<h1>Arbeitsaufnahme...Was ist zumutbar?</h1> <h2>Empf&auml;nger von Arbeitslosengeld m&uuml;ssen aktiv bei der Arbeitsaufnahme mitwirken. Was ist dabei zumutbar, um nicht die Anspr&uuml;che auf Unterst&uuml;tzung zu verlieren? Quelle Andreas Pallenberg</h2> <p>Was ist zumutbar? Empf&auml;nger von Arbeitslosengeld m&uuml;ssen aktiv bei der Arbeitsaufnahme mitwirken. Was ist dabei zumutbar, um nicht die Anspr&uuml;che auf Unterst&uuml;tzung &uuml;ber Sperrzeiten zu verlieren? Andreas Pallenberg Wer nach einer T&auml;tigkeit in einer versicherungspflichtigen Besch&auml;ftigung arbeitslos wird, bekommt in der Regel Lohnersatzleistungen, genauer Arbeitslosengeld I von der Agentur f&uuml;r Arbeit. Dies ist eine Versicherungsleistung, auf die man Anspruch hat. Die Zahlung von Arbeitslosengeld I ist dabei (im Gegensatz zum Arbeitslosengeld II) auch v&ouml;llig unabh&auml;ngig von Bed&uuml;rftigkeit, von Verm&ouml;gen oder von vorrangigen Unterhaltsanspr&uuml;chen gegen&uuml;ber Angeh&ouml;rigen. Somit hat auch ein Million&auml;r grunds&auml;tzlich einen rechtlich korrekten Anspruch auf Arbeitslosengeld I, wenn er arbeitslos wird. Dennoch - egal ob Million&auml;r oder mittellos - es m&uuml;ssen bestimmte Voraussetzungen erf&uuml;llt sein. Dazu z&auml;hlt zun&auml;chst die Dauer der bisherigen Besch&auml;ftigung als Anspruchsgrundlage. Jeder, der mindestens zw&ouml;lf Monate gearbeitet hat, hat Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Neben diesen rechnerischen Grundlagen gibt es weitere Voraussetzungen, um in den Genuss dieser Lohnersatzleistung zu gelangen. So muss der Leistungsempf&auml;nger dem Arbeitsmarkt zur Verf&uuml;gung stehen, darf also beispielsweise nicht arbeitsunf&auml;hig sein oder ohne festen Wohnsitz irgendwo unerreichbar f&uuml;r die Arbeitsvermittlung in der Weltgeschichte herumreisen. Der Arbeitslose muss auch immer ein Arbeitsuchender sein und seine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt aktiv und mitwirkend betreiben. Derartige Aktivit&auml;ten muss er z.B. bei regelm&auml;&szlig;ig anberaumten Gespr&auml;chen mit der Arbeitsvermittlung angeben und ggfs. nachweisen k&ouml;nnen. Wenn er dies nicht hinreichend unter Beweis stellt, kann ihm die Unterst&uuml;tzung zumindest zeitweilig gek&uuml;rzt werden. Diese Mitwirkungspflicht geh&ouml;rt zu den vielen Spielregeln beim Bezug von Arbeitslosengeld I, bei denen die Frage der Zumutbarkeit eine gro&szlig;e Rolle spielt. Wer z.B. eine zumutbare Besch&auml;ftigung ohne wichtigen Grund aufgibt, wer eine zumutbare neue Stelle nicht antritt, die Aufnahme einer zumutbaren Arbeit vereitelt, eine zumutbare Trainingsma&szlig;nahme abbricht oder eine zumutbare Tagespendelzeit zu einer neuen Arbeitsstelle ablehnt, hat mit Sanktionen seitens der Arbeitsverwaltung zu rechnen. Und das kann schneller gehen, als man zun&auml;chst glauben m&ouml;chte. Wenn zum Beispiel einem gek&uuml;ndigten Redakteur von der Arbeitsagentur eine Stelle angeboten wird, dann kann das ein gro&szlig;er Segen sein, besonders wenn diese neue Besch&auml;ftigung in wesentlichen Merkmalen wie Umfang, T&auml;tigkeit und dem Gehalt den bisherigen Verh&auml;ltnissen entspricht. Das ist der Idealfall, bei dem alle Beteiligten zufrieden sein d&uuml;rften. Der Arbeitsuchende hat etwas Passendes gefunden, die Arbeitsverwaltung ist stolz auf ihre