<h1>Tipps zum Umgang mit Migrationsjugendlichen</h1> <h2>Lassen Sie sich von den Tipps und den Hintergrundinformationen inspirieren, die Sie in dieser Brosch&uuml;re finden... Quelle Zentralstelle f&uuml;r die Weiterbildung im Handwerk</h2> <p>Interkulturelle Lehrstellentandems Kulturelle Vielfalt in Handwerksbetrieben Tipps f&uuml;r Ausbilderinnen und Ausbilder Integration geschieht vor Ort. Und im Betrieb. Je kleiner das Unternehmen, desto enger ist der Kontakt zwischen den Besch&auml;ftigten. Unter den Auszubildenden gibt es auf den ersten Blick kaum Unterschiede: Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund besch&auml;ftigen sich mit den gleichen Trends wie IPad, Facebook und Casting-Shows. Und doch gibt es Unterschiede, die einer Chancengleichheit im Wege stehen: H&auml;ufig haben Jugendliche mit Migrationshintergrund sprachliche Schwierigkeiten, schlechtere Schulnoten, bildungsferne Elternh&auml;user. Und sie erleben Diskriminierung bei der Suche nach einer Lehrstelle. Sie als Ausbilderinnen und Ausbilder k&ouml;nnen einen Beitrag zur Integration leisten. Mittlerweile k&ouml;nnen wir aus umfangreichen Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund Ideen und Hilfestellungen ableiten. Lassen Sie sich also von den Tipps und den Hintergrundinformationen inspirieren, die Sie in dieser Brosch&uuml;re finden. Auch wenn Sie nicht alles umsetzen k&ouml;nnen, werden Sie sicher einzelne Punkte finden, die Ihnen bei Ihrer t&auml;glichen Arbeit helfen. Nach dem Integrationsatlas im Jahr 2009 legt das Handwerk nun eine Handreichung vor, um die Betriebe dabei zu unterst&uuml;tzen Integration voranzutreiben. Denn wenn uns dies gelingt, profitieren alle davon: Betriebe erhalten Nachwuchs und Jugendliche eine echte Chance auf eine Qualifizierung im Handwerk. In letzter Zeit hatte es das Thema Integration nicht leicht. Es wurde oft und heftig in den Medien diskutiert. Viele hielten die Debatte f&uuml;r l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig, andere, meist erfolgreiche Zuwanderinnen und Zuwanderer der zweiten Generation, zeigten sich erschrocken &uuml;ber die einseitige und negative Berichterstattung. Wie immer im Leben, gibt es nicht die eine Wahrheit. Aber Fakt ist, dass Vieles in Sachen Integration in Deutschland gut l&auml;uft. Besonders im Kleinen und im Alltag der Menschen funktioniert das Zusammenleben und -arbeiten ohne gro&szlig;e Reibereien. Es gibt gute Ans&auml;tze und viele Ideen, wie kulturelle Vielfalt f&uuml;r Unternehmen zu einem Vorteil werden kann und wie Zugewanderte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer voneinander profitieren k&ouml;nnen. Integration im Handwerk: Miteinander arbeiten und sich dabei gut verstehen. Ein Plakat aus der aktuellen Kampagne des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks verdeutlicht dies auf anschauliche Weise: In den letzten Jahren hat sich das Handwerk im Integrationsbereich besonders positiv hervorgetan. Das Statement des Pr&auml;sidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks Otto Kentzler Der Meister der Zukunft ist ein T&uuml;rke, mit dem er aus dem Integrationsatlas des Handwerks zitiert, macht deutlich, dass es immer schwieriger wird, gen&uuml;gend Fachkr&auml;fte ohne Migrationshintergrund f&uuml;r das Handwerk zu gewinnen. Fachkr&auml;ftemangel und demografischer Umbruch haben dazu beigetragen, dass das Thema der beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten auf der Agenda vieler Handwerksvertreterinnen und Handwerksvertreter ganz oben steht. Doch anwendbare Instrumente und konkrete Tipps gibt es f&uuml;r die Praktikerinnen und Praktiker vor Ort nicht. Auch wenn viele Meisterinnen und Meister gerade Migrantenjugendlichen eine Chance auf eine Ausbildung bieten, sind sie bei vielen Konflikten und Problemen allein gelassen und k&ouml;nnen die Potenziale, wie Mehrsprachigkeit und Interkulturalit&auml;t, oftmals nicht ausreichend aussch&ouml;pfen. Mit der vorliegenden Handreichung m&ouml;chten wir Ihnen konkrete und praktische Tipps f&uuml;r den Umgang mit kultureller Vielfalt in