<h1>Steuerwegweiser f&uuml;r Existenzgr&uuml;nder</h1> <h2>&Uuml;berblick &uuml;ber die Anmeldung und steuerliche Einordnung der unternehmerischen T&auml;tigkeit, eine Vorstellung der Gewinnermittlungsarten und der Unternehmenssteuern... Quelle Hessisches Ministerium der Finanzen</h2> <p>Steuerwegweiser f&uuml;r Existenzgr&uuml;nder Die Entscheidung, sich selbstst&auml;ndig zu machen, ist mit gro&szlig;en finanziellen und ideellen Chancen, aber auch mit Risiken verbunden. Gerade deshalb sollten Sie sich im Vorfeld gezielt &uuml;ber wirtschaftliche, finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen sowie &uuml;ber zu beachtende Vorschriften informieren. Unser Steuerwegweiser f&uuml;r Existenzgr&uuml;nder will Ihnen dabei ein hilfreicher und n&uuml;tzlicher Begleiter auf dem Weg in die geplante Selbst&auml;ndigkeit sein und Ihnen den Umgang mit den f&uuml;r Unternehmerinnen und Unternehmer geltenden steuerlichen Bestimmungen erleichtern. Wahl der Rechtsform. Erforderliche Genehmigungen. F&ouml;rderprogramme. Abgrenzung zwischen gewerblicher und freiberuflicher T&auml;tigkeit. Anmeldung der gewerblichen/freiberuflichen T&auml;tigkeit. Gesch&auml;ftsjahr. Steuerarten und Steuererkl&auml;rungen. Umsatzsteuer. Zahlungsverkehr mit dem Finanzamt. Eine Rechtsform ist wie ein festes Ger&uuml;st f&uuml;r Ihr Unternehmen. Als Existenzgr&uuml;nder stehen Ihnen drei M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Ihre unternehmerische Bet&auml;tigung zur Verf&uuml;gung, n&auml;mlich Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Die Wahl der Rechtsform hat unterschiedliche Gr&uuml;nde und Auswirkungen, nicht nur steuerliche Aspekte sind dabei ma&szlig;gebend. Einige wichtige Unterschiede zwischen den einzelnen Rechtsformen bestehen beispielsweise in folgenden Bereichen: Entstehung des Unternehmens (Eintragung ins Handelsregister, Form des Gesellschaftsvertrags), Gr&uuml;ndungskosten, erforderliches Kapital (Art der Einlage, Mindesteinzahlung), M&ouml;glichkeiten der Kapitalbeschaffung, Beteiligung am Gewinn und Verlust, Entnahmerecht, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrungs- und Vertretungsbefugnis, pers&ouml;nliche Haftung (in vollem Umfang mit dem gesamten Verm&ouml;gen, in begrenztem Umfang mit der jeweiligen Einlage), steuerliche Behandlung, Rechnungslegungs- und Publizit&auml;tspflichten. Welche Rechtsform sich f&uuml;r Ihr Unternehmen anbietet, kann nur individuell im Einzelfall entschieden werden. Es ist daher ratsam, fr&uuml;hzeitig einen Angeh&ouml;rigen der rechts- und steuerberatenden Berufe in die Entscheidung f&uuml;r eine bestimmte Rechtsform einzubeziehen. Im Normalfall beginnen junge Unternehmerinnen und Unternehmer mit einem Einzelunternehmen. Eine Entscheidung f&uuml;r oder gegen eine Rechtsform ist jedoch nie endg&uuml;ltig. &Auml;ndern sich die Anforderungen Ihres Unternehmens, k&ouml;nnen Sie jederzeit die Rechtsform wechseln. Treten sp&auml;ter besondere steuerliche Aspekte in den Vordergrund oder sind erhebliche Haftungsrisiken zu bef&uuml;rchten, kann das Einzelunternehmen ohne steuerliche Nachteile beispielsweise in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt werden. F&uuml;r alle entstehenden Schulden, d.h. auch f&uuml;r Steuerschulden, m&uuml;ssen Sie als Inhaber des Einzelunternehmens pers&ouml;nlich mit Ihrem gesamten Verm&ouml;gen haften. Der erwirtschaftete Gewinn wird nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes besteuert. Gr&uuml;nden Sie eine Personengesellschaft, z.B. eine Gesellschaft b&uuml;rgerlichen Rechts (GbR), eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) oder eine Kommanditgesellschaft (KG), werden Sie als Gesellschafter t&auml;tig. Als Gesellschafter einer GbR, OHG oder als Komplement&auml;r einer KG m&uuml;ssen Sie ebenfalls f&uuml;r s&auml;mtliche