<h1>Ursachen des Studienabbruchs bei Studierenden mit Migrationshintergrund</h1> <h2>Dieser Bericht verfolgt die Frage, in welchem Ma&szlig;e der Migrationshintergrund eine relevante Rolle bei der Verursachung des Studienabbruchs spielt... Quelle DZHW</h2> <p>Ursachen des Studienabbruchs bei Studierenden mit Migrationshintergrund Eine vergleichende Untersuchung der Ursachen und Motive des Studienabbruchs bei Studierenden mit und ohne Migrationshintergrund auf Basis der Befragung der Exmatrikulierten des Sommersemesters 2014 23 Prozent der Studierenden in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Viele von ihnen kommen aus Familien ohne akademische Tradition, sind also klassische Bildungsaufsteiger. Im sozial immer noch selektiven deutschen Hochschulsystem sehen sie sich oft gro&szlig;en Herausforderungen gegen&uuml;ber. Die aktuellen Berechnungen des Deutschen Zentrums f&uuml;r Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigen, dass von den Bildungsinl&auml;ndern 43 Prozent ihr Studium vorzeitig beenden. Diese einzige statistisch erfassbare Subgruppe macht zwar nur einen Teil der Studierenden mit Zuwanderungsgeschichte aus, dennoch wird ihre hohe Abbruchneigung als Hinweis darauf gesehen, dass die Gesamtheit der Studierenden mit Migrationshintergrund besonders h&auml;ufig von Schwierigkeiten im Studium betroffen ist. Die vorliegende Studie hat nun erstmals Ursachen und Motive des Studienabbruchs von Studierenden mit Zuwanderungsgeschichte umfassend und repr&auml;sentativ untersucht. Wir wissen, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund sich nach dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung &uuml;berdurchschnittlich h&auml;ufig f&uuml;r ein Studium entscheiden, also offensichtlich besonders ambitioniert sind. Doch auf welche Hindernisse und Herausforderungen treffen sie dann zu Beginn ihres Studiums und im Studienverlauf? Welche Rolle spielen dabei das Elternhaus, die Schulbildung, die Studienbedingungen und das Studierverhalten? Und welche Bedeutung kommt tats&auml;chlich dem Migrationshintergrund, welche eher der sozialen Herkunft zu? Die Untersuchung des DZHW zeigt eines ganz deutlich: Die Schule hat bei der Vorbereitung auf ein Hochschulstudium eine Schl&uuml;sselfunktion inne, wird dieser Verantwortung aber je nach Schulform nur in sehr unterschiedlichem Ma&szlig; gerecht. Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte erwerben ihre Hochschulreife deutlich h&auml;ufiger als Deutschst&auml;mmige nicht am Gymnasium, sondern an anderen Schulformen, und brechen ihr Studium sp&auml;ter h&auml;ufig aufgrund von Leistungsproblemen ab. Das deutsche Schulsystem st&ouml;&szlig;t offenbar angesichts einer heterogenen Sch&uuml;lerschaft bei der Studienvorbereitung an seine Grenzen. Zugleich belegt die Studie Problemlagen bei der Bew&auml;ltigung eines Studiums, die mit der speziellen Lebenssituation vieler Menschen mit Migrationshintergrund zusammenh&auml;ngen. Finanzierungsprobleme und famili&auml;re Gr&uuml;nde sind f&uuml;r Abbrecher mit Zuwanderungsgeschichte deutlich h&auml;ufiger mitentscheidend f&uuml;r die vorzeitige Beendigung des Studiums als f&uuml;r Deutschst&auml;mmige. So werden sie von ihren Eltern seltener im Studium finanziell unterst&uuml;tzt und berichten h&auml;ufig von einer ungesicherten Studienfinanzierung. Bei der Entscheidung f&uuml;r einen Studienabbruch hatten die Eltern einen relativ gro&szlig;en Einfluss. Obwohl viele H&uuml;rden und Hindernisse die Mehrheit der Studierende mit Migrationshintergrund betreffen, machen die Ergebnisse jedoch auch deutlich, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund keine homogene Gruppe bilden. Die spezifischen Problemlagen sind je nach Herkunftsregion, Generationenstatus und Bildungsherkunft sehr unterschiedlich ausgepr&auml;gt. Der Abbau von Bildungsungleichheiten zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund - bezogen auf