kleinen und mittleren Unternehmen geben. Seien Sie fair: Es gibt nicht den Migrantenjugendlichen an sich! Jugendliche mit Migrationshintergrund sind genauso vielf&auml;ltig wie Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Das hei&szlig;t, es gibt die Engagierten, die Unsicheren, die Cleveren, die Vertr&auml;umten und die Lernunwilligen. Versuchen Sie, die Person und den Charakter des Jugendlichen unabh&auml;ngig von seinem Aussehen und seiner Herkunft zu erkennen. Nat&uuml;rlich ist niemand frei von Stereotypen und Kulturalisierungen, die in unserem Kopf herumgeistern und uns dazu verf&uuml;hren, Menschen schnell bestimmten Schichten und Gruppen zuzuordnen. Wir versuchen auf diese Weise, den &Uuml;berblick in einer komplizierten Welt zu behalten. Vorurteile und ethnische Zuschreibungen f&uuml;hren aber auch dazu, dass gerade die dritte Generation der Einwanderinnen und Einwanderer an dem Gastarbeiterimage ihrer Eltern und Gro&szlig;eltern noch immer schwer zu tragen hat. Ein genauer, offener und interessierter Blick zeigt, dass vielen Zugewanderten von Generation zu Generation der Aufstieg vom einfachen Arbeiter- zum Facharbeiter gelungen ist, viele haben sich dar&uuml;ber hinaus auch selbstst&auml;ndig gemacht. Unser Tipp: Begegnen Sie einer jungen arabischst&auml;mmigen Frau, die hier in Deutschland geboren, aufgewachsen und die Schule besucht hat, nicht mit einer vorgefassten Meinung, die sich einseitig an Stereotypen orientiert. Abh&auml;ngig, unm&uuml;ndig und bevormundet sind diese Frauen schon lange nicht mehr, wenn sie es &uuml;berhaupt jemals waren. Ebenso wenig wie ein S&uuml;deurop&auml;er automatisch langsam arbeitet, leistet ein Jugendlicher, dessen Familie aus Russland eingewandert ist, automatisch doppelt so viel, wie sein deutscher Kollege. Praktikum: Immer noch der beste Einstellungstest Falls Sie unsicher sind, ob Sie einen Jugendlichen einstellen wollen, bieten Sie ihm ein Praktikum an. Ein Praktikum ist f&uuml;r Jugendliche mit Migrationshintergrund insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben die beste Chance, ihr K&ouml;nnen zu zeigen. Erfahrungen aus dem Handwerk zeigen, dass gerade Jugendliche mit ung&uuml;nstigen Schulnoten die Meisterin oder den Meister in einem Praktikum von ihrem Potenzial &uuml;berzeugen, und sich durch ihr Engagement eine Lehrstelle erk&auml;mpfen k&ouml;nnen. Durch das Praktikum lernt sowohl der Jugendliche Sie und Ihren Betrieb kennen, als auch Ihre Besch&auml;ftigten den Jugendlichen. Hier kann sich schnell entscheiden, ob und welche Vorurteile es gegen&uuml;ber dem potenziellen Azubi vielleicht gibt. Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz werden Jugendliche von Beraterinnen und Beratern zu Berufsausbildungsfragen sowie von Lehrerinnen und Lehrern begleitet. Diese kennen die St&auml;rken und Schw&auml;chen der Jugendlichen oft ganz genau. Jugendmigrationsdienste Initiative Bildungsketten Programm zur Berufsorientierung in &uuml;berbetrieblichen Berufsbildungsst&auml;tten Ausbildungsstrukturprogramm JOBSTARTER Interne L&ouml;sungen: Es kann auch ein Pate sein, der im dritten Ausbildungsjahr ist Es m&uuml;ssen nicht immer berufserfahrene Patinnen und Paten sein: Jugendliche im ersten Ausbildungsjahr k&ouml;nnen auch von Auszubildenden, die bereits im dritten Lehrjahr sind, unterst&uuml;tzt werden. Diese kennen den internen Ablauf im Betrieb sehr gut und k&ouml;nnen sich noch an ihre Zeit und eventuelle Schwierigkeiten zu Beginn ihrer Ausbildung erinnern. Konflikte in einem Betrieb sind ganz nat&uuml;rlich und nicht vermeidbar. Nur der Umgang mit ihnen erfordert ein gewisses Geschick. Bedenken Sie, auch wenn die Besch&auml;ftigen aus unterschiedlichen Ethnien kommen, m&uuml;ssen ihre Konflikte nicht unbedingt aus kulturellen Differenzen entstehen. Das von Musa Dagdeviren in den Trainings angewandte PSK-Modell2 half den Teilnehmenden in den Workshops, Konflikte in ethnisch gemischten Teams besser zu bewerten und die Ursachen zu finden. Bei Konflikten im Betrieb kann es unter Umst&auml;nden von Vorteil sein, sich mit dem Jugendlichen