<h1>Motivierender Umgang mit Auszubildenden</h1> <h2>Ziel dieser Brosch&uuml;re ist es, Sie als Ausbilder dabei zu unterst&uuml;tzen, mit schwierigen Entwicklungsphasen Ihrer Lehrlinge konstruktiv umzugehen... Quelle LGH</h2> <p>Baustelle im Kopf &Auml;rger im Betrieb? Tipps f&uuml;r einen motivierenden Umgang mit Auszubildenden Viele betriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder kennen die folgenden Situationen: Ohne erkennbaren Grund ist ihr Lehrling beleidigt, reagiert heftig und scheint alles falsch zu verstehen. Oder: Auszubildende sind von jetzt auf gleich unmotiviert und erf&uuml;llen ihre Arbeiten nur noch missmutig. Sie benutzen ihr Handy zu den ung&uuml;nstigsten Zeitpunkten und - wie es scheint - ununterbrochen. Vielleicht kommen sie immer mal wieder zu sp&auml;t zur Arbeit oder verpassen sogar wichtige Termine. Hintergrund derartiger Schwierigkeiten ist, dass junge Menschen noch vieles lernen m&uuml;ssen und dass diese Lernprozesse (leider) h&auml;ufig von Konflikten begleitet werden. Ziel dieser Brosch&uuml;re ist es, Sie als Ausbilderin oder Ausbilder dabei zu unterst&uuml;tzen, mit dieser schwierigen Entwicklungsphase Ihrer Lehrlinge konstruktiv umzugehen. Anhand von Beispielen aus dem betrieblichen Alltag und mit Hilfe von Praxistipps wird verdeutlicht, wie Sie Wege finden k&ouml;nnen, die nicht nur die Konflikte mit Ihren Auszubildenden entspannen, sondern sogar deren Lernprozesse beg&uuml;nstigen und ihre Motivation f&ouml;rdern. Die Baustelle im Gehirn der Jugendlichen Warnblinkanlage &Auml;rger und Wut Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen - &Uuml;bung erforderlich Stimmungen erkennen lernen Missverst&auml;ndnisse und Fehldeutungen Lernprozesse erleichtern Beispiel aus Sichtweise des Auszubildenden Wenn sich junge Menschen f&uuml;r eine Ausbildung entscheiden, &auml;ndert sich in ihrem Leben sehr viel. Sie verlassen das seit etwa zehn (Schul-)Jahren bekannte Leben unter Mitsch&uuml;lerinnen und Mitsch&uuml;lern und Lehrerinnen und Lehrern. Sie wollen - und sollen selbstst&auml;ndig werden, und das auch noch in einer f&uuml;r sie neuen Situation: Seit Beginn der Ausbildung stehen sie vor vielen Herausforderungen. Die Kolleginnen und Kollegen sind ihnen noch unbekannt und eine Chefin bzw. einen Chef gab es bislang auch nicht. Die Betriebsabl&auml;ufe m&uuml;ssen erkannt und die Ziele des Ausbildungsberufs ergr&uuml;ndet und erobert werden. Die Zeit, die sie im Vergleich zum Schulalltag von nun an im Betrieb und f&uuml;r die Ausbildung aufbringen werden, erfordert au&szlig;erdem eine komplette Umstellung der bisherigen Lebensgewohnheiten. Gleichzeitig stehen die jungen Menschen in einer Lebensphase, die eine Menge an Lernaufgaben mit sich bringt. Oftmals treffen Ausbilderinnen und Ausbilder auf unerwartete Reaktionen ihrer Lehrlinge. Sie verstehen nicht, warum diese aggressiv antworten und manchmal sogar einen Arbeitsauftrag verweigern - oder kaum zug&auml;nglich sind und sich stark zur&uuml;ckziehen. Peter kommt morgens in die Lehrwerkstatt und trifft auf seinen Ausbilder, Herrn Schulze: &#039;&#039;Peter, die Antriebsrollen aus der Dreherei m&uuml;ssen heute zum Nutenfr&auml;sen. Erledige das bitte!&#039;&#039; Peter antwortet: &#039;&#039;Mann, alle haben es auf mich abgesehen. Warum soll ich das schon wieder machen? Ich habe das bisher immer getan.