<h1>Vorgezogener Ruhestand</h1> <h2>Ziel dieser Brosch&uuml;re ist es, einen &Uuml;berblick zu geben &uuml;ber M&ouml;glichkeiten des vorgezogenen Ruhestandes, wie er auf betrieblicher Ebene heute geregelt wird... Quelle Hans-B&ouml;ckler-Stiftung</h2> <p>Vorgezogener Ruhestand. Altersteilzeit und Lebensarbeitszeitkonten. Betriebliche Regelungen zum vorgezogenen Ruhestand. Regelungen zur Altersteilzeit. Betriebswirtschaftliche Aspekte zur Altersteilzeit. Insolvenzschutz. Zeitwertkonten. Lebensarbeitszeitkonten. Den vorgezogenen Ruhestand mit Altersteilzeit und Lebensarbeitszeitkonten regeln. Ziel ist es, einen &Uuml;berblick zu geben &uuml;ber M&ouml;glichkeiten des vorgezogenen Ruhestandes, wie er auf betrieblicher Ebene heute geregelt wird. Bis vor wenigen Jahren wurde h&auml;ufig Altersteilzeit gew&auml;hlt, meist im Blockmodell. Zwar gibt es den staatlichen Zuschuss hierf&uuml;r seit 2009 nicht mehr, in Tarifvertr&auml;gen und betrieblichen Vereinbarungen wird Altersteilzeit jedoch weiterhin vereinbart: mit finanzieller Beteiligung des Arbeitgebers, aber ohne staatliche Zusch&uuml;sse. Inzwischen r&uuml;cken andere Instrumente wie z.B. Lebensarbeitszeitkonten st&auml;rker in den Vordergrund. H&auml;ufig werden Arbeitszeitkonten jedoch ausschlie&szlig;lich von den Besch&auml;ftigten &#039;&#039;gef&uuml;llt&#039;&#039; und finanziert. Neben diesen Aspekten widmen wir uns auch betriebswirtschaftlichen Aspekten, die f&uuml;r den Wirtschaftsausschuss bzw. den Aufsichtsrat von Interesse sind beim Thema &Uuml;bergang in den Ruhestand. Schutz der Guthaben vor Insolvenz, Fragen der Finanzierung, Risiken und bilanzrelevante Themen werden erl&auml;utert. Die Regelung des &Uuml;bergangs in den Ruhestand wird von den Betriebsparteien bzw. den Tarifvertragsparteien geregelt. Tarifvertr&auml;ge, wie sie von IG Metall, IG BCE und ver.di in den letzten Jahren abgeschlossen wurden, sind Vorgaben, die aufgrund des Tarifvorrangs &sect; 77 BetrVG eine entscheidende Bedeutung haben. Sie bilden einen Rahmen und geben Betriebsr&auml;ten Ansatzpunkte zum Einfordern von freiwilligen Regelungen, die ohne eine tarifvertragliche Grundlage nicht vorhanden w&auml;ren. Tarifvertragliche Regelungen sind allerdings l&auml;ngst nicht in allen Branchen gleicherma&szlig;en vorhanden. Nicht nur die Rente, sondern auch die Gestaltung des &Uuml;bergangs in den Ruhestand kostet Geld. Das gilt f&uuml;r einen vorgezogenen Ruhestand ebenso wie f&uuml;r die Reduzierung der Arbeitszeit kurz vor Renteneintritt oder die pr&auml;ventive langfristige alter(n)sgerechte Gestaltung von Arbeitspl&auml;tzen und -abl&auml;ufen. Dass die erforderlichen Ressourcen nun von Arbeitgebern bereitgestellt oder von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern allein aufgebracht werden k&ouml;nnen, darf man bezweifeln. Nach Bedarf flexibel und finanziell abgesichert in Rente zu gehen ist ein Thema, dass vermutlich in den n&auml;chsten Jahren noch sehr viel st&auml;rker auf politischer Ebene diskutiert werden wird. In vielen Bereichen sind die Arbeitsbelastungen deutlich gewachsen: Arbeitsverdichtung, zunehmende psychische Fehlbelastungen, Schicht- und Nachtarbeit werden immer h&auml;ufiger beklagt. Der Wunsch der Besch&auml;ftigten nach einem m&ouml;glichst fr&uuml;hen &Uuml;bergang in den Ruhestand und nach entlastenden Ma&szlig;nahmen (in der letzten Phase des Arbeitslebens) ist aber nur mit entsprechenden finanziellen Mitteln realisierbar. Die Mittel selbst aufzubringen, kommt f&uuml;r viele betroffene Besch&auml;ftigte aufgrund zu geringer Einkommen nicht in Betracht. Damit entsteht beim &Uuml;bergang in den Ruhestand eine Ungleichverteilung. Altersteilzeitregelungen bzw. Lebensarbeitszeitkonten stehen nur in denjenigen Branchen und Betrieben zur Wahl, in denen entsprechende Vereinbarungen bzw. Tarifvertr&auml;ge mit &Ouml;ffnungsklauseln