Vermittlung, und ein Arbeitgeber hat hoffentlich einen guten neuen Mitarbeiter. Die Realit&auml;t sieht aber meistens etwas anders aus: Einen nahtlosen Anschluss mit einem neuen Job gibt es selten, oft gibt es - gerade f&uuml;r freigestellte Journalisten - gar nichts au&szlig;er freie Mitarbeit. Manchmal gibt es zwar eine neue Jobaussicht, aber nur weit weg vom Heimatort. Ebenso kommt es vor, dass der neue Job schlechter bezahlt ist und von minderer Qualit&auml;t, dass es ein Teilzeitjob ist, dass er befristet ist oder. alles zusammen. Und dann lautet die Reaktion durchaus nachvollziehbar: Nein danke! Das ist nicht zumutbar! Sperrzeit als Sanktion Die typische Sanktion der Agentur f&uuml;r Arbeit gegen&uuml;ber Arbeitslosengeld-I-Empf&auml;ngern ist dann die Sperrzeit. Sie wird immer dann verh&auml;ngt, wenn gegen bestimmte Regeln versto&szlig;en wird bzw. wenn zumutbare Aktivit&auml;ten oder Mitwirkungen der Arbeitslosengeldempf&auml;nger unterbleiben. In dieser Sperrzeit wird kein Arbeitslosengeld gezahlt. Zus&auml;tzlich verringert sich der stets zeitlich begrenzte Anspruch auf Arbeitslosengeld mindestens um diese Zeit. Sperrzeiten sind aber keine Strafen im rechtlichen und schon gar nicht im moralischen Sinn, sondern sie geh&ouml;ren quasi zu den Gesch&auml;ftsbedingungen, wenn man Arbeitslosengeld beziehen m&ouml;chte. Wenn man sich auf bestimmte &#039;&#039;Zumutungen&#039;&#039; bei der Arbeitsaufnahme nicht einlassen m&ouml;chte, dann kann man sich eben auch unter Ber&uuml;cksichtigung der Konsequenzen bewusst auf Sperr einfach &#039;&#039;sperren&#039;&#039;, wohl aber empfindlich k&uuml;rzen. Auch die Frage der Zumutbarkeit wird bei diesem Personenkreis z.T. anders bewertet (vgl. Literaturtipps f&uuml;r ALG-II-Bezieher). Hinter der Verh&auml;ngung von Sperrzeiten steckt nicht b&ouml;ser Wille oder Beh&ouml;rdenwillk&uuml;r, sondern - ganz positiv betrachtet - das Primat der Vermittlung in Arbeit. Erst wenn alle zumutbaren M&ouml;glichkeiten der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ausgesch&ouml;pft worden sind, sollen die Unterst&uuml;tzungsleistungen uneingeschr&auml;nkt flie&szlig;en. Wer dabei nicht kon Der Besuch einer Jobmesse ist nicht nur f&uuml;r einen selbst eine wichtige Orientierung, sondern auch eine &#039;&#039;nennenswerte Aktivit&auml;t&#039;&#039; bei der Arbeitssuche. zeiten einlassen. Man ist anschlie&szlig;end kein schlechterer Kunde als vorher, muss aber aufpassen, da bei wiederholten Sperrzeitanl&auml;ssen die Leistung komplett wegfallen kann. F&uuml;r ArbeitslosengeldII-Empf&auml;nger, die hier nicht n&auml;her betrachtet werden, gelten teilweise ganz andere &#039;&#039;Spielregeln&#039;&#039;. Sie erhalten ja keine Versicherungsleistungen, die man mal aussetzen k&ouml;nnte, sondern Hilfe zum Lebensunterhalt. Den kann man nicht so struktiv mitwirkt, muss eben mit entsprechenden Nachteilen rechnen. V&ouml;llig einsichtig ist dies, wenn zum Beispiel jemand seine unbefristete Arbeitsstelle von sich aus ohne wichtigen Grund k&uuml;ndigt und anschlie&szlig;end Arbeitslosengeld beantragt, um vielleicht eine Auszeit zu nehmen. Um solche vielleicht auch leichtfertigen Spontanausstiege aus zumutbarer Arbeit abzubremsen, muss der dann Arbeitslose mit einer Sperrzeit von drei Monaten rechnen, in der er ohne Bez&uuml;ge zurecht kommen