&#039;&#039; F&uuml;r Herrn Schulze ist diese heftige Reaktion auf einen Arbeitsauftrag unverst&auml;ndlich. Gleichzeitig findet er es unangebracht, dass Peter seine Arbeit nicht erledigen m&ouml;chte. Schlie&szlig;lich hat der Betrieb Ziele zu erreichen und nach wirtschaftlichen Prinzipien zu funktionieren. Jeder Arbeitsplatz ist vom guten Gesch&auml;ftsverlauf abh&auml;ngig - auch der Ausbildungsplatz von Peter. Junge Menschen beginnen eine Ausbildung mit einem Neuanfang. Verbindungen im Gehirn werden umgebaut Sie m&ouml;chten gerne alte, als unbrauchbar erkannte Verhaltensweisen ablegen und vieles anders machen. Aber gerade das f&auml;llt ihnen mitunter schwer, denn: Diese jungen Menschen haben in ihrem Gehirn eine gro&szlig;e Baustelle. Viele Verbindungen und Verkn&uuml;pfungen werden umgebaut und verschiedene Regionen ausgebaut. Hier wird zwischen zwei Regionen eine neue Denkstra&szlig;e gebaut, dort befindet sich eine im Abriss, an einer anderen Stelle wird eine Datenautobahn neu geplant. In kaum einer Lebensspanne - so sagen Hirnforscher - finden derart gro&szlig;e Umbr&uuml;che im Gehirn eines Menschen statt wie in dieser Zeit. Das Gehirn ver&auml;ndert sich Die Erkenntnisse &uuml;ber die Baustelle im Gehirn ziehen Forscher aus Techniken, die in den letzten Jahren entwickelt wurden. Sie &#039;&#039;bieten extrem detaillierte Abbildungen des lebenden Gehirns und zeigen, wie es w&auml;chst und wie seine Funktion sich durch die Teenagerjahre verwandelt, oft auf eine Weise, die niemand vermutet&#039;&#039;, sagt der Neurologe Paul Thompson (Thompson in W&uuml;schner, S. 16). Diese Entwicklung setzt sich noch weiter &uuml;ber das 18. Lebensjahr hinaus fort. Situation der jungen Menschen F&uuml;r die jungen Menschen ist somit nicht nur die &auml;u&szlig;ere, sondern auch die innere Situation in ihrem Leben mit den Umbr&uuml;chen und der Baustelle im Gehirn neu. Nie in ihrem Leben war das Erleben von Situationen f&uuml;r sie so intensiv. Dies wirkt sich auf ihr Verhalten aus und f&uuml;hrt mitunter zu gro&szlig;er Unsicherheit. Sie kennen sich selbst nicht mehr. Diese neue, unsichere Selbstwahrnehmung bahnt sich ihren Weg nach drau&szlig;en und erscheint dann oft als patzige &Uuml;berreaktion. Bei Peter schnellte Angst in Form von Wut hoch. Er reagierte aggressiv und verteidigend. Peter glaubte, nicht gen&uuml;gend Zeit f&uuml;r seine Ausbildungsinhalte zu haben. Sie k&ouml;nnen die &Uuml;berreaktion ihres Lehrlings als &#039;&#039;Warnblinkanlage&#039;&#039; f&uuml;r eine m&ouml;gliche Unsicherheit verstehen. Sie k&ouml;nnen die Situation entsch&auml;rfen, indem Sie Fragen stellen, die dazu beitragen, dass Unklarheiten offen gelegt werden. Dadurch wird das Gespr&auml;ch auf eine sachliche Ebene gehoben. Situationen und Menschen einsch&auml;tzen lernen Ein Teil der Baustelle im Gehirn von Heranwachsenden bezieht sich auf das Einsch&auml;tzen von Situationen und anderen Menschen. Das hei&szlig;t aber auch: Jugendliche k&ouml;nnen es (noch) nicht so gut. Ihr Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen ist (noch) nicht so ausgebaut, dass sie z.B. Gef&uuml;hle, Mimik und K&ouml;rpersprache ihrer Gespr&auml;chspartner erkennen oder richtig deuten k&ouml;nnen. So sind junge Menschen zu Beginn der Pubert&auml;t nicht in der Lage, z.B. Angst als Reaktion eines anderen