<h1>Ausbildungsreife (Projektbeitrag)</h1> <h2>Das Projekt versteht sich als ein kritischer Beitrag zur Debatte um den Begriff der Ausbildungsreife und den damit verkn&uuml;pften bildungs- und sozialpolitischen Implikationen... Quelle Hans-B&ouml;ckler-Stiftung</h2> <p>Ausbildungsreife Ein umstrittener Begriff beim &Uuml;bergang Jugendlicher in eine Berufsausbildung Das Projekt versteht sich als ein kritischer Beitrag zur Debatte um den Begriff der &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; und den damit verkn&uuml;pften bildungs- und sozialpolitischen Implikationen. Dazu wurde die wissenschaftliche und bildungspolitische Literatur zum Thema &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; ausgewertet und auf ihre empirische Evidenz hin &uuml;berpr&uuml;ft sowie die bildungspolitische Umsetzung des Konzepts einer genaueren Analyse unterzogen. Das duale System der Berufsausbildung als Kernst&uuml;ck des deutschen Berufsbildungssystems ist sowohl f&uuml;r die Wirtschaft als auch f&uuml;r die berufliche Sozialisation junger Menschen von zentraler Bedeutung. Insbesondere die Integration Jugendlicher mit niedrigen formalen Bildungsabschl&uuml;ssen galt bis in die 1990er Jahre hinein als eine St&auml;rke des dualen Ausbildungssystems. Vor dem Hintergrund eines merklichen Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt seit Mitte der 1990er Jahre ist die Marktsteuerung des Ausbildungsplatzangebotes und das gesellschaftspolitische Ziel einer ausreichenden Versorgung aller Jugendlichen in Konflikt geraten. Dieses Legitimationsproblem wird seit einigen Jahren seitens der Wirtschaft und ihrer Vertreter sowie in Teilen der bildungspolitischen Debatte als Problem mangelnder &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; vieler Lehrstellenbewerber uminterpretiert. Mit der Etablierung des Begriffs der &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; im bildungs- und besch&auml;ftigungspolitischen Diskurs wurde eine begriffliche Demarkationslinie gezogen, die zu einem sehr fr&uuml;hen Entwicklungszeitpunkt &uuml;ber den weiteren Bildungsweg und sp&auml;tere Berufschancen vieler Jugendlicher entscheidet. Im Rahmen der Studie wurden die folgenden Aspekte in diesem Zusammenhang problematisiert: 1. L&auml;sst sich das Konstrukt &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; wissenschaftlich begr&uuml;nden? 2. Welche Aussage lassen sich auf Basis empirischer Studien zur &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; der Jugendlichen treffen? 3. Welche bildungsbiografischen Konsequenzen hat eine auf dem Begriff &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; gegr&uuml;ndete Sortierlogik? 4. Welche politische Funktion erf&uuml;llt die Debatte um &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; und welche dahinterstehenden strukturellen Probleme werden dadurch kaschiert? Um die empirische Aussagekraft eines vermeintlichen Leistungsverfalls und mangelnder &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; der j&uuml;ngeren Sch&uuml;lerkohorten zu &uuml;berpr&uuml;fen, wurden Studien aus der Berufsbildungsforschung, der Jugendsoziologie und der psychologischen Intelligenzforschung einer n&auml;heren Betrachtung unterzogen. Dar&uuml;ber hinaus wurden die bisher bestehenden Operationalisierungsversuche von &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; zusammenfassend begutachtet und im Hinblick auf ihre Brauchbarkeit zur Kl&auml;rung des Begriffs untersucht. In einem zweiten Schritt wurde die aktuelle Debatte um &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; vor dem Hintergrund der politischen Weichenstellungen in den Jahren 2004/2005 ins Blickfeld genommen, die einen Wendepunkt der deutschen Arbeits- und Sozialpolitik darstellen und zugleich einen Vorzeichenwechsel in der Benachteiligtenf&ouml;rderung markieren. Die inh&auml;rente Sortierlogik des Begriffs &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; wurde am Beispiel der Initiative der Bertelsmann Stiftung &#039;&#039;&Uuml;bergang mit System&#039;&#039; einer kritischen Bewertung unterzogen. Die These eines Leistungsverfalls oder mangelnde &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; der j&uuml;ngeren Sch&uuml;lerkohorten lie&szlig; sich im Rahmen der Studie nicht best&auml;tigen. Die Ergebnisse machen vielmehr deutlich, dass es sich bei dem Schlagwort &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; um einen &auml;u&szlig;ert diffusen und umstrittenen Begriff handelt, der sich einer wissenschaftlich fundierten Operationalisierung entzieht. Die Debatte stellt nur bedingt eine objektive Auseinandersetzung &uuml;ber das Leistungsverm&ouml;gen der nachwachsenden Generation dar, vielmehr ist sie mit einer klaren politischen Funktion versehen. Durch die Kritik an der &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039; vieler Jugendlicher werden Strukturprobleme des Ausbildungssystems p&auml;dagogisiert und interessenpolitisch zur Legitimation des Status quo auf dem Lehrstellenmarkt eingesetzt. Gleichzeitig werden damit bildungspolitisch fragw&uuml;rdige staatliche Intervention und Institutionen wie das berufliche &Uuml;bergangssystem legitimiert. Aus diesem Grund ist eine Trennung von Jugendlichen nach dem Kriterium der &#039;&#039;Ausbildungsreife&#039;&#039;, wie sie derzeit in der gro&szlig; angelegten Initiative &#039;&#039;&Uuml;bergang mit System&#039;&#039; der Bertelsmann Stiftung vollzogen wird, bildungs- und sozialpolitisch als skandal&ouml;s zu bewerten. Von der Ausbildungsf&auml;higkeit der Betriebe zur Ausbildungsf&auml;higkeit der Jugendlichen - ein Perspektivenwechsel. Schulnoten und Intelligenztests. Befunde aus der Jugendforschung</p> <p><a href="https://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_189.pdf">Publikation zeigen</a></p>