszeitpr&auml;valenz: 7% bis 8%) (McCabe et al., 2005, Teter et al., 2003, Teter, McCabe, LaGrange, Cranford, und Boyd, 2006). Der Stimulanzienmissbrauch in der erwachsenen Gesamtbev&ouml;lkerung der USA ist damit vergleichbar (Novak et al., 2007): Insgesamt haben 7% der erwachsenen Bev&ouml;lkerung schon einmal Stimulanzien jenseits &auml;rztlicher Verschreibung eingenommen, innerhalb des letzten Jahres 2%. Unter den 18-25-J&auml;hrigen kommen Novak et al. mit 4% jedoch auf eine h&ouml;here 12-Monatspr&auml;valenz als unter den 26-49-J&auml;hrigen. Die bisher genannten Studien unterscheiden allerdings nicht danach, ob ADHS-Medikamente bzw. Stimulanzien mit dem Ziel einer geistigen Leistungssteigerung eingenommen werden</p> <p><a href="https://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201504.pdf">Publikation zeigen</a></p>