Menschen zu erkennen - etwas, was kleine Kinder sehr gut k&ouml;nnen! Erst bei einem Erwachsenen ist diese F&auml;higkeit wieder voll ausgepr&auml;gt. Ebenso erkennen Jugendliche die Stimmungen der Kolleginnen und Kollegen noch nicht treffsicher, so dass es zu Fehldeutungen kommen kann. Sie beziehen sehr leicht &Auml;u&szlig;erungen auf sich, h&ouml;ren also viel &ouml;fter mit dem sogenannten Beziehungsohr als mit dem Sachohr (sachliche Ebene). Dies mag an der neuen Umgebung im Betrieb liegen, denn in ihrem Freundeskreis sind junge Menschen eher dazu f&auml;hig, Reaktionen, Mimik und K&ouml;rpersprache richtig zu deuten. Der Betriebsinhaber hat einen Auftrag, der in kurzer Zeit durchgef&uuml;hrt werden muss. Der Auftrag kommt von einem kritischen Stammkunden, den der Betrieb nicht ver&auml;rgern m&ouml;chte. Gleichzeitig warten zwei weitere Auftr&auml;ge, mit denen er noch in dieser Woche beginnen m&ouml;chte. Er will ganz sichergehen, dass Juliane wirklich p&uuml;nktlich kommt, weil er ihre Hilfe unbedingt braucht. Die Auszubildende m&ouml;chte entsprechend ihrer Berufswahl Inhalte f&uuml;r ihren beruflichen Werdegang lernen. Ein guter Ausbildungsabschluss ist f&uuml;r sie ein wichtiges Ziel. Die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt ist sowieso ungewiss genug. Sie hat sich gerade erst an die Ausbildung gew&ouml;hnt und auch an den fr&uuml;hen Start in den Tag. Dar&uuml;ber hinaus f&uuml;hlt sie sich angegriffen. Sie war bisher immer p&uuml;nktlich, bis auf ein einziges Mal. Sie glaubt, dass der Betriebsinhaber sie f&uuml;r unzuverl&auml;ssig h&auml;lt, sonst h&auml;tte er das nicht noch extra erw&auml;hnen m&uuml;ssen. Wichtig: Viele &Uuml;berreaktionen von jungen Menschen entstehen aufgrund von Missverst&auml;ndnissen und Fehldeutungen. Sie lernen ja noch, Situationen und Menschen einzusch&auml;tzen und zu verstehen. Julianes Reaktion beruht somit auf einer Fehldeutung. Sie hat Herrn Jansens Gesichtsausdruck und Tonfall als Ver&auml;rgerung auf sie verstanden. Herr Jansen war aber gar nicht &uuml;ber Juliane ver&auml;rgert. Er ist vor kurzem Vater geworden und die N&auml;chte sind etwas k&uuml;rzer als sonst. Sie erkannte nicht, dass ihr Ausbilder nur etwas m&uuml;de war und gar nicht &auml;rgerlich auf sie. Sie k&ouml;nnen in einer solchen Situation dazu beitragen, Missverst&auml;ndnisse zu erkennen und aufzukl&auml;ren. Hilfreich ist es, wenn Sie dem Auszubildenden genau aufschl&uuml;sseln, wie zufrieden der Betrieb mit seiner Arbeit und dem Fortgang der Ausbildung ist. Junge Menschen bearbeiten eine gro&szlig;e Zahl an Fragen zu ihrem kompletten Lebensentwurf und wollen sich gleichzeitig von ihren Eltern l&ouml;sen und unabh&auml;ngig werden. Sie entwickeln die F&auml;higkeit zu vorausschauendem und abstraktem Denken. Sie erobern ihre Zukunft anhand von Szenarien, die sie sich ausmalen. Dazu brauchen sie oftmals intensiven Kontakt zu ihren Altersgenossen. F&uuml;r Ausbilder zeigt sich die Situation folgenderma&szlig;en: Sie erleben, dass ihre Lehrlinge offenbar ohne Handy nicht leben k&ouml;nnen. Auszubildende scheinen st&auml;ndig zu telefonieren, eine SMS zu schreiben oder zu erhalten. Aber wie ist das mit der Ausbildung und den betrieblichen Rahmenbedingungen zu vereinbaren? In einem Gespr&auml;ch k&ouml;nnen Sie kl&auml;ren, wann Ihr Lehrling Gelegenheit hat, zu