<h1>Betriebsvereinbarungen zur mobilen Arbeit</h1> <h2>Mobile Arbeit zu gestalten, ist ein relativ junges Thema. Gezeigt wird die Bandbreite m&ouml;glicher Regelungen... Quelle Hans-B&ouml;ckler-Stiftung</h2> <p>Mobile Telearbeit. Formen mobiler Arbeit. Vernetzte Projektarbeit und mobile Telearbeit. Arbeit beim Kunden. Regelungsinhalte Telearbeit. Telearbeit und betrieblicher Arbeitsplatz/Desk Sharing. Voraussetzungen der Teilnahme an Telearbeit Begr&uuml;ndung und Beendigung von Telearbeit. Organisation der Telearbeit. Ergonomie und Gesundheitsschutz. Vereinbarungen zum Regelungsbereich Au&szlig;endienst Steuerung des Au&szlig;endiensts. Vereinbarungen zum Regelungsbereich Dienstreisen Sparsamkeit bei Dienstreisen. Reisezeit - Arbeitszeit. Sonderregelungen f&uuml;r h&auml;ufiges Reisen?. Kostenerstattung. Arbeit beim Kunden/Entsendung. Nutzung mobiler Ger&auml;te. Leistungs- und Verhaltenskontrolle. Erreichbarkeit. Datenschutz. Privatnutzung von mobilen Ger&auml;ten. Beim Kunden arbeiten, l&auml;ngere Zeit im Ausland sein, unterwegs im Zug, zu Hause oder auf dem Spielplatz, moderne Endger&auml;te zur Kommunikation machen Datentransfer und globale Kommunikation relativ leicht. Mobile Arbeitseins&auml;tze haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Jederzeit und &uuml;berall arbeiten k&ouml;nnen schafft gro&szlig;e Freir&auml;ume: f&uuml;r Unternehmen, weil Besch&auml;ftigte noch flexibler eingesetzt werden k&ouml;nnen, f&uuml;r Besch&auml;ftigte, wenn sie berufliche Flexibilit&auml;t f&uuml;r das Privatleben brauchen und wollen. Was ist jedoch, wenn diese noch st&auml;rker verschwimmenden Grenzen nicht gew&uuml;nscht sind von Besch&auml;ftigten? Wie kann man dem etwas entgegensetzen? Eine Notbremse: Das Smartphone nach 19 Uhr abschalten. Welche Regelungen sch&uuml;tzen die Besch&auml;ftigten und entsprechen gleichzeitig ihren W&uuml;nschen sowie den W&uuml;nschen ihrer Arbeitgeber nach Flexibilit&auml;t? F&uuml;r die Analyse wurden 96 betriebliche Vereinbarungen der Jahre 1990 bis 2012 ausgewertet, die sich in unterschiedlichen Aspekten von Mobilit&auml;t und Arbeit befassen - Vereinbarungen zur Telearbeit, zu Auslandseins&auml;tzen, Dienstreisen, Arbeit beim Kunden und zur Nutzung mobiler Endger&auml;te. Arbeitsst&auml;ttenverordnung Arbeitszeitgesetz Arbeitssicherheitsgesetz Bildschirmarbeitsverordnung Die Anforderung im Beruf mobil sein zu m&uuml;ssen, wird f&uuml;r immer mehr Besch&auml;ftigte zu einer Selbstverst&auml;ndlichkeit. Heute sind nicht mehr nur Manager und F&uuml;hrungskr&auml;fte im Auftrag von Unternehmen unterwegs. Auch Angestellte in technischen und Verwaltungsberufen, Facharbeiter und Handwerker, die noch vor wenigen Jahren fest an ihrem Dienstort verankert waren, reisen zu Tochtergesellschaften oder direkt zum Kunden (Kesselring/Vogl 2010). Mittlerweile ist jeder f&uuml;nfte Erwerbst&auml;tige in Deutschland aus beruflichen Gr&uuml;nden mobil (Ruppenthal/R&uuml;ger 2011). Weltweit arbeiten laut IDC-Report (2010, S. 1) derzeit bereits knapp 35 Prozent der Besch&auml;ftigten mobil. Arbeit wird durch Globalisierungsprozesse zeitlich, organisatorisch und r&auml;umlich entgrenzt und damit weniger ortsgebunden. Wenn Produkte weltweit produziert, und immer neue M&auml;rkte erschlossen werden, dann f&uuml;hrt dies in der Konsequenz allerdings auch zu mehr Reiset&auml;tigkeit. Denn nicht alles l&auml;sst sich &uuml;ber schnelle Datenleitungen regeln: Tochterunternehmen werden gegr&uuml;ndet und aufgebaut, mit Kooperationspartnern m&uuml;ssen Absprachen getroffen werden, Kunden wollen besucht, Neukunden akquiriert und neue M&auml;rkte sondiert werden. Dies alles f&uuml;hrt zu einem Mehr an Reisen, denn &#039;&#039;der moderne Kapitalismus ist nicht denkbar ohne physische Mobilit&auml;t&#039;&#039; (Sennett 2007, S. 589). Trotz der zunehmenden Bedeutung mobiler Arbeit ist