<h1>Fortschrittsreport zur altersgerechten Arbeitswelt (Nr. 1)</h1> <h2>Viele Unternehmen haben mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass sie der Mix der Generationen in der Belegschaft voranbringt... Quelle BMAS</h2> <p>Fortschrittsreport Altersgerechte Arbeitswelt Entwicklung des Arbeitsmarkts f&uuml;r &Auml;ltere Auf dem Weg zu einem l&auml;ngeren Erwerbsleben Produktivit&auml;t &auml;lterer Besch&auml;ftigter - personalwirtschaftliche Instrumente haben positive Wirkungen Ver&auml;nderungen der kognitiven Leistungsf&auml;higkeit mit dem Alter? Die Besch&auml;ftigung &Auml;lterer bei nahendem Ruhestand Wirkungen des Arbeitsplatzverlustes und Wiederaufnahme einer Besch&auml;ftigung L&auml;ngeres Erwerbsleben in der Praxis Fortschritte und Herausforderungen auf dem Weg in die altersgerechte Arbeitswelt Der demografische Wandel ver&auml;ndert den Altersaufbau der Bev&ouml;lkerung in unserem Land grundlegend. Wir werden insgesamt weniger und wir leben l&auml;nger. Diese Entwicklung setzt sich weiter fort und ist auch auf dem Arbeitsmarkt l&auml;ngst zu sp&uuml;ren. Schon heute werden in vielen Bereichen Auszubildende und Fachkr&auml;fte h&auml;nderingend gesucht. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der 20- bis 64-J&auml;hrigen insgesamt um mehr als sechs Millionen zur&uuml;ckgehen. Gleichzeitig w&auml;chst die Altersgruppe der &uuml;ber 64-J&auml;hrigen um 5,5 Millionen Personen an. Dies bedeutet, dass k&uuml;nftig weniger und durchschnittlich &auml;ltere Erwerbst&auml;tige Wohlstand und soziale Sicherung f&uuml;r alle erwirtschaften m&uuml;ssen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, muss die Erwerbsbeteiligung steigen, insbesondere auch die der &auml;lteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dies untermauert auch der Ende 2011 ver&ouml;ffentlichte Arbeitskr&auml;ftereport des Bundesministeriums f&uuml;r Arbeit und Soziales, der &uuml;ber m&ouml;gliche Arbeitskr&auml;fteengp&auml;sse in Deutschland berichtet. Wir haben bereits wichtige Weichen f&uuml;r die Erh&ouml;hung der Erwerbst&auml;tigkeit von &Auml;lteren gestellt. Wir haben Fehlanreize zur Fr&uuml;hverrentung beseitigt und beschlossen, die Regelaltersgrenze bis zum Jahr 2029 in moderaten Stufen um insgesamt zwei Jahre anzuheben. Dieser Die Anhebung der Regelaltersgrenze ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung unabdingbar. Sie wurde bewusst so ausgestaltet, dass weder Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch Unternehmen auf dem Weg in ein l&auml;ngeres Erwerbsleben &uuml;berfordert werden. Die fachlichen Kompetenzen, das umfassende Erfahrungswissen und die hohe Sozialkompetenz der &Auml;lteren werden in Zukunft immer st&auml;rker nachgefragt werden. Ein l&auml;ngeres Erwerbsleben wird in hohem Ma&szlig;e dazu beitragen, dem drohenden Fachkr&auml;ftemangel entgegenzuwirken. Zahlreiche Unternehmen haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt, das zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre. Allein seit 2005 ist die Zahl der Erwerbst&auml;tigen &uuml;ber 55 Jahre um &uuml;ber eine Million gestiegen. Sowohl die Erwerbst&auml;tigenquote der 55- bis 60-J&auml;hrigen als auch die Erwerbst&auml;tigenquote der &uuml;ber 60-J&auml;hrigen haben sich in diesem Zeitraum deutlich erh&ouml;ht. Zudem gibt es eine Vielzahl von regionalen Netzwerken und Projekten, die einen Beitrag zur Erh&ouml;hung der Erwerbsbeteiligung, aber auch zum Erhalt der Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit &auml;lterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie zum Arbeiten in altersgemischten Teams leisten. Diese werden vom Innovationsb&uuml;ro Fachkr&auml;fte f&uuml;r die Region unterst&uuml;tzt, das vom Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales im Jahr 2011 neu eingerichtet wurde. Eine l&auml;ngere Erwerbsdauer ist Chance und Herausforderung zugleich. Chance f&uuml;r &Auml;ltere, weil Erwerbst&auml;tigkeit gesellschaftliche Teilhabe, Einkommen, sozialen Status und Selbstwertgef&uuml;hl bedeutet. Chance auch f&uuml;r Unternehmen, weil &auml;ltere Erwerbst&auml;tige leistungsf&auml;hig und motiviert sind und mit ihrem Erfahrungswissen zur Qualit&auml;tssteigerung der Produkte und Dienstleistungen beitragen. Herausforderung f&uuml;r alle, weil sich unsere Arbeitswelt an die sich &auml;ndernden Anspr&uuml;che und Bed&uuml;rfnisse der Besch&auml;ftigten anpassen muss. Viele Unternehmen haben mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass sie der Mix der Generationen in der Belegschaft voranbringt. Die Jungen profitieren von der Erfahrung der &auml;lteren Besch&auml;ftigten und bringen sich selbst mit neuen Ideen ein. Das Miteinander von Jung und Alt ist erfolgreich, wenn alle ihren Teil dazu beitragen. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer k&ouml;nnen beispielsweise durch eine gesunde Lebensf&uuml;hrung und die Bereitschaft zu lebenslanger Qualifizierung das eigene Engagement und die eigene Arbeits- und Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit beeinflussen. Unternehmen und Sozialpartner stehen in der Verantwortung, die Arbeitsbedingungen alters- und alternsgerecht zu gestalten. Arbeitspl&auml;tze m&uuml;ssen besser als bisher auf die M&ouml;glichkeiten und Bed&uuml;rfnisse aller Altersgruppen zugeschnitten werden. Wie dies am besten gelingen kann, h&auml;ngt von der Branche, der T&auml;tigkeit und auch der Gr&ouml;&szlig;e der Betriebe ab. Grunds&auml;tzlich gilt es, den Hebel in allen relevanten Bereichen anzusetzen: bei der Arbeitsorganisation und -gestaltung ebenso wie bei der Weiterbildung und Qualifizierung oder der Gesundheitsf&ouml;rderung. Die Bundesregierung will, dass mehr &Auml;ltere l&auml;nger in Arbeit bleiben, und ermutigt zur Gestaltung altersgerechter Arbeitsbedingungen. Diesem Ziel dient auch der vorliegende Fortschrittsreport, der als erste Ver&ouml;ffentlichung eine Zwischenbilanz zieht und k&uuml;nftig in einer halbj&auml;hrlich erscheinenden Reihe einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Quantit&auml;t und Qualit&auml;t der Erwerbsbeteiligung &Auml;lterer gibt. Neben der statistischen Analyse werden die wichtigsten Ergebnisse wissenschaftlicher Studien aufgearbeitet, Beispiele guter betrieblicher Praxis vorgestellt und wird damit in kompakter Form der Einstieg in eine alters- und alternsgerechte Arbeitswelt beschrieben. Die Fortschrittsreports erg&auml;nzen die im Jahr 2010 begonnene Berichterstattung der Bundesregierung zur Anhebung der Altersgrenzen, die aufgrund gesetzlicher Vorschriften alle vier Jahre erfolgt. Gut informieren, verl&auml;sslich analysieren und zum Mitgestalten motivieren - diesem Anspruch ist die aktuelle Ver&ouml;ffentlichung genauso verpflichtet wie kommende Ausgaben dieses Reports, die sich thematischen Schwerpunkten wie z.B. Fragen der Arbeitsorganisation und -gestaltung, der Weiterbildung und Qualifizierung oder der Gesundheitsf&ouml;rderung widmen werden. Wir freuen uns, ein solches Angebot vorlegen zu k&ouml;nnen, und laden Sie ein, es zu nutzen. Auf dem Weg zu einem l&auml;ngeren Erwerbsleben