telefonieren bzw. SMS zu schreiben und wann es sehr ung&uuml;nstig ist oder gar nicht geht. Es sind Informationen und Absprachen, die Konflikte vermeiden helfen. Wichtig ist, dass Sie die gemeinsam besprochenen Bedingungen schriftlich festhalten. Eine darunter gesetzte Unterschrift von Ihnen und Ihrem Auszubildenden erh&ouml;ht die Verbindlichkeit. Jeder erh&auml;lt ein Exemplar. Etwa drei bis vier Wochen sp&auml;ter sollten die Vereinbarungen noch einmal &uuml;berpr&uuml;ft werden. Hat alles wie erwartet funktioniert oder sind &Auml;nderungen notwendig? Individuelle Lerngeschwindigkeit F&uuml;r Lehrlinge stellt sich folgende Situation: Jedes Ausbildungsjahr bringt neue Inhalte mit sich, die zu erobern sind. Praxis und Theorie werden immer wieder neue - und schwierigere - Anforderungen an sie stellen. Sie bringen aber auch ihre individuelle, pers&ouml;nliche Art und Geschwindigkeit des Verstehens und Lernens mit, die mitunter sehr unterschiedlich sein kann. St&uuml;rmt auf den Auszubildenden eine F&uuml;lle an Informationen und Situationen ein, die er meint, nicht auf einmal bew&auml;ltigen zu k&ouml;nnen, kommt Stress auf. Stress ist in unserer heutigen Zeit ein viel zu oft benutzter Begriff, der f&uuml;r alles M&ouml;gliche herangezogen wird. Was aber ist Stress wirklich? Stau auf der Datenautobahn Eine Erkl&auml;rung aus der Hirnforschung besagt, dass unbekannte Situationen die Aussch&uuml;ttung von Stresshormonen verursachen k&ouml;nnen. Diese mit dem Begriff &#039;&#039;Noradrenaline&#039;&#039; benannten Stoffe setzten sich im Gehirn in die sogenannten Synapsen. Das sind Schaltstellen zwischen den einzelnen Nervenbahnen, an denen die Informationen &uuml;bertragen werden. Dort verursachen Stresshormone eine Blockade, die diese &Uuml;bertragung von Informationen erschwert. Es ist, als ob man auf der Datenautobahn in einen Stau ger&auml;t und nicht mehr durchkommt. Spa&szlig; und Erfolgserlebnisse jedoch sorgen f&uuml;r ein reibungsloses Funktionieren zwischen den einzelnen Regionen im Gehirn und damit in den Nervenbahnen. Die Datenautobahnen bleiben frei und k&ouml;nnen ausgebaut und erweitert werden. Wie nun kann man diesen Idealzustand f&ouml;rdern? Spa&szlig; und Erfolgserlebnisse sind ohne Neugier, Faszination und Erwartungen nicht m&ouml;glich. Es sind nat&uuml;rliche Eigenschaften, die durch positive Herausforderung das Lernen begleiten. Fehlen sie, wird die so wichtige Lernbereitschaft f&uuml;r einen zun&auml;chst fremden Lernstoff nicht geweckt. Es wird vielleicht erreicht, dass bestimmte Lerninhalte auswendig gelernt werden k&ouml;nnen, aber echtes Verstehen ist so nicht zu erreichen. G&uuml;nstige Lernbedingungen Es gibt mehrere Bedingungen bzw. Voraussetzungen f&uuml;r Spa&szlig;, Neugier und Faszination, die einen Lernprozess beg&uuml;nstigen. Dazu geh&ouml;ren: eine Aufgabe, die gut zu bew&auml;ltigen ist, d.h., die Aufgabe liegt im Bereich der derzeitigen Leistungsf&auml;higkeit des Auszubildenden, das Gef&uuml;hl, die Situation unter Kontrolle zu haben, mit ihr fertig zu werden, um unbesorgt sein zu k&ouml;nnen, zusammenh&auml;ngende und eindeutige Handlungsanforderungen, klare R&uuml;ckmeldungen, ob das Ergebnis richtig oder falsch ist, das Vermeiden von Ablenkungen und eine Situation, in der Gedanken &uuml;ber Resultate und Belohnungen (erst einmal) keine Rolle