muss. Kritisch dagegen ist es, wenn einem Arbeitslosen schon nach wenigen Monaten eine T&auml;tigkeit zugewiesen wird, die deutlich unter seinem Qualifikationsniveau ist, dabei schlechter bezahlt wird und dazu noch weit entfernt liegt von seinem Lebensmittelpunkt. Das alles kann nach den Richtlinien und Bestimmungen der Arbeitsverwaltung zumutbar sein und bei Ablehnung mit Sperrzeiten bestraft werden. Mit der modernen Philosophie eines kundenorientierten Dienstleistungsunternehmens haben solche Verwaltungsakte jedoch nichts zu tun. Sie sind eher Ausdruck einer unflexiblen und repressiven Arbeitsmarktpolitik, die von den meisten Mitarbeitern der Agentur f&uuml;r Arbeit auch nicht praktiziert wird. Im realen Bewilligungsalltag gibt es aber trotzdem immer wieder Auseinandersetzungen &uuml;ber die Rechtm&auml;&szlig;igkeit von Sperrzeitverh&auml;ngungen, und das liegt eindeutig an den unterschiedlichen Positionen der Beteiligten. Ein Arbeitsuchender wird die Frage der Zumutbarkeit tendenziell immer anders beantworten als das vorrangig an Vermittlung interessierte Amt. F&uuml;r die mit Sperrzeiten belegten Betroffenen gibt es in solchen F&auml;llen grunds&auml;tzlich zwei m&ouml;gliche Reaktionen. Man nimmt die Sperrzeit hin und versucht irgendwie &uuml;ber die Runden zu kommen, oder man legt Widerspruch ein und bem&uuml;ht sich die Sperrzeit abzuwenden. Die Zumutbarkeit ist also der Schl&uuml;sselbegriff im Zusammenhang mit Leistungsbezug, Sperrzeiten, Arbeitsaufnahme etc. Gleichzeitig schreit dieser Begriff f&ouml;rmlich nach Pr&auml;zisierung im Einzelfall und besch&auml;ftigt schon deshalb immer wieder Anw&auml;lte und Gerichte. Nicht zumutbar und damit eher eine Zumutung sind alle F&auml;lle von Verst&ouml;&szlig;en gegen geltendes Recht. Eine Arbeit ist immer dann unzumutbar, wenn sie gegen Vorschriften des Arbeitsschutzes, gegen geltendes Tarifrecht verst&ouml;&szlig;t, menschenunw&uuml;rdig oder sittenwidrig ist. Wer solche Jobs nicht annimmt, dem kann keine Sperrzeit aufgebrummt werden. Der Versto&szlig; gegen geltendes Recht muss aber im Bedarfsfall vom Betroffenen selbst bzw. von seinem Rechtsvertreter angezeigt und belegt werden. Schwieriger wird es, wenn es keine eindeutigen Gesetze, Fakten oder Ma&szlig;st&auml;be gibt, nach denen beurteilt werden kann, ob eine Arbeitsaufnahme zumutbar ist. Hinzu kommt der subjektive Faktor. Wer zum Beispiel bisher seinen Arbeitsplatz am Ort, wom&ouml;glich sogar fu&szlig;l&auml;ufig, erreichen konnte, wird eine t&auml;gliche Fahrtzeit von insgesamt 60 Minuten als unzumutbar betrachten. Das sieht die Arbeitsverwaltung aber ganz anders, denn die hat in ihren Durchf&uuml;hrungsbestimmungen deutlich gro&szlig;z&uuml;gigere Ma&szlig;st&auml;be der Zumutbarkeit f&uuml;r die maximale Tagespendelzeit festgelegt. Aber da gibt es wenigstens Richtwerte, an denen man sich abarbeiten kann. fall vielleicht begr&uuml;ndbar, aber keine feste Richtschnur. In der Eingliederungsvereinbarung kann eine solche Zahl festgeschrieben werden. Das liegt im Ermessen des Vermittlers. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist, sollte im Gespr&auml;ch gekl&auml;rt werden. Dabei ist es immer wichtig, das Amt davon zu &uuml;berzeugen, dass man sich aktiv um Arbeit bem&uuml;ht. Das k&ouml;nnen eben auch Anrufe bei m&ouml;glichen Arbeitgebern sein oder andere nicht belegbare Aktivit&auml;ten. werden. Aber solche - oft als Schikane empfundenen - Zielvorgaben f&uuml;hren nicht selten zu Aktionismus und absurdem Rollenspiel. Das wissen erfahrene Arbeitsvermittler ebenso wie die Betroffenen. Deshalb sollte man es erst gar nicht so weit kommen lassen und die Eingliederungsgespr&auml;che nicht grunds&auml;tzlich als l&auml;stige Pflicht und &uuml;berfl&uuml;ssig abtun, sondern erst einmal sehen, was m&ouml;glich ist. Erst wenn jemand nicht den Eindruck Aktivit&auml;t ist gefragt Deutlich komplizierter wird es bei der Bewertung zumutbarer Bewerbungsaktivit&auml;ten. Wer Arbeitslosengeld erhalten will, muss dem Arbeitsmarkt zur Verf&uuml;gung stehen und sich aktiv um neue Arbeit k&uuml;mmern. Aber was ist hinreichend in diesem Zusammenhang. Die Antwort ist ganz klar und gleichzeitig uneindeutig: Es kommt auf den Einzelfall an. Ganz besonders auf die tats&auml;chlichen Chancen auf dem jeweils aktuellen Arbeitsmarkt, auf die pers&ouml;nlichen Voraussetzungen des Suchenden und auf qualifikationsad&auml;quate bzw. branchen&uuml;bliche Suchstrategien. Ein studierter Chemiker muss nicht die schwarzen Bretter in Superm&auml;rkten nach Jobs absuchen, und ein promovierter Politikwissenschaftler muss nicht die Job-Aush&auml;nge an Werkstoren durchforsten. Ebenfalls gibt es keine feste Anzahl von Bewerbungen nachzuweisen. Die Auflage, jeden Monat f&uuml;nf Bewerbungen vorzulegen, ist im Einzel Wird oft als l&auml;stige Pflicht angesehen - das Warten bei der Arbeitsagentur. Wer sich aktiv auf die Gespr&auml;che vorbereitet, kann aber meistens profitieren. Wer sich die M&uuml;he macht, &uuml;ber solche Gespr&auml;che und andere Aktivit&auml;ten bei der Arbeitsplatzsuche kurze schriftliche Vermerke (Datum, Uhrzeit, Gespr&auml;ch mit. wegen. Ergebnis. Verbleib. etc.) anzufertigen, wird auch sein Gegen&uuml;ber beim Amt &uuml;berzeugen. Wer allerdings immer nur &#039;&#039;beabsichtigt&#039;&#039;, solche Aktivit&auml;ten zu entfalten (&#039;&#039;morgen fange ich an!&#039;&#039;), wird vielleicht eine handfeste Anzahl an &#039;&#039;Beweisen&#039;&#039; beibringen m&uuml;ssen. Solche engen Vorgaben, die der &#039;&#039;Kunde&#039;&#039; ja schlie&szlig;lich mit seiner Unterschrift unter den Eingliederungsvertrag akzeptiert, sind sp&auml;ter gegebenenfalls die Grundlage f&uuml;r eine Sanktion bzw. Sperrzeit, wenn n&auml;mlich die geforderten Mitwirkungsbeweise nicht beigebracht vermittelt, hinreichend Eigenaktivit&auml;ten zu entwickeln und diesem Gebot auch nach mehrfachen Aufforderungen nicht nachkommt, kann mit einer Sperrzeit gerechnet werden. Dies ist aber immer ein Verwaltungsakt, der mit einem Bescheid schriftlich zugeht und gegen den man Rechtsmittel, in der Regel Widerspruch einlegen kann. Und diese haben ziemlich h&auml;ufig Aussicht auf Erfolg, besonders dann, wenn man hinreichend Bem&uuml;hungen nachweisen kann. Arbeit unter Niveau Wenn jemand von der Arbeitsagentur schon nach kurzer Arbeitslosigkeit Stellen zugewiesen bekommt, f&uuml;r die er &uuml;ber qualifiziert ist, so ist dies zwar nicht g&auml;ngige Praxis, aber grunds&auml;tzlich m&ouml;glich. Einen Berufsschutz, so wie er vor einigen Jahren bei ALG-I-Beziehern noch galt, gibt es nicht mehr. Es muss grunds&auml;tzlich jede zumutbare Arbeit angenommen werden. Im Gesetz liest sich das so: &#039;&#039;Eine Besch&auml;ftigung ist nicht schon deshalb unzumutbar, weil sie befristet ist, vor&uuml;bergehend eine getrennte Haushaltsf&uuml;hrung erfordert oder nicht zum Kreis der Besch&auml;ftigungen geh&ouml;rt, f&uuml;r die der Arbeitnehmer ausgebildet ist oder die er bisher ausge&uuml;bt hat.