Deutschland geh&ouml;rt mit Japan und Italien zu den L&auml;ndern mit der weltweit &auml;ltesten Bev&ouml;lkerung. Im Jahr 2009 war jede f&uuml;nfte in Deutschland lebende Person 65 Jahre oder &auml;lter. Vor 60 Jahren traf dies nur auf jede zehnte Person zu. Bereits jetzt ist sicher, dass die Bev&ouml;lkerung in den kommenden Jahrzehnten noch deutlich &auml;lter werden wird. Aktuelle Projektionen1 zeigen, dass im Jahr 2030 etwa 17 Prozent weniger Kinder und Jugendliche als heute in Deutschland leben werden und gleichzeitig die Altersgruppe der &uuml;ber 64-J&auml;hrigen um etwa ein Drittel gr&ouml;&szlig;er sein wird. R&uuml;ckgang der Erwerbspersonen um sechs Millionen bis 2030 Von besonderer Tragweite ist, dass die Zahl der Einwohner im erwerbsf&auml;higen Alter (20 bis unter 65 Jahre) in den n&auml;chsten 20 Jahren stark zur&uuml;ckgehen wird, n&auml;mlich um &uuml;ber sechs Millionen Personen bzw. mehr als zw&ouml;lf Prozent. Es ist unbestritten, dass diese Entwicklung f&uuml;r die Gestaltung des Erwerbslebens und f&uuml;r die Alterssicherung nicht ohne Konsequenzen bleiben kann. Daher wurden vom Gesetzgeber in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Weichen neu gestellt. Richtungweisend war dabei vor allem das im Jahr 2007 verabschiedete Gesetz zur Anpassung der Regelaltersgrenze, das die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre in den kommenden beiden Jahrzehnten regelt. Ab 2012 steigt die Regelaltersgrenze um einen Monat pro Jahr Dieses Jahr wirkt sich die Erh&ouml;hung der Regelaltersgrenze erstmals direkt auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Betriebe aus. Beginnend mit den Versicherten des Jahrgangs 1947 wird das gesetzliche Renteneintrittsalter bis 2024 um jeweils einen Monat pro Jahr, danach bis 2029 um jeweils zwei Monate pro Jahr erh&ouml;ht. F&uuml;r Besch&auml;ftigte ab dem Jahrgang 1964 gilt dann eine Regelaltersgrenze von 67 Jahren. Regelungen im Gesetz zur A npassung der Regelaltersgrenze Grunds&auml;tzlich ist im Gesetz zur Anpassung der Regelaltersgrenze aus dem Jahr 2007 festgelegt, dass - beginnend mit den Versicherten des Jahrgangs 1947 - f&uuml;r diesen und die folgenden Geburtsjahrg&auml;nge die Regelaltersgrenze schrittweise im Laufe der n&auml;chsten beiden Jahrzehnte um insgesamt zwei Jahre auf dann 67 Jahre angehoben wird (siehe Abbildung 1). Der Geburtsjahrgang 1964 ist der erste Jahrgang, f&uuml;r den die Regelaltersgrenze von 67 Jahren gelten wird. Es bleiben auch weiterhin differenzierte Regelungen bestehen. F&uuml;r schwerbehinderte Menschen oder f&uuml;r besonders langj&auml;hrige Versicherte (mehr als 45 Beitragsjahre) ist weiterhin die Regelaltersgrenze von 65 Jahren ma&szlig;geblich. F&uuml;r langj&auml;hrige (mehr als 35 Versicherungsjahre) oder schwerbehinderte Versicherte ist nach wie vor ein vorzeitiger Renteneintritt m&ouml;glich. Aufgrund der l&auml;ngeren Rentenbezugsdauer ist dieser weiterhin mit Abschl&auml;gen von 0,3 Prozent je Monat verbunden. Umgekehrt werden Zuschl&auml;ge f&uuml;r jeden Monat gezahlt, in dem die Altersrente nach Erreichen der Regelaltersgrenze noch nicht in Anspruch genommen wird. Da das Berechnungsprinzip der Altersrente auf Basis von Entgeltpunkten auch zuk&uuml;nftig unver&auml;ndert bleibt, f&uuml;hrt die Verl&auml;ngerung der Besch&auml;ftigungsdauer zu h&ouml;heren Rentenanspr&uuml;chen des Einzelnen. An bestehenden Riester-Vertr&auml;gen &auml;ndert sich nichts. K&uuml;nftig werden allerdings nur noch Vertr&auml;ge gef&ouml;rdert, welche die Rente fr&uuml;hestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres auszahlen. Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters Die Anhebung der Regelaltersgrenze ist auch mit Blick auf die weiter steigende Lebenserwartung der Menschen sachgerecht. Es wird davon ausgegangen, dass sich die fernere Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren f&uuml;r Frauen und M&auml;nner bis zum Jahr 2030 um gut zwei Jahre weiter erh&ouml;hen wird.2 Angesichts der steigenden Lebenserwartung und der Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit und Bildung bedeutet ein verl&auml;ngertes Erwerbsleben f&uuml;r viele Menschen vor allem die Chance auf verl&auml;ngerte berufliche und gesellschaftliche Teilhabe. Know-how k&ouml;nnen sie auch im Erwerbsleben l&auml;nger aktiv bleiben, sind gefragt und notwendig. Die Menschen werden &auml;lter, aber die &Auml;lteren bleiben jung Ein l&auml;ngeres Erwerbsleben als Chance f&uuml;r die Betriebe Die Fortschritte in der Medizin haben dazu beigetragen, die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland deutlich zu erh&ouml;hen. Verl&auml;ngert hat sich im Durchschnitt aber nicht nur das Leben selbst, sondern auch die gesunde und aktive Phase des Lebens. Die schrittweise Erh&ouml;hung der Regelaltersgrenze ist vor diesem Hintergrund vor allem auch der Appell an die Verantwortlichen in den Betrieben und Unternehmen, ihre Personalplanung und Arbeitsorganisation auf die sich ver&auml;ndernden Rahmenbedingungen einzustellen. F&uuml;r viele &Auml;ltere sind die Jahre im Alter gewonnene Jahre, die sie bei guter Gesundheit selbstbewusst und selbstbestimmt gestalten wollen. Sie m&ouml;chten sich mit ihren sozialen, kulturellen und beruflichen Lebenserfahrungen einbringen, sie sind leistungsf&auml;hig und stehen neuen technologischen Entwicklungen aufgeschlossen gegen&uuml;ber.4 Mit ihrem Wissen und Nicht nur die demografische Entwicklung kann zu Personalengp&auml;ssen f&uuml;hren. Auch der Strukturwandel hin zu wissensintensiven Produkten und Dienstleistungen wird den Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskr&auml;ften noch erh&ouml;hen. Es liegt also nahe und ist im Interesse der Unternehmen selbst, die spezifischen Potenziale der &Auml;lteren zu f&ouml;rdern und die verl&auml;ngerte Lebensarbeitszeit zu nutzen. Der demografische Wandel erfordert eine neue Bewertung des Alters. Dazu geh&ouml;ren Anerkennung und F&ouml;rderung des aktiven Alterns sowie die Vermittlung realistischer und differenzierter Bilder vom Alter und vom Altern in der Gesellschaft. Nicht zuletzt heute noch z&ouml;gernden Unternehmen sollte vor Augen gef&uuml;hrt werden, dass diese Entwicklung insbesondere als Chance zu begreifen ist. Aber auch in Deutschland leisten eine Vielzahl von regionalen Netzwerken und Projekten einen wichtigen Beitrag zur Erh&ouml;hung der Erwerbsbeteiligung und zum Erhalt der Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit &auml;lterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Neuerdings werden viele dieser Initiativen vom Innovationsb&uuml;ro Fachkr&auml;fte f&uuml;r die Region (www.fachkraeftebuero.de) beraten, miteinander vernetzt und bei der Entwicklung gemeinsamer Qualit&auml;tsstandards unterst&uuml;tzt. Das Innovationsb&uuml;ro wurde vom Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales im M&auml;rz 2011 eingerichtet</p> <p><a href="https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen-DinA4/fortschrittsreport-februar-2012.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2">Publikation zeigen</a></p>