<h1>Analyse betrieblicher Vereinbarungen zur Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen</h1> <h2>Diese Auswertung von 27 Vereinbarungen zeigt unterschiedliche Methoden und Vorgehensweisen zur Durchf&uuml;hrung einer Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen auf... Quelle Hans-B&ouml;ckler-Stiftung</h2> <p>Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen Quellen der Belastung Erfassung psychischer Belastungen Grobanalyse mit Besch&auml;ftigtenbefragung Wirksamkeitskontrolle Konfliktl&ouml;sungsverfahren Betriebsvereinbarung aus dem Bereich Datenverarbeitung und Softwareentwicklung Betriebsvereinbarung aus dem Bereich Gesundheit und Soziales Seit Ende 2013 ist nach &sect; 5 Arbeitsschutzgesetz explizit die Ber&uuml;cksichtigung psychischer Belastungen in der Gef&auml;hrdungsbeurteilung vorgesehen. Das Vorgehen bei der Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen ist weniger geregelt als bei anderen Gef&auml;hrdungen. Da keine einheitlichen Messger&auml;te existieren, muss jeder Betrieb seinen eigenen Verfahrensweg finden. Der gr&ouml;&szlig;ere Handlungsspielraum f&uuml;hrt zu Unsicherheiten. Entscheidend f&uuml;r den Erfolg ist daher eine sorgf&auml;ltige Planung und Vorbereitung. Die Pflicht zur Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen liegt beim Arbeitgeber. Der Spielraum, den der Gesetzgeber den Arbeitgebern bei der Entwicklung und Umsetzung l&auml;sst, unterliegt allerdings der Mitbestimmung des Betriebsrats. Ziel des Betriebsrats sollte daher sein, die Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen fest in die betrieblichen Abl&auml;ufe zu integrieren. Somit ist es gleichzeitig m&ouml;glich, einen systematischen Prozess der Verbesserung des Arbeitsschutzes sowie der Pr&auml;ventionsarbeit in Dienststelle und Betrieb in Gang zu setzen. Im Arbeitsschutzgesetz ist seit Ende 2013 die Ber&uuml;cksichtigung von psychischen Belastungen in der Gef&auml;hrdungsbeurteilung ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnt. F&uuml;r Interessenvertretungen ist dieses Handlungsfeld im Arbeits- und Gesundheitsschutz von gro&szlig;er Bedeutung. Die aktuelle Betriebsr&auml;tebefragung der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung f&uuml;r das Jahr ergab, dass sich in 82 Prozent der &uuml;ber 2000 befragten Betriebe die Interessenvertreter und -vertreterinnen insbesondere mit Fragen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes befasst haben. Themen wie &Uuml;berstunden, Leistungsdruck oder eine zu geringe Personaldecke dominieren die Betriebsratsarbeit. Genau diese Themen werden als wesentliche Ursache psychischer Arbeitsbelastungen diskutiert und k&ouml;nnen unter anderem &uuml;ber den Arbeitsschutz einged&auml;mmt werden. Ca. 60 Prozent der Betriebsr&auml;te geben an, dass die Arbeit der Besch&auml;ftigten stark gepr&auml;gt ist von Termin- und Zeitdruck sowie hoher Arbeitsintensit&auml;t. Die Mehrheit dieser Betriebsr&auml;te ist aus diesem Grunde in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber, um f&uuml;r weniger belastende Arbeitsbedingungen einzutreten. Trotz der belastenden Arbeitsbedingungen ist der Umsetzungsstand von Ma&szlig;nahmen zum Gesundheitsschutz nach wie vor l&uuml;ckenhaft. 70 Prozent f&uuml;hren Gef&auml;hrdungsbeurteilungen nach dem Arbeitsschutzgesetz durch, davon ber&uuml;cksichtigen allerdings nur 31 Prozent auch psychische Belastungen so wie es das Gesetz eigentlich vorsieht. Bereits seit Jahren steigt in den Unternehmen die Zahl der Arbeitsunf&auml;higkeitstage, die auf psychische Belastungen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind. F&uuml;r die Besch&auml;ftigten k&ouml;nnen die Ursachen hierf&uuml;r sowohl in ihrer Freizeit als auch in ihrer Arbeit begr&uuml;ndet liegen. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) liefert in seinem j&auml;hrlichen Fehlzeitenreport nicht nur anschauliche Statistiken f&uuml;r die Zunahme der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Es macht gleichzeitig deutlich: Psychische Erkrankungen verursachen wesentlich l&auml;ngere Ausfallzeiten als andere Erkrankungen. Seit Ende 2013 fordert das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) in &sect; 5 explizit, psychische Belastungen in der Gef&auml;hrdungsbeurteilung zu ber&uuml;cksichtigen. F&uuml;r Betriebsr&auml;te, Akteure des Arbeitsschutzes und Arbeitgeber bedeutet dies, ihre &#039;&#039;normale&#039;&#039; Gef&auml;hrdungsbeurteilung auf den Pr&uuml;fstand stellen zu m&uuml;ssen. Dennoch ist davon auszugehen, dass bisher noch l&auml;ngst nicht alle Betriebe psychische Belastungen am Arbeitsplatz messen. Woran liegt das? Ein Grund liegt sicherlich darin, dass Stress und psychische Belastungen zwar allseits bekannt und viel diskutiert, die Ursachen hierf&uuml;r aber h&auml;ufig nicht mit betrieblichen Bedingungen in Verbindung gebracht werden. Einige Arbeitgeber sehen die Ausl&ouml;ser eher im privaten Bereich. Alarmzeichen f&uuml;r betrieblich bedingte psychische Belastungen existieren aber mittlerweile in vielfacher Form, beispielsweise nehmen &Uuml;berlastungsanzeigen, Fr&uuml;hverrentungen und lange Ausfallzeiten zu. Des Weiteren verf&uuml;gen nur wenige F&uuml;hrungskr&auml;fte, Akteure f&uuml;r Arbeitssicherheit und Betriebsr&auml;te &uuml;ber das notwendige Wissen, um eine Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen durchzuf&uuml;hren sowie daraus Ma&szlig;nahmen abzuleiten und umzusetzen. Auch die m&ouml;glichen Analyseinstrumente sind entweder nicht bekannt oder gelten aufgrund ihrer Komplexit&auml;t als nicht handhabbar. Eine umfassende Schulung der Akteure ist daher zwingend notwendig, um m&ouml;glichst fr&uuml;hzeitig und effektiv handeln zu k&ouml;nnen. Zudem wurden in den letzten Jahren in zahlreichen Betrieben zeitintensive Umstrukturierungsma&szlig;nahmen durchgef&uuml;hrt. Dies mag ein weiterer Grund daf&uuml;r sein, dass der Zeitrahmen und die Voraussetzungen f&uuml;r eine detaillierte Analyse psychischer Belastungen am Arbeitsplatz fehlten. In einigen Unternehmen fehlt die Basis der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeberseite und Betriebsrat oder ist zerr&uuml;ttet. Nicht selten muss erst die Einigungsstelle angerufen werden, um Verfahren und Umsetzung der Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen abschlie&szlig;end zu vereinbaren und zu regeln (vgl. Kapitel 5.2). In vielen Betrieben scheitert letztlich die Messung psychischer Belastungen an den zu geringen bereitgestellten finanziellen Mitteln. Der &#039;&#039;Sparzwang&#039;&#039; des Arbeitgebers belastet den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Dabei ist diese Vorgehensweise aus betriebswirtschaftlicher Sicht absolut kontraproduktiv. Denn eine Studie aus den Jahren 2010 und 2011 kam zu dem Ergebnis: Jeder Euro, den ein Unternehmen in die betriebliche Pr&auml;ventionsarbeit investiert, zahlt sich in einem &ouml;konomischen Erfolgspotenzial von 2,2 Euro aus (vgl. DGUV Jahrbuch Pr&auml;vention 2012/2013, S. 15). Der Arbeitgeber sollte daher in vielfacher Hinsicht daran interessiert sein, eine Messung psychischer Belastungen in seinem Betrieb durchzuf&uuml;hren. Welche Schritte gilt es f&uuml;r die betrieblichen Akteure bei der Durchf&uuml;hrung einer Gef&auml;hrdungsbeurteilung zu ber&uuml;cksichtigen? Welche Methoden eignen sich am besten f&uuml;r die Gef&auml;hrdungsbeurteilung psychischer Belastungen? Welche m&ouml;glichen Stolpersteine gilt es zu beachten? Welche Faktoren garantieren den Erfolg einer Ma&szlig;nahme? Diese und andere Fragen werden im Folgenden diskutiert</p> <p><a href="https://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_mbf_bvd_337.pdf">Publikation zeigen</a></p>