Schulden der Gesellschaft mit Ihrem gesamten Verm&ouml;gen einstehen. Als Kommanditist einer KG haften Sie f&uuml;r die Schulden der Gesellschaft nur bis zur H&ouml;he Ihrer Einlage. Der als Gesellschafter erwirtschaftete Gewinn wird nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes besteuert. Alternativ k&ouml;nnen Sie allein oder mit anderen Personen eine Kapitalgesellschaft, z.B. eine Gesellschaft mit beschr&auml;nkter Haftung (GmbH) oder eine Aktiengesellschaft (AG), gr&uuml;nden. Insbesondere Existenzgr&uuml;ndern, die am Anfang sehr wenig Stammkapital haben und/oder ben&ouml;tigen (z.B. im Dienstleistungsbereich), wird der Zugang zu einer GmbH durch Gr&uuml;ndung einer Unternehmergesellschaft (sog. &#039;&#039;Mini-GmbH&#039;&#039;) erm&ouml;glicht. W&auml;hrend f&uuml;r die GmbH 25.000 Euro Stammkapital erbracht werden m&uuml;ssen, reicht bei der Mini-GmbH 1 Euro aus. Mit der Bezeichnung als &#039;&#039;Unternehmergesellschaft (haftungsbeschr&auml;nkt)&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;UG (haftungsbeschr&auml;nkt)&#039;&#039; grenzt sich die Mini-GmbH klar von der GmbH ab. Allen Beteiligten ist dadurch ersichtlich, dass es sich um eine Gesellschaft mit geringerer Kapitalausstattung handelt. Weil das Mindeststammkapital bei der Unternehmergesellschaft flexibel gew&auml;hlt werden kann, muss es im Gegenzug in bar und vor der Anmeldung zum Handelsregister in voller H&ouml;he aufgebracht werden. Sacheinlagen sind ausgeschlossen. Gewinne d&uuml;rfen zudem nicht in voller H&ouml;he ausgesch&uuml;ttet werden, sondern m&uuml;ssen in H&ouml;he von 25% in eine gesetzliche R&uuml;cklage flie&szlig;en. Diese R&uuml;cklage kann dann, sobald sie zusammen mit dem bisherigen Stammkapital das Mindestkapital einer GmbH erreicht oder &uuml;berschreitet, zu einer Kapitalerh&ouml;hung aus Gesellschaftsmitteln verwendet werden. Der Rechtsformzusatz &#039;&#039;Unternehmergesellschaft (haftungsbeschr&auml;nkt)&#039;&#039; bzw. &#039;&#039;UG (haftungsbeschr&auml;nkt)&#039;&#039; entf&auml;llt dann. Solange eine Mini-GmbH besteht, muss unverz&uuml;glich eine Gesellschafterversammlung einberufen werden, wenn die Zahlungsunf&auml;higkeit droht. Im &Uuml;brigen sind s&auml;mtliche Vorschriften, die f&uuml;r die GmbH gelten, auch f&uuml;r die Mini-GmbH anzuwenden. Von verschiedenen Institutionen und Beh&ouml;rden werden unterschiedliche F&ouml;rderprogramme f&uuml;r Existenzgr&uuml;nder, u. a. zinsg&uuml;nstige Kredite als Startkapital, angeboten. &Uuml;ber die von der Hessischen Landesregierung aufgelegten F&ouml;rderprogramme k&ouml;nnen Sie sich in der Brosch&uuml;re des Hessischen Ministeriums f&uuml;r Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung &#039;&#039;Existenzgr&uuml;ndungsbrosch&uuml;re&#039;&#039; informieren, die auch im Internet unter www.wirtschaft.hessen.de (Publikationen) abrufbar sind. Weitere F&ouml;rderprogramme bieten die Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau (KfW) und die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) an. Informationen dar&uuml;ber gibt es im Internet unter www.kfw.de (Privatpersonen/Existenzgr&uuml;ndung) bzw. www.wibank.de (F&ouml;rderberatung). Die Existenzgr&uuml;ndung aus der Arbeitslosigkeit heraus wird unter bestimmten Voraussetzungen auch von der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit mit einem sog. Gr&uuml;ndungszuschuss gef&ouml;rdert. N&auml;here Informationen dar&uuml;ber erhalten Sie bei der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit oder im Internet unter www.arbeitsagentur.de (B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger/Arbeit und Beruf/Existenzgr&uuml;ndung/Finanzielle Hilfen). Buchf&uuml;hrungspflichtig nach handelsrechtlichen Vorschriften sind Kaufleute (Einzelunternehmer, Handelsgesellschaften wie OHG, KG, GmbH), die ein Handelsgewerbe betreiben. Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen keinen in kaufm&auml;nnischer Weise eingerichteten Gesch&auml;ftsbetrieb erfordert. Diese Unternehmen k&ouml;nnen allerdings aufgrund freiwilliger Eintragung im Handelsregister die Kaufmannseigenschaft erlangen. Einzelkaufleute mit Umsatzerl&ouml;sen bis 600.000 Euro (f&uuml;r Wirtschaftsjahre mit Beginn vor dem 1.1.2016 500.000 Euro) und einem Jahres&uuml;berschuss von bis zu 60.000 Euro (f&uuml;r Wirtschaftsjahre mit Beginn vor dem 1.1.2016 50.000 Euro) in zwei aufeinander folgenden Gesch&auml;ftsjahren sind handelsrechtlich von der Buchf&uuml;hrungspflicht befreit. Dies gilt ebenso bei Neugr&uuml;ndungen, wenn die vorgenannten Werte am Ende des ersten Gesch&auml;ftsjahres nicht &uuml;berschritten werden. Sind Sie nach Handelsrecht verpflichtet, B&uuml;cher zu f&uuml;hren, gilt dies auch f&uuml;r die Besteuerung. Besteht keine handelsrechtliche Buchf&uuml;hrungspflicht, sind Sie als Gewerbetreibender dennoch steuerrechtlich zur Buchf&uuml;hrung verpflichtet, wenn Ihr Umsatz mehr als 600.000 Euro (f&uuml;r Wirtschaftsjahre mit Beginn vor dem 1.1.2016 500.000 Euro) oder Ihr Gewinn mehr als 60.000 Euro (f&uuml;r Wirtschaftsjahre mit Beginn vor dem 1.1.2016 50.000 Euro) im Jahr betr&auml;gt. In diesem Fall erhalten Sie von Ihrem Finanzamt eine Mitteilung &uuml;ber den Beginn Ihrer Buchf&uuml;hrungspflicht. Werden diese Grenzen nicht &uuml;berschritten, kann der Gewinn Ihres Unternehmens durch Einnahmen&uuml;berschussrechnung (vgl. Tz.B.2.3.4) ermittelt werden. F&uuml;r Freiberufler besteht weder handels- noch steuerrechtlich eine Buchf&uuml;hrungspflicht. Sie k&ouml;nnen jedoch freiwillig B&uuml;cher f&uuml;hren. Soweit sich aus dem Steuerrecht nichts anderes ergibt, sind bei der Gewinnermittlung die handelsrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften zu beachten und zwar insbesondere die Grunds&auml;tze der ordnungsgem&auml;&szlig;en Buchf&uuml;hrung. Die Eintragungen in den Gesch&auml;ftsb&uuml;chern und die sonst erforderlichen Aufzeichnungen m&uuml;ssen vollst&auml;ndig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorgenommen werden. Der bare Zahlungsverkehr muss t&auml;glich aufgezeichnet werden, z.B. in einem Kassenbuch. Es muss ein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Gesch&auml;ftsvorf&auml;llen und ihrer buchm&auml;&szlig;igen Erfassung bestehen. Die Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle m&uuml;ssen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen. Die Buchf&uuml;hrung muss so beschaffen sein, dass sie einem sachverst&auml;ndigen Dritten (z.B. Betriebspr&uuml;fer des Finanzamts) innerhalb angemessener Zeit einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Gesch&auml;ftsvorf&auml;lle und &uuml;ber die Lage des Unternehmens vermitteln kann. Die Handelsb&uuml;cher und die sonst erforderlichen Aufzeichnungen k&ouml;nnen auch auf Datentr&auml;gern gef&uuml;hrt werden. Zu Beginn Ihres Handelsgewerbes m&uuml;ssen Sie eine Er&ouml;ffnungsbilanz aufstellen, danach jeweils eine Bilanz zum Schluss eines jeden Gesch&auml;ftsjahres. Die Bilanz ist eine j&auml;hrliche Verm&ouml;gens&uuml;bersicht, die auf der Aktivseite das Verm&ouml;gen (z.B. Grundst&uuml;cke, Maschinen, Forderungen) und auf der Passivseite das Eigenkapital und die Schulden des Unternehmens ausweist. Wirtschaftsg&uuml;ter des Privatverm&ouml;gens d&uuml;rfen nicht aufgenommen werden. Die Bilanz ergibt sich zum einen aus der Inventur, zum anderen aus dem Zahlenmaterial der Buchf&uuml;hrung. Nur bei &uuml;bereinstimmenden Werten k&ouml;nnen Buchf&uuml;hrung und Bilanz ordnungsm&auml;&szlig;ig sein</p> <p><a href="https://finanzen.hessen.de/sites/default/files/media/hmdf/steuerwegweiser-existenzgruender-2018.pdf">Publikation zeigen</a></p>