<h1>Regelungsstrukturen von Arbeitszeitkonten</h1> <h2>Wie sehen Regelungen im Detail aus, die das Funktionieren von Arbeitszeitkonten sicherstellen sollen? Quelle Hans-B&ouml;ckler-Stiftung</h2> <p>Ziele von Arbeitszeitkonten Die H&auml;ufigkeit von Obergrenzen Die Grenzwerte Verf&uuml;gung &uuml;ber Arbeitszeitkonten Zeiterfassung Informierung der Besch&auml;ftigten &uuml;ber die Kontenst&auml;nde Erfassung von zuschlagspflichtigen Arbeitszeiten auf dem Arbeitszeitkonto Ampelkonten Arbeitszeitkonten in Betriebs- und Dienstvereinbarungen Untersucht werden 587 Betriebs- und Dienstvereinbarungen mit Regelungen zu Arbeitszeitkonten, die einen Ausgleichszeitraum von bis zu einem Jahr haben. Im zweiten Teil werden 83 Vereinbarungen zu Langzeitkonten analysiert. Diese weisen einen Ausgleichszeitraum auf, der l&auml;nger als ein Jahr oder unbegrenzt ist. Ein zentraler Befund ist, dass die Kurzzeitkonten fast ausnahmslos (92%) in vier zeitliche Rahmenvorgaben zugleich eingebettet sind: Arbeitszeitgesetz, tarifliche Bestimmungen, die Festlegung eines die H&ouml;chstarbeitszeit &uuml;bersteigenden Arbeitszeitrahmens, die Definition eines Zeitraums f&uuml;r den Ausgleich von Zeitguthaben und -schulden. Das Potenzial f&uuml;r Flexibilisierung durch Kurzzeitkonten kann jedoch nur realisiert werden, wenn die tariflich oder einzelvertraglich vereinbarte Arbeitszeit als eine fixe, nicht flexible Bezugsgr&ouml;&szlig;e fungiert, die in dem definierten Ausgleichszeitraum als Durchschnittswert erreicht sein muss. Werden Kurzzeitkonten eingef&uuml;hrt, wird ein Gro&szlig;teil des betrieblichen &#039;&#039;Zeitgeschehens&#039;&#039; neu gestaltet. Neu organisiert werden vor allem die gesetzlich und/oder tariflich geregelten Pausenzeiten, die Abwesenheitszeiten und die anordnungs- und zustimmungspflichtigen &Uuml;berstunden. Sie m&uuml;ssen strikt von der vor&uuml;bergehend geleisteten, sp&auml;ter durch Freizeit wieder ausgeglichenen Mehrarbeit unterschieden werden. Die Bew&auml;ltigung von Marktanforderungen ist in fast allen Vereinbarungen das zentrale Ziel. Besch&auml;ftigungssicherung und relative Zeitautonomie werden deutlich seltener als Ziele genannt. Wenn der Ausgleich von Zeitguthaben oder -schulden im vorgesehenen Zeitraum nicht m&ouml;glich ist, dann werden Stunden in der Regel in den n&auml;chsten Ausgleichszeitraum geschoben. Sie werden dann sp&auml;ter abgefeiert bzw. nachgearbeitet. In diesem Kontext spielt das Verfallen von Zeitguthaben oder -schulden so gut wie keine Rolle. Auch ist nur selten vorgesehen, die Zeitguthaben auszuzahlen oder die Zeitschulden mit dem Gehalt oder dem Urlaub zu verrechnen. Rund ein Viertel der Kurzzeitkonten sind Ampelkonten, mit denen ein unbegrenztes Ansammeln von Zeitguthaben oder -schulden verhindert werden soll. Bei Ampelkonten h&auml;ngt die Art und Weise, wie die Besch&auml;ftigten &uuml;ber das Kurzzeitkonto verf&uuml;gen k&ouml;nnen, von der Ampelphase ab. In der unproblematischen Gr&uuml;nphase k&ouml;nnen sie weitgehend nach ihren Interessen dar&uuml;ber bestimmen, wann und wie sie die Zeitguthaben nehmen wollen. Dieses &#039;&#039;Dispositionsrecht&#039;&#039; geht in der Gelb-, insbesondere aber in der problematischen Rotphase auf die Vorgesetzten &uuml;ber. Ampelkonten sind ambivalent, was die Verf&uuml;gung &uuml;ber Zeitguthaben oder -schulden anbelangt. Vereinbarungen &uuml;ber Langzeitkonten werden weitaus seltener als Kurzzeitkonten f&uuml;r alle Besch&auml;ftigten abgeschlossen. Bei den Zielen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Langzeit -und Kurzzeitkonten. Wettbewerbsf&auml;higkeit erhalten und Produktionsschwankungen auszugleichen sind Ziele, die vorrangig betrieblichen Interessen dienen. Bei Langzeitkonten haben Ziele, die n&auml;her bei den Besch&auml;ftigteninteressen liegen, eine h&ouml;here Bedeutung: l&auml;ngerfristige Freistellungen f&uuml;r Weiterbildung, Sabbaticals oder vorzeitige Beendigung des Erwerbslebens. Die Option, neben Zeit- auch Geldelemente ansparen zu k&ouml;nnen, unterscheidet Langzeit - deutlich von Kurzzeitkonten, in die nur Zeitelemente einflie&szlig;en k&ouml;nnen. Der durchschnittliche Ansparzeitraum bei Langzeitkonten liegt bei 6,6 Jahren. Das Ansparvolumen insgesamt betr&auml;gt im Durchschnitt 1.846 Stunden, was etwas mehr als einer Jahresarbeitszeit entspricht. Langzeitkonten k&ouml;nnen in der Regel nur gef&uuml;hrt werden, wenn Besch&auml;ftigte und Arbeitgeber dar&uuml;ber einen schriftlichen Vertrag schlie&szlig;en. Diese individualvertragliche L&ouml;sung gilt nach unseren Daten f&uuml;r alle nach dem 01.01.2009 vereinbarten Regelungen. Bei Langzeitkonten liegen fast ausnahmslos Systeme der Zeiterfassung vor, die Besch&auml;ftigten werden regelm&auml;&szlig;ig &uuml;ber den Kontostand informiert. Langzeitkonten sind zu 41 Prozent in Zeit, zu 59 Prozent in Geld angelegt. Sieben von zehn Vereinbarungen weisen eine Insolvenzsicherung auf. Ein F&uuml;nftel der Vereinbarungen zu Langzeitkonten erlaubt &Uuml;bertragungen auf einen Folgearbeitgeber oder die Deutsche Rentenversicherung Bund. Die Entnahme der auf Langzeitkonten angesparten Guthaben f&uuml;hrt nicht zu Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Fast alle Vereinbarungen zu Langzeitkonten sehen vor, dass die Besch&auml;ftigten nach der Freistellungsphase auf ihren vorherigen oder einen vergleichbaren Arbeitsplatz zur&uuml;ckkehren. Auch ist der Sozialversicherungsschutz bei den Langzeitkonten gew&auml;hrleistet, die in Geld gef&uuml;hrt werden</p> <p><a href="https://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_422.pdf">Publikation zeigen</a></p>