<h1>Diskriminierung in Stellenanzeigen</h1> <h2>Diese Studie untersucht, inwiefern Stellenausschreibungen Diskriminierungen oder Diskriminierungsrisiken enthalten und gibt Empfehlungen zur diskriminierungssensiblen Gestaltung von Stellenanzeigen... Quelle Antidiskriminierungsstelle des Bundes</h2> <p>Stellenanzeigen sind ein wichtiges Mittel zur Personalgewinnung. Sie beeinflussen ma&szlig;geblich, ob sich eine Person &uuml;berhaupt auf eine Stelle bewirbt. Die Studie untersucht, inwiefern Stellenausschreibungen Diskriminierungen oder Diskriminierungsrisiken enthalten und gibt Empfehlungen zur diskriminierungssensiblen Gestaltung von Stellenanzeigen. Grundlage der Studie bildet eine inhaltsanalytische Auswertung von 5.667 bundesweiten Stellenanzeigen aus Printmedien und OnlineJobportalen aus dem Zeitraum 23.10 bis 10.11. 2017. Zus&auml;tzlich wurden exemplarisch 309 Stellenanzeigen des Portals &#039;&#039;eBay Kleinanzeigen&#039;&#039; untersucht. Nur geringer Anteil an diskriminierenden Stellenanzeigen, teilweise aber mit Diskriminierungsrisiko Mehrheitlich (97,8 Prozent) findet sich kein Versto&szlig; gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), ein sehr kleiner Anteil (2,2 Prozent) weist Diskriminierung(en) auf. Jede f&uuml;nfte Stellenanzeige (21,2 Prozent) enth&auml;lt jedoch ein Diskriminierungsrisiko. Ein Diskriminierungsrisiko liegt vor, wenn die Anzeige dazu f&uuml;hren kann, dass sich nicht alle Bewerbenden gleich von der Anzeige angesprochen f&uuml;hlen beziehungsweise wenn nicht eingedeutig festgestellt werden konnte, ob es sich um eine Diskriminierung handelt. Diskriminierende Stellenanzeigen Rund 80 Prozent der diskriminierenden Stellenanzeigen sind nicht geschlechtsneutral formuliert, jede F&uuml;nfte enth&auml;lt auf das Lebensalter bezogene Aussagen. Diskriminierende Stellenanzeigen finden sich &uuml;berdurchschnittlich h&auml;ufig unter den Anzeigen von Privathaushalten. Insgesamt zeigt sich auch, dass Diskriminierungen bei Anzeigen f&uuml;r frauendominierte Berufsgruppen leicht h&auml;ufiger vorkommen als bei anderen. Geschlecht und Lebensalter als zentrale Diskriminierungsrisiken In Stellenanzeigen vorhandene Disrkriminierungsrisiken setzen &uuml;berwiegend an eindeutig m&auml;nnlich bzw. weilblich oder Alter spezifisch konnotierten Formulierungen in Bezug auf die erwartete Rolle oder Qualifikationen der Bewerbenden an (&#039;&#039;Entscheider&#039;&#039;, &#039;&#039;gerne Berufseinsteiger&#039;&#039;). Diskriminierungsrisiken sind eher in Stellenanzeigen f&uuml;r m&auml;nnlich dominierte Berufsgruppen, wie die Berufsgruppe der Manager_innen, Organisatoren_innen, Wirtschaftspr&uuml;fer_innen oder die Berufsgruppe der Rechnungskaufleute und Datenverarbeitungsfachleute zu finden. Diese Stellenanzeigen versuchen gezielt eher M&auml;nner und/oder j&uuml;ngere Personen anzusprechen. Stellenanzeigen werden zumeist im generischen Maskulinum verfasst, h&auml;ufig mit dem Klammerzusatz (m/w). Geschlechtsneutrale Ansprachen oder Hilfszeichen wie Gendergap (Pilot_innen) bzw. Gendersternchen (Kraftfahrer in) sind noch un&uuml;blich und wenig verbreitet. Rolle von Fotos in Stellenanzeigen Auch Fotos (20,3 Prozent der Anzeigen enthalten ein Foto) k&ouml;nnen Diskriminierungsrisiken mit sich bringen. Zwar zeigt die Mehrzahl der abgebildeten Fotos M&auml;nner und Frauen. Es f&auml;llt jedoch auf, dass in Stellenanzeigen f&uuml;r m&auml;nner- bzw. frauendominierte Berufsgruppen &uuml;berwiegend nur das entsprechende Geschlecht gezeigt wird. Auch bezogen auf das Lebensalter l&auml;sst sich feststellen, dass rund ein F&uuml;nftel (19 Prozent) der Stellenanzeigen ausschlie&szlig;lich junge Personen zeigen. Immerhin jedes f&uuml;nfte (19 Prozent) Foto zeigt auch eine Person, welche Identifikationspotenzial z.B. f&uuml;r Menschen mit Migrationshintergrund bietet. Gezielte Ansprache von Gruppen Positive Ma&szlig;nahmen zur gezielten Ansprache unterrepr&auml;sentierter Gruppen sind nur in 8 Prozent der untersuchten Stellenanzeigen zu finden. Dabei handelt es sich meist um Anzeigen aus dem &ouml;ffentlichen Dienst, die ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen, Menschen mit Schwerbehinderung und ihnen gleichgestellte Personen (vgl. &sect; 154 SGB IX: Pflicht der Arbeitgeber zur Besch&auml;ftigung schwerbehinderter Menschen) sowie Frauen bzw. M&auml;nner bei gleicher Qualifikation bevorzugt einzustellen. Nur in wenigen Stellenanzeigen (8,8 Prozent), die spezifische Gruppen ansprechen, nutzen Arbeitgeber auch die M&ouml;glichkeit darauf hinzuweisen, dass Bewerbungen von allen durch das AGG gesch&uuml;tzten Personen willkommen sind oder Vielfalt im Unternehmen generell gesch&auml;tzt wird. Sonderauswertung &#039;&#039;eBay-Kleinanzeigen&#039;&#039; Insgesamt 35,9 Prozent der ausgew&auml;hlten 309 Stellenanzeigen auf &#039;&#039;eBay Kleinanzeigen&#039;&#039; enthalten eine Diskriminierung. Dabei handelt es sich &uuml;berwiegend um Anzeigen von Privathaushalten (58,4 Prozent), die nicht geschlechtsneutral ausgeschrieben waren. Privathaushalte und Kleinstunternehmen ben&ouml;tigen mehr Informationen zur AGG-Konformit&auml;t von Stellenanzeigen. Arbeitgeber_innen lassen sich bei der Formulierung und Gestaltung von Stellenanzeigen noch immer von Stereotypen leiten und scheinen zum Teil konkrete Bilder von geeigneten Bewerber_inen zu haben, die sich in den Stellenanzeigen niederschlagen. Zwar sind eindeutige Diskriminierungen nur noch sehr selten in Stellenanzeigen aufzufinden, dennoch werden die M&ouml;glichkeiten, Stellenanzeigen so zu formulieren, dass sich m&ouml;glichst viele Personen f&uuml;r die Stellenanzeige interessieren und sich bewerben noch nicht vollumf&auml;nglich genutzt. AGG-konforme Stellenanzeigen sind nur ein Teil eines diskriminierungsfreien Bewerbungsverfahrens, sie reduzieren aber das Diskriminierungsrisiko an der Schwelle zum Bewerbungsprozess</p> <p><a href="https://www.jobadu.de/pdfs/01339.pdf">Publikation zeigen</a></p>