spielen und der Lehrling vollkommen in das Lern- bzw. Arbeitsthema eintauchen kann. &Uuml;ber- und Unterforderung vermeiden Das individuell erlebte Gef&uuml;hl von &Uuml;ber- oder Unterforderung spielt eine gro&szlig;e Rolle. Dieses h&auml;ngt wiederum mit dem Selbstbild des einzelnen Auszubildenden zusammen: Traut er/sie sich die gestellten Aufgaben zu? Ist ihm/ihr zu viel unklar, entsteht f&uuml;r ihn/sie der Eindruck, er/sie habe die Situation nicht unter Kontrolle. Auch wenn er/sie die Abl&auml;ufe im Betrieb oder die Inhalte der Berufsschule nicht versteht, kann er/sie mit Sorge oder gar Angst reagieren. Verst&auml;rkt werden kann diese Angst durch bestimmte Fristen (&uuml;berm&auml;&szlig;iger Zeitdruck), die beispielsweise vor Pr&uuml;fungen einzuhalten sind. Es gibt jedoch M&ouml;glichkeiten, den &#039;&#039;stauverursachenden&#039;&#039; Termindruck auf ein f&ouml;rderliches Ma&szlig; zu bringen. F&uuml;r Auszubildende ist es wichtig, die Anforderungen im Betrieb und in der Berufsschule richtig einsch&auml;tzen zu k&ouml;nnen. Sie als Ausbilder/in k&ouml;nnen ihren Lehrling dabei gut unterst&uuml;tzen: Sie k&ouml;nnen Ihrem Lehrling &uuml;berm&auml;&szlig;igen Druck durch &Uuml;berforderung nehmen, indem Sie mit ihm genau durchsprechen, was f&uuml;r eine Pr&uuml;fung relevant ist. Sie k&ouml;nnen bestehende L&uuml;cken aufdecken und gemeinsam mit ihm einen Plan entwickeln, wie diese L&uuml;cken zu schlie&szlig;en sind. Die Einhaltung des Plans wird nach festgelegten Zeitabschnitten &uuml;berpr&uuml;ft. Bei Langeweile und Unterforderung k&ouml;nnen Sie von Ihrem Lehrling mehr verlangen. In diesem Fall wirkt dies sehr f&ouml;rderlich. Konzentration, also ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit, stellt sich in dem Moment ein, in dem der Auszubildende beginnt, sich mit den Lerninhalten aktiv auseinanderzusetzen. Konzentration ist notwendig, damit die Lerninhalte auf der Datenautobahn &uuml;berhaupt in Fahrt kommen und neue hinzukommen k&ouml;nnen. Sie ist ebenfalls f&uuml;r einen &#039;&#039;staufreien&#039;&#039; Verkehr auf der Datenautobahn dringend erforderlich. Wieder einmal die Baustelle Viele junge Menschen - so scheint es haben aber gerade mit der Konzentration arge Schwierigkeiten. Das kann z.B. an der ungewohnten L&auml;nge des Arbeitstages liegen und/oder am noch ungewohnt fr&uuml;hen Aufstehen. Ein Grund daf&uuml;r liegt jedenfalls in der Baustelle im Gehirn. Der Um- und Ausbau bewirkt, dass das Gehirn nicht so recht wei&szlig;, wo es die Lerninhalte &uuml;berhaupt ablegen soll. Hirnforscher finden es sogar sehr erstaunlich, dass es bei diesem &#039;&#039;Durcheinander&#039;&#039; &uuml;berhaupt zu Lernerfolgen kommt. Personenbezogene Gedankenbremsen Gedanken, die auf sie selbst oder auf andere Personen bezogen sind, lenken Auszubildende von ihrer eigentlichen Aufgabe ab. Zu viele Dinge m&uuml;ssen dann gleichzeitig bearbeitet werden und die Qualit&auml;t leidet. Ein Lernvorgang wird beispielsweise gest&ouml;rt, wenn der Auszubildende denkt: &#039;&#039;Der Ausbilder mag mich nicht. Der hat mich im Visier&#039;&#039;, &#039;&#039;Ich bin zu bl&ouml;de, das zu lernen&#039;&#039;, &#039;&#039;Der Ausbilder h&auml;lt mich f&uuml;r unf&auml;hig, das zu lernen&#039;&#039;, &#039;&#039;Mann, das schaffe ich niemals&#039;&#039;, &#039;&#039;Mensch, ich ernte f&uuml;r alles Kritik!