<h1>Neue Arbeitsorganisation durch Crowdsourcing</h1> <h2>Auslagerung von bestimmten Aufgaben an eine undefinierte Masse an Menschen (Crowd) mittels eines offenen Aufrufs... Quelle Hans-B&ouml;ckler-Stiftung</h2> <p>Neue Arbeitsorganisation durch Crowdsourcing. Definition und Auspr&auml;gungsformen von Crowdsourcing. Crowdsourcing-Auspr&auml;gungsformen. Crowdsourcing als innovatives Leistungserstellungsmodell. Die Perspektive der Crowdsourcer. Erkl&auml;rungsans&auml;tze f&uuml;r Crowdsourcing-Entscheidungen. Management des Crowdsourcing-Prozesses. Phasen und Eigenschaften des Crowdsourcing-Prozesses. Teilautomatisierung von Crowdsourcing-Prozessen: Human Computation. Steuerung und Kontrolle von Crowdaktivit&auml;ten. Technologie: Crowdsourcing Plattform als Interaktionsmedium. Crowdsourcing als Gesch&auml;ftsmodell: Crowdsourcing Intermedi&auml;re. Vor- und Nachteile von Crowdsourcing. Arbeiten in der Crowd: Perspektive der Crowdworker. Arbeitsformen in der Crowd. Arbeitsbedingungen, Motivation und Entlohnung der Crowdsourcees. Beweggr&uuml;nde der Crowdsourcees f&uuml;r die Teilnahme. Entlohnung der Crowdsourcees und rechtliche Rahmenbedingungen. Crowdsourcing ist in den letzten Jahren f&uuml;r viele Unternehmen eine ernstzunehmende Alternative zur Aufgabenbearbeitung geworden. Es beschreibt die Auslagerung von bestimmten Aufgaben durch ein Unternehmen oder im Allgemeinen durch eine Institution an eine undefinierte Masse an Menschen (&#039;&#039;Crowd&#039;&#039;) mittels eines offenen Aufrufs. Beim Crowdsourcing-Modell handelt es sich jedoch nicht nur um ein innovatives Konzept zur Verteilung und Durchf&uuml;hrung von Unternehmensaufgaben, sondern vielmehr um eine g&auml;nzlich neue Art der Arbeitsorganisation, mit welcher Ver&auml;nderungen sowohl auf der Arbeitnehmer- als auch auf der Arbeitgeberseite einhergehen. Vor diesem Hintergrund wird in der zu Grunde liegenden Literaturstudie der Frage nachgegangen, wie der aktuelle Stand der Forschung zu Auspr&auml;gungs-, Arbeits-, Koordinations- und Wertsch&ouml;pfungsformen rund um Crowdsourcing in der Forschungsliteratur ist. Die o.g. und auf unterschiedlichen Publikationen aufbauende Arbeitsdefinition von Crowdsourcing besagt, dass es in einem Crowdsourcing-Modell immer die Rolle eines Auftraggebers (Crowdsourcer) sowie die Rolle der undefinierten Auftragnehmer (Crowdsourcees) gibt. Die Durchf&uuml;hrung von Crowdsourcing Initiativen erfolgt &uuml;ber eine Crowdsourcing IT-Plattform, die organisationsintern aufgesetzt oder von einem Crowdsourcing Intermedi&auml;r bereitgestellt werden kann. Grunds&auml;tzlich lassen sich drei Arten von Crowdsourcing unterscheiden: Crowdvoting, Crowdfunding und Crowdcreation. Beim Crowdvoting werden die Crowdsourcees dazu aufgerufen, Bewertungen, Abstimmungen, Meinungen oder Empfehlungen zu einem bestimmten Objekt bzw. Sachverhalt abzugeben, w&auml;hrend die Crowd im Rahmen des Crowdfundings die (Teil-) Finanzierung von bestimmten Projekten &uuml;bernimmt. Crowdcreation umfasst hingegen die Erstellung und Entwicklung von (Problem-) L&ouml;sungen, Ideen, Designs und Konzepten. Crowdsourcing betreibende Unternehmen stehen zun&auml;chst vor der Herausforderung zu entscheiden, welche internen Leistungserstellungsaktivit&auml;ten an die Crowd ausgelagert werden (k&ouml;nnen). Die Literatur und Praxis verdeutlichen, dass nahezu jegliche Wertsch&ouml;pfungsaktivit&auml;ten vom Crowdsourcing betroffen sein k&ouml;nnen. Damit interne Arbeitspakete von Crowdsourcees erfolgreich erledigt werden k&ouml;nnen, m&uuml;ssen diese konkretisiert, detailliert beschrieben und zumeist in kleine (Arbeits-)Einheiten zerlegt