<h1>Gesund arbeiten w&auml;hrend des Ramadans</h1> <h2>Diese Brosch&uuml;re informiert &uuml;ber die Regeln im Ramadan und m&ouml;chte Hinweise geben, wie fastende Mitarbeiter unterst&uuml;tzt werden k&ouml;nnen... Quelle Initiative Gesundheit und Arbeit</h2> <p>Gesund arbeiten w&auml;hrend des Ramadans Empfehlungen f&uuml;r den Umgang im Betrieb Religion ist in erster Linie Privatsache. Doch bestimmte Aspekte des gelebten Glaubens erfordern die Aufmerksamkeit von F&uuml;hrungskr&auml;ften in den Betrieben, Arbeitsmedizinern, Fachkr&auml;ften f&uuml;r Arbeitssicherheit oder auch Sicherheitsbeauftragten. In Deutschland leben derzeit etwa vier Millionen Muslime. Dem entsprechend hoch ist auch in der Arbeitswelt der Anteil der Menschen islamischen Glaubens. Zum muslimischen Glauben geh&ouml;rt der Ramadan. Der Ramadan verschiebt sich in den n&auml;chsten Jahren in den Hochsommer und hat dadurch f&uuml;r den Gesundheitsschutz eine gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung, denn vor allem der Verzicht auf Fl&uuml;ssigkeit kann bei schwerer k&ouml;rperlicher Arbeit, speziell im Hochsommer, zu Konzentrationsst&ouml;rungen oder gar Dehydrierung f&uuml;hren. Deshalb kommt es besonders in dieser Zeit auf Aufkl&auml;rung und ein gutes Beratungsangebot durch Betriebs- sowie Werks&auml;rzte und Berater der Betrieblichen Gesundheitsf&ouml;rderung an. Neben Unterst&uuml;tzung durch diese Akteure ist auch die eigene Verantwortung der fastenden Muslime gefragt. Diese Brosch&uuml;re informiert &uuml;ber die Regeln im Ramadan und m&ouml;chte Hinweise geben, wie Sie als Arbeitgeber, F&uuml;hrungskraft, zust&auml;ndiger Betriebsarzt oder Fachkraft f&uuml;r Arbeitssicherheit die fastenden Mitarbeiter unterst&uuml;tzen k&ouml;nnen. Auch im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, zum Beispiel bei der Verbesserung der betriebsinternen Kommunikation, k&ouml;nnen diese Informationen hilfreich sein. Ramadan: die Zeit des Fastens Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender und der islamische Fastenmonat. Der Ramadan verschiebt sich wegen der k&uuml;rzeren Mondmonate um zehn oder elf Tage pro Jahr Richtung Jahresanfang. Der Ramadan ist f&uuml;r Muslime eine der f&uuml;nf S&auml;ulen ihrer Religion neben den t&auml;glichen f&uuml;nf Gebeten, dem Glaubensbekenntnis, dem Pilgern nach Mekka und dem Almosengeben. Das Wort Ramadan ist abgeleitet von der Wortwurzel Ramada oder Ramida, was brennende Hitze oder Trockenheit bedeutet. Aus der gleichen Wortwurzel kommt ramdaa - sonnengebrannter Sand. Dies deutet auf das Hitzegef&uuml;hl im Magen hin, das vom Durst erzeugt wird. Dies wird auch damit erkl&auml;rt, dass der Ramadan die S&uuml;nden ausbrennt wie die Hitze den Boden. Es sind dar&uuml;ber hinaus noch andere Bedeutungen f&uuml;r das Wort Ramadan bekannt. An insgesamt 29 bzw. 30 Tagen fasten Muslime und leben am Tage sehr enthaltsam. Das bedeutet, dass sie tags&uuml;ber nicht essen und trinken, nicht rauchen und keinen Geschlechtsverkehr haben. Ein Muslim fastet mit allen Sinnen, die ihm Allah gegeben hat. So soll er nicht schlecht reden, nichts Schlechtes tun und auch nichts Schlechtes h&ouml;ren. In dieser Zeit setzt er sich intensiver mit seinem Glauben und seinem Sch&ouml;pfer auseinander. Das Fasten wird dem Tag, das Fastenbrechen (Iftar) der Nacht zugerechnet. Als Fastenbre chen gilt der abendliche Abschluss eines Fastentages mit dem Abendgebet, beim Einbruch des Abends. Zu dieser Zeit wird das Fasten des Tages beendet und die grunds&auml;tzlich erlaubten Handlungen, die tags&uuml;ber