Schul- und Hochschulbildung - ist ein strategisches Ziel der Stiftung Mercator. Die Stiftung f&ouml;rdert zu diesem Themenfeld wissenschaftliche Studien sowie Praxisprojek te, um den politischen Diskurs anzuregen, gute Praxis zu erproben und andere Akteure ebenfalls zu einem Engagement zu ermutigen. Die vorliegende Publikation enth&auml;lt neben der Analyse der Studienabbruchmotive auch Handlungsempfehlungen f&uuml;r Ma&szlig;nahmen, die den Studienerfolg von Studierenden mit und ohne Migrationshintergrund unterst&uuml;tzen k&ouml;nnen. Ein zentraler Ansatzpunkt ist dabei die kritische Reflektion schulischer Studienvorbereitung sowie die bessere Abstimmung schulischer Lerninhalte und fachlicher Studienanforderungen. Wir w&uuml;rden uns freuen, wenn die Studie von einem breiten Publikum als gewinnbringende Lekt&uuml;re und als Anregung f&uuml;r neue Ideen gesehen wird. Charakteristik der Exmatrikulierten mit Migrationshintergrund. Einflussfaktoren der Studienvorphase. Multivariate Analyse der Einflussfaktoren der Studienvorphase. Einflussfaktoren w&auml;hrend der aktuellen Studiensituation. Studienverhalten. Studienleistungen und Studienanforderungen. Studienmotivation. Studienabbruchentscheidung. Motive des Studienabbruchs. Zeitpunkt des Studienabbruchs. T&auml;tigkeit nach Studienabbruch. T&auml;tigkeit ein halbes Jahr nach dem Studienabbruch. Exkurs: Studienabbruch bei Bildungsinl&auml;ndern. Handlungsfelder f&uuml;r M&ouml;glichkeiten der Pr&auml;vention von Studienabbruch bei Studierenden mit Migrationshintergrund. Der vorliegende Bericht, der im Auftrag der Stiftung Mercator verfasst wurde, stellt sich das Ziel, die Ursachen des Studienabbruchs und den beruflichen Verbleib von Studienabbrechern mit Migrationshintergrund zu analysieren. Er verfolgt dabei die Frage, in welchem Ma&szlig;e der Mi grationshintergrund eine relevante Rolle bei der Verursachung des Studienabbruchs spielt. Die empirische Basis f&uuml;r diese Studie stellt eine bundesweit repr&auml;sentative Befragung von Exmatrikulierten des Sommersemesters 2014 zu den Ursachen und Motiven des Studienabbruchs dar. An der Untersuchung beteiligten sich 6.029 Exmatrikulierte von 32 Universit&auml;ten und 28 Fachhochschulen. Von den &uuml;ber 6.000 Befragungsteilnehmern weisen 1.113 einen Migrationshintergrund auf. Zum Umfang des Studienabbruchs bei Studierenden mit Migrationshintergrund liegt bisher nur der deskriptive Befund einer &uuml;berdurchschnittlich hohen Studienabbruchquote im Bachelorstudium f&uuml;r Bildungsinl&auml;nder als eine Teilgruppe der Studierenden mit Migrationshintergrund im Vergleich zu deutschen Studierenden vor (43% vs. 29%, Heublein et al., 2016). Dieser Befund stellt ein Indiz daf&uuml;r dar, dass die Gruppe der Studierenden aus Zuwandererfamilien gegenw&auml;rtig noch einen &uuml;berdurchschnittlichen Studienabbruch verzeichnet und sich auf dem Weg zum Studium sowie an den Hochschulen selbst mit besonderen Problemlagen auseinandersetzen muss. Dies best&auml;tigt sich durch die Ergebnisse des vorliegenden Berichts. So zeigen multivariate Analysen f&uuml;r die Gesamtgruppe der Exmatrikulierten mit Migrationshintergrund, dass bestimmte Defizite und Studienschwierigkeiten h&auml;ufiger als bei anderen Studierenden den Studienerfolg gef&auml;hrden. Ausgehend von diesen Ergebnissen untersucht der vorliegende Bericht bestehende Unterschiede zwischen Exmatrikulierten mit und ohne Migrationshintergrund im Hinblick auf die verschiedenen Einflussfaktoren des Studienerfolgs. Der Analyse der Ursachen des Studienabbruchs liegen dabei bestimmte Annahmen zum Prozess des Studienabbruchs zugrunde. So wird der Studienabbruch als ein komplexes und multikausales Ph&auml;nomen betrachtet. Die Entscheidung, das Studium abzubrechen oder auch das Studienfach bzw. die Hochschule zu wechseln, wird in der Regel durch das Zusammenspiel einer Vielzahl innerer und &auml;u&szlig;erer Faktoren verursacht. Selten