deren Gestaltung bislang kaum ein Thema betrieblicher Akteure, sondern wird in erster Linie den Besch&auml;ftigten selbst auferlegt. Wie sie das zunehmende Unterwegssein mit ihrer Arbeits- und Lebenswelt verbinden, m&uuml;ssen sie in erster Linie selbst regeln. Wenn Mobilit&auml;t allerdings zu einer allgemeinen Anforderung an die Arbeitskraft wird, sollte sie auch Gegenstand betrieblicher Gestaltung sein. Die Bedeutung des Begriffes &#039;&#039;mobile Arbeit&#039;&#039; hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Zun&auml;chst wurde mobile Arbeit mit Tele(heim)arbeit gleichgesetzt. Die Arbeit &#039;&#039;verschwand&#039;&#039; aus den B&uuml;ros und wurde in die heimische Wohnung verlagert. Damit wurden die Arbeitsaufgaben mobil, die Teleheimarbeitskraft zeichnete sich hingegen durch Immobilit&auml;t aus: Die Teleheimarbeit sollte den Weg zur Arbeitsst&auml;tte &uuml;berfl&uuml;ssig machen, der Arbeitsplatz wurde in die Wohnung (zur&uuml;ck) verlegt. Mit der Entwicklung der Netzwerktechnologien und der Entwicklung von mobilen Endger&auml;ten hat sich mobile Arbeit vom konkreten Arbeitsort gel&ouml;st. Gearbeitet wird &uuml;berall dort, wo der Netzzugang gesichert ist: im Betrieb, zu Hause, im Hotel, im Zug, &uuml;berall dort, wo man Zugang zum Netz hat. Damit haben sich die Formen mobiler Arbeit deutlich ausgedehnt. Das Spektrum reicht von der gelegentlichen Arbeit zu Hause, &uuml;ber ein- bis mehrt&auml;gige Gesch&auml;ftsreisen, bis hin zur T&auml;tigkeit direkt beim Kunden, die sich &uuml;ber mehrere Wochen und Monate hinziehen kann. Mobile Arbeit eindeutig zu definieren, ist daher nicht ganz einfach. Nach der ECaTT-Norm (Electronic Commerce and Telework Trends) gilt es als mobile Telearbeit, wenn mindestens 10 Stunden pro Woche an einem anderen Ort als der zentralen Betriebsst&auml;tte oder der Wohnung gearbeitet wird und hierbei online-Daten&uuml;bertragung benutzt wird (vgl. Empirica 2000, S. 10). Nach dieser Definition m&uuml;ssen mobile Arbeitskr&auml;fte zu einem gewissen Umfang r&auml;umlich mobil und dabei virtuell vernetzt sein. Im Folgenden wird mobile Arbeit weiter gefasst: Es werden auch T&auml;tigkeiten bzw. Berufe wie Servicetechniker, Handwerker, oder Vertriebsmitarbeiter einbezogen, die innerhalb einer vernetzten Firma zu Tochterfirmen oder Kunden reisen, ohne dabei st&auml;ndig von unterwegs Daten zu &uuml;bertragen. Auch die alternierende Telearbeit, bei der teilweise von zu Hause aus gearbeitet wird und die nicht unter die Definition der ECaTT-Norm f&auml;llt, wird an dieser Stelle zur mobilen Arbeit gez&auml;hlt. Vor diesem Hintergrund erweisen sich mobile Arbeit und beruflich bedingtes Reisen als fast allgegenw&auml;rtig oder zumindest als weitverbreitet. Mobil gearbeitet wird in fast allen Sektoren und Branchen und zunehmend auch in T&auml;tigkeiten, die urspr&uuml;nglich immobil waren. Kesselring/Vogl (2010) unterscheiden deshalb in ihrer Studie zwischen so genannten Mobilit&auml;t der Arbeitsinhalte Mobilit&auml;t der Besch&auml;ftigten Arbeit zuhause Reine Telearbeit Alternierende Telearbeit Virtuell vernetzte Projektarbeit Arbeit beim Kunden bzw. an Mobile Telearbeit - Arbeiten unterwegs im Hotel, im Zug, in der Lobby etc. auf dem Weg zum Kunden etc. Alt- und Neu-Mobilen: F&uuml;r die Alt-Mobilen, wie z.B. Au&szlig;endienstkr&auml;fte, geh&ouml;rt Mobilit&auml;t zur Arbeitst&auml;tigkeit. Neu-Mobile, z.B. in kaufm&auml;nnischen Berufen, &uuml;ben hingegen T&auml;tigkeiten aus, in denen Mobilit&auml;t eine neue berufliche Anforderung darstellt. Damit liegt der Fokus weniger auf der technologischen Vernetzung als vielmehr darauf, inwieweit r&auml;umliche Mobilit&auml;t eine neue Anforderung wird. Vereinfacht lassen sich Formen mobiler Arbeit danach unterscheiden, was oder wer mobil ist: Sind es die Arbeitsinhalte, die mobil werden? Oder sind es die Besch&auml;ftigten, die