zum Fastenabbruch gef&uuml;hrt h&auml;tten, sind dann wieder erlaubt. In muslimischen L&auml;ndern wird der Zeitpunkt durch den Gebetsruf zum Abendgebet deutlich. An anderen Orten behelfen sich Muslime mit entsprechenden Zeittabellen. &Uuml;blicherweise wird mit Datteln und einem Schluck Wasser das Fasten gebrochen und ein Gebet gesprochen. Es ist &uuml;blich, das Fastenbrechen in gr&ouml;&szlig;eren Kreisen durchzuf&uuml;hren und G&auml;ste, Verwandte, Nachbarn, Bekannte und insbesondere Bed&uuml;rftige dazu einzuladen und die Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen. Das Ende des Ramadans wird mit einem Fest begangen. Es hei&szlig;t auf Arabisch Id-Al-Fitr und auf t&uuml;rkisch Ramazan Bayrami. Das Fest beginnt mit einem Festgebet am ersten Tag des folgenden Monats Schawwal und dauert insgesamt drei Tage. Die Muslime begl&uuml;ckw&uuml;nschen sich gegenseitig nach dem Festgebet und dr&uuml;cken ihren Wunsch aus, dass Gott (Allah) ihr Fasten und die &uuml;brigen erf&uuml;llten Glaubenspflichten und -dienste annehmen m&ouml;ge. Im T&uuml;rkischen wird das Fest auch als Zuckerfest eker Bayrami bezeichnet. Wer fastet? In Deutschland gibt es ca. vier Millionen Muslime1. Muslime sind eine sehr heterogene gesellschaftliche Gruppe, die sich nach Konfessionen (Sunniten: 74 Prozent, Aleviten: 13 Prozent, Schiiten: sieben Prozent und Ahmadiya: zwei Prozent)2, nach Rechtsauslegung, nach Organisationsformen (Dachverb&auml;nde, Moscheegemeinden, Vereine) und in ihrer religi&ouml;sen Praxis unterscheiden. Die Sunniten und Schiiten fasten w&auml;hrend des gesamten Ramadans. Das Fasten ist f&uuml;r alle erwachsenen Muslime, gleich ob Mann oder Frau, verpflichtend. Meist nehmen Jugendliche mit dem Einsetzen der Pubert&auml;t erstmals am Fasten teil. Der Koran beschreibt jedoch auch Ausnahmen. Kranke, Altersschwache, Reisende, Schwangere, Stillende, Frauen in der Menstruation und &auml;hnliche Personengruppen sind von der Pflicht ausgenommen. Wer nicht fastet, wie Reisende, akut Kranke, Schwangere, Stillende und Frauen in der Menstruation sollte die vers&auml;umten Tage zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt nachholen. Chronisch Kranke (zum Beispiel Diabetiker) und Alte hingegen k&ouml;nnen Almosen geben oder Bed&uuml;rftige bewirten (die so genannte Fidya). Fasten im Monat Ramadan ist f&uuml;r viele Gl&auml;ubige sehr wichtig. Daher entscheiden sich auch chronisch Kranke h&auml;ufig f&uuml;r das Fasten. &Auml;rzte sollten diese Entscheidung respektieren und ihre Empfehlungen unter Beachtung von pathophysiologischen Hintergr&uuml;nden und religi&ouml;sen Leitlinien aussprechen. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit gro&szlig;er M&uuml;he ertragen k&ouml;nnen, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser f&uuml;r ihn. Und dass ihr fastet, ist besser f&uuml;r euch, wenn ihr es (nur) w&uuml;sstet! Die Aleviten hingegen haben eine andere Fastenzeit, die Muharrem Orucu. F&uuml;r die Aleviten gilt eine Zeit, die nach islamischem Kalender 20 Tage nach dem Opferfest beginnt und zw&ouml;lf Tage andauert. Auch das Fasten unterscheidet sich in einigen Punkten. In dieser Zeit ist hier auch das Fleischessen verboten, es gilt ein Schlachtverbot und M&auml;nner d&uuml;rfen sich nicht rasieren. Die Bedeutung des Fastens Beim Fasten geht es nicht nur um den Verzicht auf Nahrung. Fasten hat in erster Linie eine geistige und seelische Bedeutung. Das hei&szlig;t, gefastet wird auch mit den Augen (keine b&ouml;sen Blicke), mit der Nase (nichts Verbotenes riechen), mit dem