werden (Arbeits- bzw. Aufgabendekomposition). Das f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung der Teilaufgaben ben&ouml;tigte Know-how ist entsprechend gering, sodass dadurch viele, auch nicht f&uuml;r eine bestimmte (gr&ouml;&szlig;ere) Aufgabe hochqualifizierte Individuen an der Aufgabenbearbeitung mitwirken k&ouml;nnen. Diese Vorgehensweise ist mit den Prinzipien des Taylorismus vergleichbar. Ein Ziel hiervon ist, die Arbeitsproduktivit&auml;t durch Standardisierung und Zerlegung komplexer Arbeitsvorg&auml;nge in kleinere Einzelt&auml;tigkeiten (und damit auch durch st&auml;rkere Arbeitsteilung) zu steigern. Diese kleineren und h&auml;ufig auftretenden Einzelt&auml;tigkeiten k&ouml;nnen dann von (ggf. auch weniger qualifizierten bzw. leichter und schneller anlernbaren) Arbeitskr&auml;ften unter Ausnutzung von Lern-, Gr&ouml;&szlig;en und Verbundeffekten effektiver bzw. effizient bearbeitet werden und die Produktivit&auml;t und Geschwindigkeit der Gesamtleistungserstellung so ggf. gesteigert werden. Analog zur Industrialisierung von Produktionsprozessen entf&auml;llt ein Gro&szlig;teil des Aufwandes bei der Aufgabenbearbeitung auf die Arbeitsplanung, -steuerung und -koordination. Crowdsourcing- bzw. Prozessmanager, die die disponierende Einteilung &uuml;bernehmen und die Arbeitsprozesse im Rahmen von Crowdsourcing steuern und kontrollieren, haben andere Aufgaben zu bewerkstelligen als &#039;&#039;konventionelle&#039;&#039; Projekt- bzw. Prozessmanager. Der Crowdsourcing-Prozess kann idealtypisch in f&uuml;nf Phasen unterteilt werden: In der ersten Phase erfolgt im Wesentlichen die Zerlegung der Arbeitspakte in Teilaufgaben sowie die Bestimmung der L&ouml;sungs- bzw. Aufgabenanforderungen. In der zweiten Phase wird bestimmt, welche Crowdsourcees (alle oder nur eine Teilmenge der Crowd) dann im dritten Schritt wie die jeweiligen Aufgaben bew&auml;ltigen sollen. In der vierten Phase werden die eingereichten L&ouml;sungen bzw. Beitr&auml;ge (zu einer Gesamtl&ouml;sung) zusammengetragen und bewertet, bevor in der letzten Phase die Verg&uuml;tung der Crowdsourcees erfolgt und die Gesamtaufgabe abgeschlossen wird. Vor allem im Bereich der Informatik existieren Ans&auml;tze, die sich mit der Teilautomatisierung von Crowdsourcing-Prozessen insbesondere f&uuml;r Mikroaufgaben (Human Computing) besch&auml;ftigen. Studien in diesem Bereich zeigen, dass die Crowd im Vergleich zu Experten je nach Aufgabenstellung und Gesamtprozessgestaltung qualitativ gleichwertige (oder auch bessere) Ergebnisse, jedoch wesentlich schneller, erarbeiten kann. Neben schnellen und qualitativ hochwertigen Probleml&ouml;sungen erweisen sich im Rahmen von Crowdsourcing-Aktivit&auml;ten auch noch eine erh&ouml;hte Flexibilit&auml;t (Skalierbarkeit) bei der Leistungserstellung und Kostensenkungspotenziale als wesentliche Vorteile. Als prim&auml;re Nachteile stellen sich hingegen die schwer kalkulierbaren Kosten f&uuml;r Crowdsourcing Initiativen (bspw. durch stark ansteigende dispositive Aufw&auml;nde bspw. bei der Aufgabenstandardisierung, Dekomposition, Ergebnisintegration und Qualit&auml;tssicherung), die Gefahr des Kontrollverlustes sowie auch der potenzielle Abfluss von unternehmensinternem Know-how dar. Auf Seiten der Crowdsourcees (bzw. Crowdworker) sind die Arbeitsbedingungen und Arbeitsgestaltung - das hei&szlig;t die Arbeitsformen in der Crowd, die Entlohnung der Crowdworker und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen - von besonderer Bedeutung. Grunds&auml;tzlich kann in Bezug auf Arbeitsformen zwischen zwei Ans&auml;tzen unterschieden werden: wettbewerbsbasierter Ansatz und