&#039;&#039;(&sect; 121 Abs. 5 SGB III) Damit ist eine Herunterqualifizierung der Arbeitsuchenden grunds&auml;tzlich und jederzeit m&ouml;glich. Aber auch in diesem Zusammenhang lohnt sich fast immer das Gespr&auml;ch mit dem pers&ouml;nlichen Ansprechpartner in der Agentur, um ihn davon zu &uuml;berzeugen, dass es f&uuml;r alle Beteiligten sinnvoller ist, zun&auml;chst im angestrebten bzw. erlernten Beruf Stellen zu suchen bzw. zuzuweisen. Auch die Arbeitsagentur ist bei &uuml;bereilten Dequalifizierungen zur&uuml;ckhaltend. Sie will ihre Kunden grunds&auml;tzlich so gut wie m&ouml;glich vermitteln, um nicht Gefahr zu laufen, dass der gestern Vermittelte schon morgen wieder vor der T&uuml;r steht. Wer damit keinen Erfolg hat, sollte sich nicht scheuen, Widerspruch einzulegen und sich z.B. auf die Vermittlungsgrunds&auml;tze nach &sect; 35 Abs. 2 SGB III berufen, nach dem die vorschnelle Herabstufung nur sehr zur&uuml;ckhaltend vorgenommen werden darf. (vgl. hierzu Leitfaden f&uuml;r Arbeitslose von 2010 S. 143 ff.). In den ersten drei Monaten nach Eintritt der Arbeitslosigkeit m&uuml;ssen auch Stellen angetreten werden, bei denen man bis zu 20% weniger verdient. Anschlie&szlig;end geht es dann munter weiter abw&auml;rts. Ab dem vierten Monat sind Abschl&auml;ge von bis zu 30% zu verkraften und ab dem siebten Monat hei&szlig;t die Faustregel: Das Nettoeinkommen muss dem Arbeitslosengeld entsprechen, und schon muss ein Job von der Einkommensseite betrachtet akzeptiert werden. Das m&ouml;gen manche Betroffene als ungerecht oder zumindest als h&ouml;chst unattraktiv betrachten, besonders angesichts der Tatsache, dass sie wom&ouml;glich jahre- oder jahrzehntelang Zwangsbeitr&auml;ge in die Arbeitslosenversicherung gezahlt haben. Wie bei anderen Versicherungsvertr&auml;gen ist man schnell geneigt, auch einmal davon profitieren zu wollen und solche Arbeitsplatzangebote als nicht zumutbar abzulehnen. Solche H&auml;rte ist aber nicht die Regel und kommt wohl eher dann zum Zuge, wenn die Mitwirkungsbem&uuml;hungen generell als unterentwickelt eingesch&auml;tzt werden. Nicht zumutbar sind nach g&auml;ngiger Rechtssprechung &uuml;brigens 400 EuroJobs. Im Gegensatz zu ALG-II-Beziehern, die diese annehmen m&uuml;ssen, bleiben ALG-I-Bezieher von dieser Verpflichtung verschont. Und es lohnt sich, das erzielbare Nettoentgelt einer zuk&uuml;nftigen Arbeitsstelle genau zu berechnen, um die Zumutbarkeit des Stellenantritts bewerten zu k&ouml;nnen. Dabei k&ouml;nnen n&auml;mlich noch Werbungskosten (z.B. Fahrtkosten) vom erzielbaren Nettoeinkommen abgezogen werden, da diese ja bei Arbeitsaufnahme tats&auml;chlich anfallen w&uuml;rden. Vereitlung von Arbeitsaufnahme Es gibt Vorschl&auml;ge zur Arbeitsaufnahme, die die Agentur f&uuml;r Arbeit entsprechend dem Qualifikationsprofil herausfiltert und dem Arbeitsuchenden umgehend anbietet. Eigentlich der Idealfall. Aber die Realit&auml;t sieht manchmal etwas weniger rosig aus. Der angebotene Job ist schlechter bezahlt, weit unter der Qualifikation, weit