&#039;&#039; &#039;&#039;Was mache ich mit meiner Freundin. Sie war so sauer. Hoffentlich macht sie nicht Schluss&#039;&#039;, &#039;&#039;Mein Vater ist mal wieder ausgerastet. Der l&auml;sst wohl alles an mir aus. Ich kann Ungerechtigkeit nicht ab&#039;&#039;. Gedanken, gerichtet auf die eigene oder andere Personen, starken Druck erzeugende Zielvorgaben oder Probleme im privaten Bereich wirken also hemmend auf die Konzentrationsf&auml;higkeit. Aufgabenbezogene Konzentration hilft Konzentration auf die Aufgabe l&auml;sst hingegen die Daten auf der Autobahn frei fahren und f&ouml;rdert das Gelingen von Lernprozessen. Auf der Baustelle hat Maike den Auftrag, einen Raum so zu fliesen, dass genau in der Mitte ein gleichschenkliges Dreieck aus Parkett Platz findet. Die Spitzen des Dreiecks sollen einen Abstand von jeweils einem halben Meter zu den W&auml;nden haben. Maike erscheint gereizt. Sie l&auml;uft ungeduldig durch die Baustelle und kann sich nicht so recht konzentrieren. &#039;&#039;Hoffentlich mache ich keine Fehler und stelle mich bl&ouml;de an&#039;&#039;, denkt sie. Die Durchf&uuml;hrung der Aufgabe ist ihr noch unklar. Sie wei&szlig; nicht, wie sie beginnen soll, traut sich aber auch nicht zu fragen. Der Ausbilder hat ihr erkl&auml;rt, wie sie vorgehen soll. Jetzt steht sie alleine in dem Raum. Sie nimmt sich einen Stift und ein Papier und schreibt alles auf, was sie dazu bisher gelernt hat und was der Ausbilder ihr gesagt hat. Sie versucht, die Vorgehensweise genau zu planen. Dann fasst sie sich ein Herz, geht zum Ausbilder und fragt, ob sie bei dem Plan Denkfehler gemacht hat. R&uuml;ckmeldungen auf Denkfehler Im Beispiel wendet Maike ihre Gedanken weg von Ablenkungen wie &Uuml;berlegungen zum Erfolg/Misserfolg und den eigenen F&auml;higkeiten. So kommt sie langsam, aber sicher zu den Anforderungen der Aufgabe. Das Gehirn braucht mindestens 15 Minuten, um sich auf eine Aufgabe einzustellen und konzentriert zu arbeiten. Sobald Maike einen Plan entwirft, findet sie Ruhe und auch den Mut, ihren Ausbilder zu fragen. Jetzt ist ihr auch klar, was genau sie noch fragen m&ouml;chte. Die R&uuml;ckmeldung &uuml;ber Denkfehler ist wichtig, das schafft zus&auml;tzliche Sicherheit. Sie k&ouml;nnen Ihren Auszubildenden unterst&uuml;tzen, indem Sie personenbezogene &Auml;u&szlig;erungen vermeiden. Fehler sollten nur auf die Aufgaben und die Denkprozesse bezogen werden und nicht auf die F&auml;higkeiten oder Charaktereigenschaften des Lehrlings. Diese entwickeln sich ja an den Aufgaben! N&uuml;tzlich ist, wenn Sie Strategien anbieten, die helfen, eine Aufgabe zu l&ouml;sen (z.B. systematisches Vorgehen mit Bleistift und Papier). &Auml;u&szlig;erungen wie: &#039;&#039;Versuch es doch mal mit.&#039;&#039; oder &#039;&#039;Was brauchst Du noch, damit es gut klappt?&#039;&#039; ermutigen und schaffen Sicherheit. Durch die aufgabenbezogene Konzentration verschafft sich der Lehrling neue Kompetenzen. Gleichzeitig lernt er, dass es Unsicherheiten und Unklarheiten im beruflichen und pers&ouml;nlichen Leben gibt, die aber l&ouml;sbar sind. Jetzt wirken sie sich nicht mehr so st&ouml;rend auf seine Lernprozesse und Entwicklung aus. Er fasst mehr Vertrauen zu sich und zu Ihnen als Ausbilderin bzw. Ausbilder</p> <p><a href="https://www.jobadu.de/pdfs/01734.pdf">Publikation zeigen</a></p>