Mund (seine Zunge z&uuml;geln), mit den H&auml;nden (nichts Verbotenes anfassen), mit den F&uuml;&szlig;en (nichts Verbotenes betreten) und mit dem Kopf (keine Hintergedanken haben). Das Fasten im Islam ist eine Form des Gottesdienstes. Im Ramadan werden besondere Gebete gesprochen und mehr Menschen als sonst besuchen die Moscheen. Die Seele des Fastenden wird gereinigt und die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen wird gefestigt. Es wird mehr Barmherzigkeit gegen&uuml;ber Armen und Bed&uuml;rftigen gezeigt. Das Erlangen einer gewissen Selbstbeherrschung und Konzentration auf das Wesentliche sch&auml;rft das Gewissen und ver gr&ouml;&szlig;ert die Widerstandskraft. Die Muslime erhoffen sich f&uuml;r das Fasten die Belohnung ihres Sch&ouml;pfers im Jenseits. Das Fest des Fastenbrechens kann in seinem Stellenwert mit dem christlichen Ostern verglichen werden. In den islamischen L&auml;ndern ist Id-Al-Fitr in der Regel arbeits- und schulfrei. Es ist nach dem Opferfest der h&ouml;chste islamische Feiertag. Viele Muslime finden durch das Fasten zu einer inneren Einkehr und Ruhe. Oft f&uuml;hlen sie auch eine Art Regeneration des K&ouml;rpers. Das Fasten hat nicht unbedingt negative Auswirkungen auf die Leistung der Fastenden. Denn Glaube und Wille sind in dieser Zeit besonders stark ausgepr&auml;gt. W&auml;hrend der Fastenzeit soll der Alltag nach Kr&auml;ften gemeistert und mit dem gleichen Elan gearbeitet werden wie sonst auch, denn Fasten soll nicht zu M&uuml;&szlig;iggang f&uuml;hren, sondern im Gegenteil zu Konzentration in allen Aktivit&auml;ten. In den n&auml;chsten Jahren erstreckt sich die Fastenzeit im Ramadan &uuml;ber die Sommerzeit. Die Angaben der Fastenzeiten erfolgen minutengenau je nach geografischer Lage. Grundlegend hat das Fasten keine sch&auml;dlichen Auswirkungen auf die Gesundheit. Der Stoffwechsel des K&ouml;rpers, dem vor&uuml;bergehend keine Energie zugef&uuml;hrt wird, stellt sich entsprechend um. Der K&ouml;rper nimmt die notwendige Energie aus den vorhandenen Depots, zun&auml;chst aus den Eiwei&szlig;speichern (Muskeln), sp&auml;ter auch aus den Fettdepots. Der Verzicht auf Nahrung bewirkt zudem, dass weniger Durst versp&uuml;rt wird.3 Da es aber hierzulande im Sommer bis zu 20 Stunden sein k&ouml;nnen, in denen keine Fl&uuml;ssigkeit zu sich genommen werden darf, kann dies insbesondere zu Beginn der Fastenzeit (&Uuml;bergangszeit) zu Kreislaufproblemen, Ersch&ouml;pfungszust&auml;nden und Konzentrationsschwierigkeiten f&uuml;hren. Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnen sich gesundheitliche Probleme als Folge von zu gro&szlig;en Mahlzeiten in der Nacht und einem anhaltenden Schlafmangel ergeben. Eine Auswertung des t&uuml;rkischen Mediziners Mahmut Tolon zu den Verkehrsstatistiken der T&uuml;rkei seit 1984 zeigt, dass die Zahl der Unf&auml;lle in den Monaten des Ramadans jeweils einige Prozentpunkte &uuml;ber dem Durchschnitt liegt (auch verglichen mit identischen Monaten ohne Fasten). Gr&uuml;nde k&ouml;nnten in der m&ouml;glichen Dehydrierung oder in einer verlangsamten Reaktionszeit4 zu finden sein. Wenn sich das Fahren in der Fastenzeit nicht vermeiden l&auml;sst, sollte daher sehr defensiv und langsam gefahren werden. Der K&ouml;rper gilt im Islam als ein so hohes Gut, dass man ihn nach Kr&auml;ften durch einen verantwortungsvollen Umgang pflegen soll. Ein gesunder K&ouml;rper geh&ouml;rt zu den wichtigsten Gottesgaben und genauso wie andere Gottesgaben hat der Muslim auch mit seinem K&ouml;rper rechtm&auml;&szlig;ig und verantwortlich