weg und bei einem Arbeitgeber, mit dem man nicht so gut kann. Angesichts der drohenden Sperrzeiten bei Ablehnung des Jobs, kommen manche auf die Idee, sich im Rahmen des Bewerbungsverfahrens so zu verhalten, dass der Arbeitgeber von sich aus lieber auf die Arbeitsaufnahme verzichtet. Er will eben auch niemanden, der v&ouml;llig uninteressiert ist, der nur kommt, weil er das muss, aber deutlich macht, dass er diesen Job nicht will. Dieses Spiel wird von den Arbeitgebern schnell durchschaut und ggfs. sogar offen - nat&uuml;rlich unter vier Augen - angesprochen. Von solchen F&auml;llen wird gerne berichtet, wahrscheinlich aber &ouml;fter als sie tats&auml;chlich passieren. Die Arbeitsverwaltung wei&szlig; um diese T&uuml;cke und kann ein solches Verhalten, sofern es erkannt wird, auch mit Sperrzeiten wegen &#039;&#039;Vereitlung von Arbeitsaufnahme&#039;&#039; ahnden. Dazu werden nicht selten die Arbeitgeber zum Verhalten der Kandidaten in den Vorstellungsgespr&auml;chen befragt. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollte man zun&auml;chst pr&uuml;fen, ob es nicht ganz akzeptable &#039;&#039;wichtige Gr&uuml;nde&#039;&#039; f&uuml;r die Ablehnung eines unzumutbaren Arbeitsplatzangebotes gibt. Das k&ouml;nnen fr&uuml;here arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen mit dem potenziellen Arbeitgeber sein, vielleicht sogar unzumutbare Arbeitsbedingungen oder auch famili&auml;re Gr&uuml;nde. Solche begr&uuml;ndeten Ablehnungen werden vom Amt selbst bei aller Berechtigung nat&uuml;rlich nicht ohne weiteres akzeptiert, sondern bed&uuml;rfen der ausf&uuml;hrlichen Begr&uuml;ndung und nicht selten des Widerspruchs nach ablehnendem Bescheid. Dann aber sind meistens besser geschulte Sachbearbeiter mit dem Vorgang betraut, die nicht nach Schema entscheiden, sondern mit etwas mehr Hintergrund. Fern der Heimat Wer einen Job zugewiesen bekommt, der deutlich weiter entfernt ist als der bisherige, muss dies unter Umst&auml;nden in Kauf nehmen. Was z&auml;hlt, ist mal wieder die Zumutbarkeit, die in diesem Fall recht eindeutig geregelt ist. Bis zu 2,5 Stunden Tagespendelzeit gelten bei einer Besch&auml;ftigung von mehr als sechs Stunden pro Tag als zumutbar. Unter sechs Stunden sind es immer noch zwei Stunden. Das bedeutet f&uuml;r Teilzeitkr&auml;fte eine zunehmend unannehmbare H&auml;rte. Wer z.B. nur drei Stunden am Tag ausw&auml;rts arbeitet, muss daf&uuml;r max. weitere zwei Stunden An- und Abfahrt auf sich nehmen. Unter bestimmten Voraussetzungen k&ouml;nnen aber zur F&ouml;rderung der Arbeitsaufnahme die Fahrtkosten (max. sechs Monate) durch die Arbeitsagentur &uuml;bernommen werden. Umzug Gibt es im Tagespendelbereich nachweislich keine Jobs, kann ein Umzug grunds&auml;tzlich als zumutbar gelten. Allerdings nicht bei von vornherein befristeten Besch&auml;ftigungen. Die Kosten daf&uuml;r k&ouml;nnen (also kein Anspruch!) im Rahmen der F&ouml;rderung aus dem Vermittlungsbudget erstattet werden (&sect; 121 Abs. 4 SGB III ). Allerdings gibt es bei famili&auml;rer Bindung durchaus &#039;&#039;wichtige Gr&uuml;nde&#039;&#039;, mit denen ein Umzug als unzumutbar abgelehnt und eine Sperrzeit abgewendet werden kann. Der Schutz von Ehe und Familie wird dabei in der Regel als das h&ouml;herwertigere Gut bei der rechtlichen Abw&auml;gung eingesch&auml;tzt. F&ouml;rdern und