f&uuml;hrt nur ein einziger Grund zu einem solchen Schritt, sondern es kommt im Studienverlauf zu einer Kumulation abbruchf&ouml;rdernder Faktoren, die sich gegenseitig bedingen und verst&auml;rken. Zu unterscheiden sind dabei &auml;u&szlig;ere (z.B. Lebensbedingungen) und innere (z.B. Leistungsverm&ouml;gen) Merkmale der Studien- und Lebenssituation der Studierenden, die in ihrer jeweiligen Konstellation das Risiko eines Studienabbruchs erh&ouml;hen oder verringern. Einflussfaktoren auf den Studienabbruch aus der Studienvorphase und der Studiensituation Auf Basis der Ergebnisse dieser Exmatrikuliertenbefragung lassen sich in der Studienvorphase und der aktuellen Studiensituation verschiedene Bedingungen identifizieren, die je nach Auspr&auml;gung mehr oder minder stark einen vorzeitigen Abbruch des Studiums bef&ouml;rdern. F&uuml;r den Studienerfolg sind bereits die Studienvorphase und insbesondere die schulischen Voraussetzungen von zentraler Bedeutung. In h&ouml;herem Ma&szlig;e vom Risiko, das Studium vorzeitig abzubrechen, betroffen, sind dabei im Allgemeinen Exmatrikulierte, f&uuml;r die folgende vorhochschulische Merkmale kennzeichnend sind: nicht-akademische Bildungsherkunft, keine allgemeine Hochschulreife, schlechtere Schulabschlussnote und eine vor Studienbeginn abgeschlossene Berufsausbildung. Die schulischen Leistungen spielen dabei die gr&ouml;&szlig;te Rolle. In der Studiensituation lassen sich ebenfalls verschiedene Bedingungen und Merkmale identifizieren, von denen eine abbruchf&ouml;rdende Wirkung ausgeht. Dies trifft auf folgende Aspekte zu: geringes Ma&szlig; an Eigenaktivit&auml;t im Studienverhalten, ungen&uuml;gende soziale und akademische Integration an der Hochschule, schlechtere Studienleistungen, stark durch extrinsische Motive und den Rat anderer gepr&auml;gte Studienfachwahl, Studienfach, das nicht dem Wunschfach entspricht, sowie ungesicherte Studienfinanzierung und zu wenig finanzielle Mittel. Von bestimmten Risikofaktoren eines Studienabbruchs sind Exmatrikulierte aus Zuwanderer familien st&auml;rker betroffen. So zeigt sich in den Auswertungen, dass Migranten ihr Studium mit h&ouml;herer Wahrscheinlichkeit abbrechen, weil folgende vorhochschulische Merkmale f&uuml;r sie in &uuml;berdurchschnittlichem Ma&szlig;e bezeichnend sind: nicht-akademische Bildungsherkunft, keine allgemeine Hochschulreife und schlechtere Schulabschlussnote. Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Merkmale der Studienvorphase, d.h. bei gleicher Herkunft und schulischer Vorbereitung, kann in der multivariaten Analyse die Differenz in der Studienerfolgswahrscheinlichkeit zwischen Exmatrikulierten mit und ohne Migrationshintergrund deutlich reduziert werden. Wenn weiterhin die Merkmale der Studiensituation ber&uuml;cksichtigt werden, l&auml;sst sich der verbleibende migrationsspezifische Unterschied darauf zur&uuml;ckf&uuml;hren, dass Migranten von folgenden Risikofaktoren f&uuml;r den vorzeitigen Abbruch des Studiums in st&auml;rkerem Ma&szlig;e betroffen sind: schlechtere Studienleistungen, stark durch extrinsische Motive und den Rat anderer gepr&auml;gte Studienfachwahl, Studienfach, das nicht dem Wunschfach entspricht, sowie ungesicherte Studienfinanzierung und zu wenig finanzielle Mittel. Hinsichtlich des Studienverhaltens, der weiteren Studienwahlmotive und der Erwerbst&auml;tigkeit in der Vorlesungszeit bestehen kaum Differenzen zwischen Exmatrikulierten mit und ohne Migrationshintergrund. Diese Aspekte sind somit f&uuml;r die Erkl&auml;rung der migrationsspezifischen Differenzen in der Studiener folgswahrscheinlichkeit in geringerem Ma&szlig;e von Bedeutung. Insgesamt kann festgehalten werden, dass Exmatrikulierte aus Zuwandererfamilien kein h&ouml;heres Abbruchrisiko mehr aufweisen als ihre deutschst&auml;mmigen Kommilitonen, wenn sie die gleiche Herkunft aufweisen, das Studium mit einer &auml;hnlichen schulischen Vorbereitung