umzugehen. muslimischen und nichtmuslimischen Teilnehmern beachtet werden. F&uuml;hrungskr&auml;fte und Vorgesetzte sollten zum Umgang mit Fastenden sensibilisiert werden. Informationen zum Ramadan mit den dazugeh&ouml;rigen Br&auml;uchen, die beispielsweise im Intranet oder in Newslettern ver&ouml;ffentlicht werden k&ouml;nnen, sind in erster Linie wertsch&auml;tzende Ma&szlig;nahmen und helfen Kollegen und Vorgesetzten, die Bedeutung des Ramadans zu verstehen. Ein interkultureller Kalender, in dem die wichtigsten Fest- und Feiertage verschiedener Kulturen und Religionen eingezeichnet sind, ist eine andere praktische Orientierungshilfe. Eine weitere M&ouml;glichkeit besteht in Schulungen von F&uuml;hrungskr&auml;ften zu interkulturellen Fragestellungen, um andere Kommunikationsformen und Denkweisen zu verstehen und zu lernen, passend zu kommunizieren. Gl&uuml;ckw&uuml;nsche durch Nichtmuslime zum Fastenende zeigen muslimischen Mitarbeitern, dass ihre Br&auml;uche respektiert werden. Auch der Verzicht auf Bewirtung w&auml;hrend Besprechungen kann Respekt gegen&uuml;ber der anderen Kultur verdeutlichen. Hierbei sollte das Verh&auml;ltnis von Beispiel Fraport AG Unter den fast 12.000 Besch&auml;ftigten finden sich fast 80 unterschiedliche Nationalit&auml;ten. Die Akzeptanz f&uuml;r kulturelle Vielfalt ist daher ein gro&szlig;es Anliegen des Unternehmens. So wurden zum einen Gebetsr&auml;ume f&uuml;r unterschiedliche Religionen eingerichtet, die Mitarbeitern und Passagieren zur Verf&uuml;gung stehen. W&auml;hrend des Ramadans wird zum Iftar ein Fest veranstaltet, bei dem Speisen angeboten werden, die halal (erlaubt, zul&auml;ssig) sind. &Uuml;ber das Intranet werden alle Besch&auml;ftigten zum Ramadan vorab informiert. Einmal im Jahr findet dar&uuml;ber hinaus die Abrahamische Feier statt, zu der Besch&auml;ftigte, Passagiere und Vertreter von Wirtschaft, Politik und Kultur eingeladen werden. Hier begegnen sich Juden, Christen und Muslime. Neben der Ber&uuml;cksichtigung dieses allgemeinen Wissens zum Ramadan im Berufsalltag kann es sinnvoll sein, den Fastenden Anregungen f&uuml;r die Gestaltung eines gesunden Ramadans zu geben. Das Fastenbrechen sollte mit etwas Leichtem beginnen. Die beste Nahrung sind Datteln, nicht zu kaltes Wasser oder Obstsaft. Des Weiteren sollten die Mahlzeiten in der Nacht einen geringen Fettgehalt und wenig Kohlenhydrate beinhalten. Die Morgenmahlzeit (Suhur) sollte einem Fr&uuml;hst&uuml;ck an einem normalen Tag entsprechen. Der Koran erlaubt Schwerarbeitenden die Nahrungsaufnahme w&auml;hrend des Ramadans. Auch Leistungssportler z&auml;hlen dazu. Diese Personen k&ouml;nnen das Fasten entweder an anderen Tagen nachholen (zum Beispiel am Wochenende oder zu einer anderen Jahreszeit) oder f&uuml;r jeden Tag einen Bed&uuml;rftigen speisen. Auch hier kann die Kenntnis &uuml;ber entsprechende islamrechtliche Regelungen im Koran die Kommunikation mit muslimischen Mitarbeitern erleichtern. Ein Bewusstsein &uuml;ber eventuell auftretende eingeschr&auml;nkte Produktivit&auml;t, Leistungsf&auml;higkeit und Konzentration der Fastenden vor allem zu Beginn der Fastenzeit sollte vorliegen. Die Aufmerksamkeit sollte sich zudem besonders auf Patienten mit chronischen Krankheiten, wie rheumatische Arthritis oder Diabetes, richten. H&auml;ufig unterbrechen chronisch Kranke mit nur leichten Symptomen, beispielsweise mit geringem Bluthochdruck, ihre Medikamenteneinnahme im Ramadan. Dies passiert oft ohne R&uuml;cksprache mit dem Arzt. Dieses Handeln und die Befolgung der Fastenregeln sollte