zusammenarbeitsbasierter Ansatz. Im ersteren Fall stehen die Crowdworker entweder in einem zeitlichen (der Crowdworker, der die Aufgabe als Erster erfolgreich erf&uuml;llt, wird ent- bzw. belohnt) oder ergebnisorientierten (nur der oder die Crowd-worker mit der besten L&ouml;sung wird/ werden be- bzw. entlohnt) Wettbewerb zueinander. Beim zusammenarbeitsbasierten Ansatz erarbeiten hingegen mehrere Crowdworker gemeinsam eine L&ouml;sung zu einer bestimmten Aufgabe. Unterschiedliche Studien, die Crowdsourcees untersuchen, zeigen auf, dass intrinsische Motive wie der soziale Austausch, die M&ouml;glichkeit zur Erweiterung der individuellen F&auml;higkeiten und die Freude an der (Crowd-) Arbeit eine wesentliche Rolle spielen. Pr&auml;mienbasierte und monet&auml;re Entlohnungen stellen jedoch den prim&auml;ren Anreizfaktor f&uuml;r Crowdworker dar. Dar&uuml;ber hinaus wird eine hohe Eigenbestimmung bei der Wahl und Art der T&auml;tigkeit als Crowdworker als positiv dargestellt. Entsprechend sind in der Praxis unterschiedliche Entlohnungs- bzw. Verg&uuml;tungsmodelle vorzufinden, wobei noch viele weitere Varianten zur Arbeitsorganisation und Incentivierung der Teilnehmer denkbar sind. Die Pr&auml;mien bzw. Entgelte variieren stark, abh&auml;ngig von der Arbeitsform und der Art der Aufgaben. W&auml;hrend Crowdworker f&uuml;r manche Aufgaben (zumeist Mikroaufgaben) mit wenigen Eurocents entlohnt werden, gibt es auch mehrere - zumeist wettbewerbsbasierte - Crowdsourcing Initiativen, in deren Rahmen Preisgelder von bis zu 100 Tsd. Euro oder Dollar vergeben werden. Im Hinblick auf rechtliche Rahmenbedingungen f&uuml;r die Crowdarbeit konnten indessen keine Studien f&uuml;r den Rechtsraum Deutschland gefunden werden, w&auml;hrend in den USA erste konzeptionelle Arbeiten die rechtlichen Faktoren (z.B. Regelungen zu geistigen Eigentumsrechten) im Rahmen von Crowdsourcing und im Lichte der jeweiligen Rechtsr&auml;ume diskutieren. Sie konstatieren, dass existierende Regelungen nicht ohne weiteres auf die internetbasierte Crowdarbeit &uuml;bertragen und daher angepasst werden sollten. Inwiefern dieses auch f&uuml;r Crowdsourcing Initiativen hierzulande gilt, bedarf es genauerer Analysen. Zu kl&auml;ren ist auch noch, welche Implikationen sich f&uuml;r unternehmensinterne und auch externe Crowdworker ergeben, zumal die Anzahl von Crowdsourcing Aktivit&auml;ten st&auml;ndig steigt. In diesem Zusammenhang ist insbesondere auch zu untersuchen, inwiefern sich Besch&auml;ftigungsm&ouml;glichkeiten sowie Mit- und Selbstbestimmungsrechte von Besch&auml;ftigten eines Crowdsourcing (intern/extern) einsetzenden Unternehmens ver&auml;ndern bzw. welche Mit- und Selbstbestimmungsm&ouml;glichkeiten externe Crowdworker haben (k&ouml;nnen). Auf Seiten der Crowdsourcer besteht ebenfalls weitreichender Forschungsbedarf, sei es bezogen auf Ausgangsvoraussetzungen f&uuml;r erfolgreiches Crowdsourcing in unterschiedlichen Anwendungskontexten oder im Hinblick auf die Ermittlung geeigneter Verg&uuml;tungsmodelle sowie geeigneter Planungs-, Steuerungs- und Kontrollmechanismen im Rahmen von Crowdsourcing Projekten. Auch bezogen auf Crowdsourcing Plattformen ergibt sich weitgehender Forschungsbedarf, um bspw. unterschiedliche Werkzeuge, Funktionalit&auml;ten und Teilautomatisierungsm&ouml;glichkeiten systematisch besser gestalten zu k&ouml;nnen. Hiermit gehen auch ver&auml;nderte Anforderungen an individuelle und organisationale Kompetenzen sowie sich ausdifferenzierende Berufsbilder und Anwendungsdom&auml;nen einher</p> <p><a href="https://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_287.pdf">Publikation zeigen</a></p>