zu ihren Kunden und/oder Arbeitsgegenst&auml;nden reisen? Oder handelt es sich um eine Kombination daraus, wenn w&auml;hrend des physischen Unterwegsseins auch mit mobilen Endger&auml;ten gearbeitet wird (vgl. Tabelle 1). Sind die Arbeitsinhalte mobil, gelangen diese via Datenleitung zu den Besch&auml;ftigten. Der Arbeitsort wird dabei unwichtiger, wichtig ist der Zugang zum Netz. Sind die Besch&auml;ftigten mobil, ist zentral, dass sie zu Kunden, Zweigstellen oder Tochtergesellschaften reisen. Beim Arbeiten unterwegs sind sowohl die Arbeitsinhalte als auch die Besch&auml;ftigten mobil: Letztere arbeiten dann z.B. im Zug oder im Hotel. Mobile Arbeitsformen, in denen der Mensch mobil ist und Technik ihn bei seiner Arbeit unterwegs unterst&uuml;tzt, so dass er stets erreichbar ist, beschreibt Schr&ouml;ter (2007, S. 194) als veraltet. Sie w&uuml;rden langfristig durch die E-Mobility abgel&ouml;st: &#039;&#039;Mit dem Begriff E-Mobility wird die Abwicklung von Auftr&auml;gen und Gesch&auml;ftsprozessen &uuml;ber das Internet bezeichnet, bei der vor allem Arbeitsvorg&auml;nge losgel&ouml;st von der Mobilit&auml;t der Person mobil im virtuellen Raum mit Hilfe der Maschine-zu-MaschineKommunikation organisiert werden k&ouml;nnen.&#039;&#039; (ebd.) Bei E-Mobility ist nicht der Mensch, sondern der Arbeitsvorgang mobil. Der Fokus liegt auf technischen Innovationen (z.B. Softwareagenten). E-Mobility meint die Mobilmachung von Arbeitsvorg&auml;ngen, ohne dass der Mensch dabei mobil sein muss. Diesen Wechsel von der personalen Mobilit&auml;t zur E-Mobility beschreibt Schr&ouml;ter als Paradigmenwechsel, da sich der Begriff von Mobilit&auml;t dabei grundlegend ver&auml;ndere: &#039;&#039;War bislang das Verst&auml;ndnis des mobilen Arbeitens vor allem auf die IT-unterst&uuml;tzte Mobilit&auml;t der Person wie etwa bei Au&szlig;endienstmitarbeiter/innen, Vertreter/innen etc. bezogen, so muss zuk&uuml;nftig vermehrt auch von &rsaquo;Electronic Mobility&lsaquo; in dem Sinne gesprochen werden, dass Arbeit losgel&ouml;st von der Person mobil im virtuellen Raum organisierbar wird. Beide Mobilit&auml;tsformen werden getrennt oder ineinander verwoben den beruflichen Alltag ver&auml;ndern.&#039;&#039; (ebd., S. 22) Ohne Zweifel nimmt E-Mobility zu: Man denke nur an virtuelle Projektteams, die standort&uuml;bergreifend gemeinsam Projekte bearbeiten, ohne sich zu treffen. Dennoch l&auml;sst sich feststellen, dass trotz aller &#039;&#039;virtuellen Mobilit&auml;t&#039;&#039; (Urry 2007) heute im gro&szlig;en Stil gereist wird. Die Anzahl der Gesch&auml;ftsreisen in deutschen Unternehmen ist von 2005 bis 2011 von 146 auf knappe 164 Millionen gestiegen. Einen kurzen Einbruch gab es lediglich in den Krisenjahren 2008 und 2009. Im Jahr 2011 wurde bereits wieder das Rekordjahr von 2007 erreicht. Reisen wird offensichtlich auch in Zeiten von Videokonferenzen und virtuellen Meetings nicht obsolet. Im Gegenteil: &#039;&#039;Neun von zehn Unternehmen bef&uuml;rchten Umsatzr&uuml;ckg&auml;nge, sollten Gesch&auml;ftsreisen - etwa vor dem n&auml;chsten Abschwung dem Rotstift zum Opfer fallen&#039;&#039; (VDR 2012, S. 9). Arbeiten jenseits von Zeit und Raum? Mobile Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl der Arbeitsort als auch die Arbeitszeit flexibel sind. Die Arbeit kann von &uuml;berall und jederzeit erledigt werden. Zeit- und raumunabh&auml;ngiges Arbeiten gilt aber nicht f&uuml;r alle Formen und T&auml;tigkeiten mobiler Arbeit. Es existieren vielmehr auch Formen, bei denen die Zeit und der Ort klar fixiert sind. Eine Videokonferenz setzt beispielsweise voraus, dass alle Teilnehmenden zur gleichen Zeit im virtuellen Raum anwesend sind. Wird hingegen direkt beim Kunden gearbeitet, ist meist der Ort vorgegeben</p> <p><a href="https://www.boeckler.de/pdf/mbf_bvd_mobile_arbeit.pdf">Publikation zeigen</a></p>