vom Arzt nicht als Noncompliance verstanden werden. Denn f&uuml;r den Patienten steht eine andere Art 6 Staiger, C.: Arzneimittel im Ramadan. In: Pharmazeutische Zeitung. (29) 2010. der Compliance im Vordergrund, n&auml;mlich die Befolgung religi&ouml;ser Regeln. Arzt und Patient sollten daher gemeinsam eine L&ouml;sung anstreben. Zum Beispiel durch das Anpassen der Dosis oder einen Wechsel des Pr&auml;parates, welches nur einmal am Tag eingenommen werden muss. Hinweise f&uuml;r die Arbeitsorganisation Die Ber&uuml;cksichtigung zum Beispiel von Urlaubsanfragen w&auml;hrend dieser Zeit, eine flexible Arbeitszeitgestaltung am Morgen und Abend oder die M&ouml;glichkeit, in den Pausen entsprechende Gebete durchzuf&uuml;hren, tragen zu einer gr&ouml;&szlig;eren Arbeitszufriedenheit bei. Dazu kann auch ein offener Dialog &uuml;ber Schichtdienste und Schichteinteilung geh&ouml;ren. Gegebenenfalls lassen sich Wunschschichten f&uuml;r alle Mitarbeiter f&uuml;r einen gewissen Zeitraum realisieren. Falls solche Entscheidungen zu treffen sind, sollten sich F&uuml;hrungskr&auml;fte Zeit nehmen und die Zustimmung oder Ablehnung ausf&uuml;hrlich begr&uuml;nden. Dar&uuml;ber hinaus sollte den muslimischen Mitarbeitern die Teilnahme am Festgebet zum Fastenbrechen erm&ouml;glicht werden. Das Id-Al-Fitr (arabisch), das Fest des Fastenbrechens, beginnt mit einem fr&uuml;hen Festgebet in den Moscheen. Anschlie&szlig;end begl&uuml;ckw&uuml;nscht man sich gegenseitig und dr&uuml;ckt damit seinen Wunsch aus, dass Gott das Fasten annimmt. Im Falle eines Arbeitsunfalls in diesem Monat werden &uuml;brigens keine unterschiedlichen rechtlichen Bewertungen von Seiten des zust&auml;ndigen Unfallversicherungstr&auml;gers vorgenommen. Die Mitarbeiter erhalten den vollen Versicherungsschutz. Ansprechpartner zu interkulturellen Fragen im Unternehmen Ansprechpartner im Unternehmen k&ouml;nnen zum Beispiel die (interkulturellen) Gesundheitslotsen7 sein, wie sie bei BMW oder der M&uuml;nchner Stadtentw&auml;sserung im Einsatz sind. Das sind Mitarbeiter (mit oder ohne Migrationshintergrund), die zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz geschult wurden und im Unterneh men als Br&uuml;cke zwischen den Kulturen fungieren. Sie kennen die betrieblichen Strukturen und Prozesse des Gesundheitsmanagements und Arbeitsschutzes und beraten Kollegen insbesondere diejenigen, die neu im Unternehmen und gegebenenfalls auch neu in Deutschland sind - zu Fragen der Gesundheit am Arbeitsplatz. Zudem bem&uuml;hen sie sich, im Kollegenkreis &uuml;ber kulturelle Unterschiede und Besonderheiten zu informieren und diese einander n&auml;her zu bringen. Einen &auml;hnlichen Ansatz verfolgen die Kulturmittler von der ThyssenKrupp Steel AG. Sie sind im Interkulturellen Handeln und Konfliktmanagement ausgebildet, sensibilisieren F&uuml;hrungskr&auml;fte und vermitteln in interkulturellen Konflikten. Beispiel aus der Metallbranche8 In einem bayrischen Betrieb der Metallbranche waren die t&uuml;rkischen Besch&auml;ftigten h&auml;ufiger krank als ihre deutschen Kollegen. In Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse hat das Unternehmen neben k&ouml;rperlich anstrengender Akkord- und Schichtarbeit weitere belastende Faktoren identifiziert: die ungleiche Behandlung durch Vorgesetzte, Sprachprobleme und damit verbundene Informationsdefizite sowie starre Arbeitszeiten w&auml;hrend des Ramadans. Gemeinsam mit den Mitarbeitern wurden L&ouml;sungen erarbeitet. Dazu geh&ouml;rt auch die Einf&uuml;hrung einer Wunschschicht f&uuml;r alle