abzustimmen und gemeinsam Hilfe von au&szlig;en zu holen. Es gibt mittlerweile in jeder Region Projekte, die sowohl im &Uuml;bergangssystem als auch w&auml;hrend der Ausbildung sozialp&auml;dagogische Hilfe gerade f&uuml;r Migrantenjugendliche anbieten. Die Regionalen Arbeitsstellen zur F&ouml;rderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) sind in NordrheinWestfalen und in vielen anderen Bundesl&auml;ndern fl&auml;chendeckend pr&auml;sent. Hat der Auszubildende schulische Probleme, scheuen Sie sich nicht ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) in Anspruch zu nehmen. Es gibt bestimmt auch in Ihrer Region Bildungstr&auml;ger, die Jugendlichen in der Erstausbildung St&uuml;tzunterricht und sozialp&auml;dagogische Hilfe anbieten. Finanziert werden diese Angebote von der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit. Die Agentur f&uuml;r Arbeit in Ihrer Region kann Ihnen die richtigen Ansprechpartner nennen. Langfristig k&ouml;nnen Sie auch einen Beauftragten in Ihrem Betrieb ernennen, der sich um die Zielgruppe der Migrantenjugendlichen k&uuml;mmert und bei Konflikten vermittelt. Gut, Ihr Betrieb ist kein global agierendes Gro&szlig;unternehmen und Ihre Kunden leben in Deutschland. Doch haben Sie schon mal daran gedacht, hier lebende Migrantinnen und Migranten als Kundschaft zu gewinnen? Die Telekom, Volkswagen und andere Gro&szlig;unternehmen praktizieren dies bereits und sprechen gezielt Migrantinnen und Migranten an, sei es in ihrer Herkunftssprache oder auch spielerisch &uuml;ber die Migrationserfahrung. Sie w&auml;hlen diesen Weg nicht, weil die Migrantinnen und Migranten nicht Deutsch sprechen k&ouml;nnen, sondern weil die emotionale Ansprache oft erfolgsversprechender ist. Kleine und mittlere Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten und gezielt um Kunden werben, k&ouml;nnen sich dies zu Nutze machen und auf das Potenzial von Besch&auml;ftigten zur&uuml;ckgreifen, die mehrsprachig sind und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben. Nat&uuml;rlich haben nicht alle Migrantenjugendlichen per se interkulturelle F&auml;higkeiten und sind mehrsprachig. Doch Untersuchungen des Bundesinstituts f&uuml;r Berufsbildung zeigen, dass Besch&auml;ftigte mit Migrationshintergrund positiv auf nichtdeutsche Kunden wirken. Nutzen Sie die Mehrsprachigkeit und die interkulturellen Kompetenzen Ihrer Besch&auml;ftigten. Jugendliche mit Migrationshintergrund haben es bei den ILTSeminaren selbst auf den Punkt gebracht. Betriebe, die ihren Personalbedarf decken m&uuml;ssen, werden gezwungen sein, umzudenken und auch nicht ausbildungsreifen Jugendlichen eine Chance zu geben, zu denen Jugendliche mit Migrationshintergrund gerne gez&auml;hlt werden. Also Abwarten und Tee trinken? Leider nein. Der BIBBForschungsbericht macht deutlich, dass nicht damit zu rechnen ist, dass sich die Ausbildungschancen automatisch verbessern werden. Warum Migrantenjugendliche tats&auml;chlich weniger intensiv an beruflicher Bildung teilnehmen und seltener eine Ausbildung antreten, ist mittlerweile gut erforscht: Einflussfaktoren f&uuml;r ihre geringen Erfolgsaussichten sind fehlende Bildungsmotivation, schlechtere schulische Eingangsvoraussetzungen, der sozio&ouml;konomische Status der Familie und die fehlenden Netzwerke der Jugendlichen. Alarmierender ist der Befund, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund trotz vergleichbarer Schulabschl&uuml;sse wie deutsche Jugendliche gr&ouml;&szlig;ere Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. Dabei sind t&uuml;rkischund arabischst&auml;mmige Jugendliche besonders benachteiligt.6 Schulabschl&uuml;sse und Schulnoten allein erkl&auml;ren nicht die miserable Lage der Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsmarkt. Auch ausbildungsreife Jugendliche haben trotz der Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt geringere Chancen, den Ausbildungsberuf zu ergreifen, der ihnen zusagt</p> <p><a href="https://www.vielfalt-mediathek.de/data/ilt_handreichung_kulturelle_vielfalt_web_1.pdf">Publikation zeigen</a></p>