beginnen und sich in den Motiven der Studienfachwahl, den Bedingungen der Studienfinanzierung sowie der Bew&auml;ltigung der fachlichen Anforderungen nicht voneinander unterscheiden. Motive des Studienabbruchs Die wichtigsten ausschlaggebenden Studienabbruchmotive bei Migranten sind: Leistungsprobleme, mangelnde Studienmotivation, pers&ouml;nliche Gr&uuml;nde und finanzielle Probleme. Das gilt weitestgehend auch f&uuml;r Studienabbrecher ohne Migrationshintergrund. F&uuml;r den Studienabbruch an deutschen Hochschulen sind dabei unabh&auml;ngig vom Migrationshintergrund vor allem Leistungsprobleme der mit Abstand am h&auml;ufigsten genannte ausschlaggebende Grund. Allerdings spielt dieser Aspekt bei den Migranten eine etwas gr&ouml;&szlig;ere Rolle als bei anderen Studienabbrechern. Dar&uuml;ber hinaus zeigen sich haupts&auml;chlich bei zwei ausschlaggebenden Abbruchgr&uuml;nden Unterschiede in Abh&auml;ngigkeit vom Migrationshintergrund. F&uuml;r den Studienabbruch von Migranten sind h&auml;ufiger famili&auml;re Problemlagen und deutlich seltener das Streben nach einer in st&auml;rkerem Ma&szlig;e praktisch ausgerichteten T&auml;tigkeit der entscheidende Ausl&ouml;ser. Es ist dabei angesichts der Befunde zu vermuten, dass sich famili&auml;re Probleme als Abbruchgrund bei Migranten zu einem gro&szlig;en Teil auf spezifische famili&auml;re Aspekte, die nicht mit Kindern und Partnerschaft, sondern eher mit der Herkunftsfamilie zusammenh&auml;ngen, beziehen. Unterschiede bestehen jedoch nicht nur bei den letztlich entscheidenden Gr&uuml;nden, sondern auch bei der Rolle, die die einzelnen Motive f&uuml;r Abbruchentscheidung gespielt haben. Migranten verweisen bei der Begr&uuml;ndung des Studienabbruchs nicht nur h&auml;ufiger auf problematische Aspekte der famili&auml;ren Situation. Zu ihrem Studienabbruch haben auch &uuml;berdurchschnittlich h&auml;ufig finanzielle Sorgen einen Beitrag geleistet. Zudem zeigt sich ebenfalls, dass die Umorientierung auf eine praktische T&auml;tigkeit eine geringere Rolle spielt als bei Studienabbrechern ohne Migrationshintergrund. W&auml;hrend Leistungsprobleme insgesamt f&uuml;r die Abbruchentscheidung von Migranten nur etwas h&auml;ufiger von Bedeutung sind, fallen die Unterschiede bei den zu dieser Motivgruppe geh&ouml;renden Einzelmotiven zum Teil deutlich aus. Sowohl endg&uuml;ltiges Pr&uuml;fungsversagen als auch Probleme bei der Bew&auml;ltigung des Studieneinstiegs und beim Ausgleich fehlender Vorkenntnisse spielen bei Migranten eine &uuml;berdurchschnittliche Rolle. T&auml;tigkeit nach dem Studienabbruch Exmatrikulierte mit Migrationshintergrund sind nicht nur von bestimmten Risikofaktoren f&uuml;r den vorzeitigen Abbruch des Studiums h&auml;ufiger betroffen, die Befunde zur T&auml;tigkeit ein halbes Jahr nach dem Studienabbruch liefern auch Indizien daf&uuml;r, dass sich der &Uuml;bergang in eine neue T&auml;tigkeit bei Studienabbrechern aus Zuwandererfamilien problematischer gestaltet als bei Studienabbrechern ohne Migrationshintergrund: Migranten sind ein halbes Jahr nach der Exmatrikulation etwas h&auml;ufiger arbeitslos und auch h&auml;ufiger nur befristet angestellt. Sie entscheiden sich in dem ersten halben Jahr nach Exmatrikulation seltener daf&uuml;r, eine Berufsausbildung aufzunehmen. Ihre Zufriedenheit mit ihrer neuen Lebenssituation f&auml;llt alles in allem geringer aus. Auch mit wesentlichen Teilaspekten der von ihnen ausge&uuml;bten Berufst&auml;tigkeit sind sie in geringerem Ma&szlig;e zufrieden. Ein hohes Ma&szlig; an Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der beruflichen T&auml;tigkeit &auml;u&szlig;ern insbesondere Studienabbrecher, die eine Berufsausbildung aufgenommen haben. Gerade dieser Weg wird jedoch von Migranten in dem ersten halben Jahr nach dem Studienabbruch deutlich seltener eingeschlagen</p> <p><a href="https://www.dzhw.eu/pdf/21/bericht_mercator.pdf">Publikation zeigen</a></p>