Besch&auml;ftigten. Zudem h&auml;ngt ein interkultureller Kalender am Personaleingang. Weitere M&ouml;glichkeiten Das Einrichten von Gebetsr&auml;umen (auch mit Waschm&ouml;glichkeit) hilft bei der Aus&uuml;bung der religi&ouml;sen Praxis. Um es fastenden Mitarbeitern zu erm&ouml;glichen, ihre Mahlzeiten im Zeitraum des Fastenbrechens im Betrieb einzunehmen, k&ouml;nnten die &Ouml;ffnungszeiten der Kantine in dieser Zeit m&ouml;glichst flexibel gestaltet und auch der Speiseplan angepasst werden. F&uuml;r weiterf&uuml;hrende Informationen oder Unterst&uuml;tzung kann Kontakt mit der ans&auml;ssigen religi&ouml;sen Gemeinde aufgenommen werden. Die Kontaktadresse der n&auml;chstgelegenen Moschee findet man im &ouml;rtlichen Telefonbuch oder im Internet unter der Adresse www.islam.de und dem Stichwort Moscheeadressen. Zum Umgang mit muslimischen Gesch&auml;ftspartnern Wer sich als Gesch&auml;ftspartner besonders aufmerksam zeigen und verdeutlichen will, dass er sich f&uuml;r seinen muslimischen Partner interessiert und &uuml;ber dessen religi&ouml;sen Verpflich tungen Bescheid wei&szlig;, kann eine Karte mit den Worten Ich w&uuml;nsche Euch ein gesegnetes Ramadan-Fest (auf t&uuml;rkisch: Ramazan Bayraminiz m&uuml;barek olsun) zum Ramadan schicken, auch wenn der muslimische Gesch&auml;ftspartner vielleicht nicht fastet. F&uuml;r Termine im Ausland sollte man sich vorab &uuml;ber die Gegebenheiten (zum Beispiel ver&auml;nderte &Ouml;ffnungszeiten) informieren. Des Weiteren sollte man als Zeichen des Respekts darauf verzichten, in der &Ouml;ffentlichkeit tags&uuml;ber zu essen, zu trinken oder zu rauchen. Auch sollte man auf alkoholische Getr&auml;nke zum Essen verzichten. W&auml;hrend des Ramadans kann es vorkommen, dass muslimische Gesch&auml;ftspartner die vereinbarten Termine nicht immer einhalten. Ramadan in muslimischen L&auml;ndern Die L&auml;nge der t&auml;glichen Fastenzeit ist im mittleren und nahen Osten durch einen anderen Sonnenstand k&uuml;rzer als in n&ouml;rdlich gelegenen Beispiel Ikea9 Die Ikea Deutschland GmbH arbeitet im Bereich des Diversity-Managements vornehmlich mit Best-Practice-Beispielen. Diese werden zwischen den Niederlassungen unter anderem mit einem Diversity-Handbuch ausgetauscht. In diesem Handbuch sind alle existierenden Ma&szlig;nahmen gesammelt. Im Bereich Interkulturelles findet sich zum Umgang mit dem Ramadan und dem abendlichen Fastenbrechen ein Hinweis zur Umsetzung von flexiblen Kantinen&ouml;ffnungszeiten. Dar&uuml;ber hinaus gibt es Angaben zur konkreten Projektumsetzung, wie zum Beispiel zu Zeitpl&auml;nen, Kosten sowie Verantwortlichen und Ansprechpartnern. 9 Charta der Vielfalt: URL: http://www.charta-der-vielfalt.de/de/diversity/best-practice/beispiele.html (Stand: November 2011) L&auml;ndern. Somit ist die Fastenzeit nicht so lang und gegebenfalls k&ouml;rperliche Belastungen und Beanspruchungen nicht so gro&szlig; wie in den europ&auml;ischen Breiten. Im Mittleren und Nahen Osten wird h&auml;ufig zu dieser Zeit verk&uuml;rzt gearbeitet oder die Menschen halten eine kurze Siesta. Im Bahrain beispielsweise erhalten Schichtarbeiter, die Vollzeit arbeiten, zus&auml;tzlich zum Gehalt zwei bezahlte &Uuml;berstunden. Bei schwerer k&ouml;rperlicher Arbeit ist zudem laut dem Koran Essen und Trinken erlaubt. In den meisten islamisch gepr&auml;gten L&auml;ndern gibt es am Ende des Ramadans drei offizielle Feiertage</p> <p><a href="https://www.iga-info.de/fileadmin/redakteur/Veroeffentlichungen/iga_Wegweiser/Dokumente/iga-Broschuere-Ramadan_Arbeiten.pdf">Publikation zeigen</a></p>