Fordern Im Rahmen der Vermittlungs- und Beratungsgespr&auml;che, besonders bei l&auml;nger andauernder Arbeitslosigkeit, werden in der Regel Eingliederungsvereinbarungen geschlossen. Diese sind eine Art Vertrag auf Gegenseitigkeit und kein einseitiges Diktat. Wenn dort nur Forderungen an den &#039;&#039;Kunden&#039;&#039; formuliert werden, so sollte man als solcher vor der Unterschrift nachfragen, wie man sich seitens der Agentur die individuelle F&ouml;rderung vorstelle und um entsprechende Vorschl&auml;ge und Eintragungen bitten. Dann wird gerne die Nutzung der gesamten Infrastruktur der Arbeitsverwaltung inklusive der Jobvermittlung angef&uuml;hrt. Da diese aber offensichtlich bisher nicht erfolgreich war - sonst s&auml;&szlig;e man ja nicht mehr zusammen -, sollte man sich damit nicht zufrieden geben. Interessanter w&auml;ren zum Beispiel gemeinsame Aktivit&auml;ten zur Potenzialanalyse und zum Profiling, evtl. mit Hinweisen auf hauseigene Seminare oder externe Fortbildungen. Noch besser kann es laufen, wenn man als Betroffener etwas vorrecherchiert hat und konkrete Vorschl&auml;ge unterbreitet wie z.B. die M&ouml;glichkeiten, einen Bildungsgutschein f&uuml;r einen selbst ausgew&auml;hlten BusinessEnglish-Kurs im Sinne der Qualifizierung zu beantragen. Wer dann einen passenden f&ouml;rderf&auml;higen Fortbildungskurs vorstellen kann, sollte seinen Vermittler davon &uuml;berzeugen. Das kann m&uuml;hsam werden, denn es ist und bleibt Ermessenssache des Vermittlers, ob er sich darauf einl&auml;sst oder nicht. Wenn man dabei trotz guter Argumente gegen Beton redet, sollte man sich die Ablehnung des Bildungsgutscheins schriftlich geben lassen. Dann hat man die M&ouml;glichkeit, dagegen Widerspruch einzulegen und mit ausf&uuml;hrlicher Begr&uuml;ndung evtl. eine neue Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Also kann sich auch hier Hartn&auml;ckigkeit auszahlen. Training ohne Wert Wer sich dagegen wenig k&uuml;mmert um die eigene weitere Qualifizierung, der l&auml;uft Gefahr, in absurden Bewerbungstrainings zusammen mit einem Querschnitt der Gesamtarbeitslosen geparkt zu werden. Nicht, dass man dort nichts lernen k&ouml;nnte, aber die Zusammensetzung solcher Kurse ist teilweise so haarstr&auml;ubend heterogen, dass gemeinsamer Unterricht kaum m&ouml;glich ist. Und das hat System, da solche Kandidaten damit offiziell aus der Statistik sind, und wenn auch nur f&uuml;r ein paar Wochen. Und wer sich weigert an solchen Veranstaltungen teilzunehmen oder diese abbricht, der sp&uuml;rt schnell die Strafe in Form von Sperrzeiten. Die Unzumutbarkeit einer solchen Ma&szlig;nahme nach der Ermessensentscheidung des Arbeitsvermittlers anzumahnen ist meistens nur mit hohem Aufwand m&ouml;glich, aber nicht aussichtslos. Das Hessische Landessozialgericht befand z.B. 2003, dass eine Trai ningsma&szlig;nahme immer dann als nicht zumutbar gelte, wenn mehr als die H&auml;lfte des Unterrichtsinhaltes den Teilnehmenden krass unterfordere. (in info also 2004 S. 160). Besser ist es also, im Vorfeld gemeinsam geeignetere Ma&szlig;nahmen zu finden oder andere Strategien vorzuschlagen. Wer dagegen passiv bleibt, findet sich eher in solchen Ma&szlig;nahmen als jemand, der Pl&auml;ne mitbringt, Ideen hat und aktiv ist</p> <p><a href="https://www.jobadu.de/pdfs/01902.pdf">Publikation zeigen</a></p>