abgeschlossen wurden. Und nur in tarifvertraglichen Regelungen einzelner Branchen beteiligen sich Arbeitgeber an den Kosten. Die staatliche Beteiligung wird vermutlich nicht wachsen, gleichwohl werden arbeitnehmerfinanzierte Instrumente an Bedeutung gewinnen. Werden die Kosten des &Uuml;bergangs in den Ruhestand durch die Besch&auml;ftigten getragen, erfordert dies eine lange Ansparphase. Hierf&uuml;r kommen Lebensarbeitszeitkonten in Betracht, die in den Betrieben an Bedeutung gewinnen. Werden diese Lebensarbeitszeitkonten durch Zeit - z.B. durch Mehrarbeit und Urlaubstage - aufgebaut, ist damit in der Regel eine h&ouml;here Arbeitsbelastung in der Aufbauzeit verbunden. Werden Konten mittels Entgeltumwandlung aufgebaut, setzt das ein entsprechendes Einkommen voraus. Altersteilzeit ist ein eher teures Instrument, das f&uuml;r ausgew&auml;hlte Notf&auml;lle und besondere Personengruppen sicherlich auch k&uuml;nftig bedeutend sein wird. Aber Altersteilzeit, besonders das Blockmodell, wird kein Zukunftsmodell sein. Man k&ouml;nnte an r&uuml;ckwirkende Dokumentationen zur individuellen Belastung durch die ausge&uuml;bte T&auml;tigkeit denken, weil ein starres Renteneintrittsalter f&uuml;r alle nicht realistisch ist. Beispielsweise k&ouml;nnten differenzierte Rentenpunkte f&uuml;r besonders belastende T&auml;tigkeiten, wie z.B. Schichtarbeit eingef&uuml;hrt werden. Fehlbelastungen fr&uuml;hzeitig festzustellen, ist ebenfalls eine Perspektive. Ein solches Vorgehen w&uuml;rde Belastungsanalysen f&uuml;r Arbeitnehmer und umfassende physische und psychische Gef&auml;hrdungsbeurteilungen f&uuml;r Arbeitspl&auml;tze beinhalten. Mit etwas Fantasie k&ouml;nnten etablierte Verfahren wie z.B. das Betriebliche Eingliederungsmanagement als Blaupause dienen, um Verfahren zur Bew&auml;ltigung des demografischen Wandels in Betrieben und Verwaltungen unter Beteiligung aller relevanten Akteure zu entwickeln. Die Chancen auf eine g&uuml;nstige &Uuml;bergangsregelung sind tendenziell abh&auml;ngig von der H&ouml;he des Einkommens. Wer nur ein kleines Einkommen erh&auml;lt, ist nach wie vor durch sinkende Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung von Altersarmut bedroht. Man r&auml;t allgemein dazu, sich zur Vermeidung von Altersarmut eine zus&auml;tzliche private Altersvorsorge aufzubauen. Das ist jedoch unwahrscheinlich, wenn das Geld gerade zum Leben reicht. Abschl&auml;ge durch ein vorgezogenes Altersruhegeld oder eine wegen Teilzeitarbeit geringere Rente werden gemildert, wenn zus&auml;tzlich noch eine Betriebsrente existiert. Aber: Unternehmen legen immer weniger Kapital f&uuml;r Betriebsrenten zur&uuml;ck. Die Chancen auf eine Entlastung im Alter und eine g&uuml;nstige &Uuml;bergangsregelung sind ungleich verteilt. In der Tendenz haben Besch&auml;ftigte in Kleinbetrieben wegen meist fehlender kollektivrechtlicher Vereinbarungen geringere M&ouml;glichkeiten zur Gestaltung des &Uuml;bergangs als Besch&auml;ftigte in Gro&szlig;betrieben. Tarifvertragliche und betriebliche Regelungen sind in den Branchen sehr unterschiedlich verbreitet. F&uuml;r viele Besch&auml;ftigte gibt es weder eine tarifvertragliche noch eine betriebliche Regelung. Im Koalitionsvertrag wurde j&uuml;ngst beschlossen, dass Menschen, die 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, mit dem vollendeten 63. Lebensjahr ohne Abschl&auml;ge in Rente gehen k&ouml;nnen. Das Zugangsalter wird sukzessive auf das 65. Lebensjahr angehoben. Die Anspr&uuml;che von Erwerbsgeminderten sollen verbessert werden. Geringverdiener sollen in ihrer Rente besser gestellt werden durch eine &#039;&#039;solidarische Lebensleistungsrente&#039;&#039;. F&uuml;r den flexiblen &Uuml;bergang in die Rente sind das noch keine L&ouml;sungen</p> <p><a href="https://www.boeckler.de/pdf/mbf_bvd_hg_vorgezog_ruhestand.pdf">Publikation zeigen</a></p>