Bildungsentscheidungen von Studienberechtigten

In dieser Studie wurden Schüler/innen ein erstes Mal ein halbes Jahr vor dem Erwerb

der Hochschulreife über ihre Ausbildungs- und Studienabsichten befragt.

Ein halbes Jahr nach Schulabschluss wurde ein zweites Mal

gebeten, zur Ausbildungs- und Studienentscheidung Auskunft zu geben...

Quelle: DZHW

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Bildungsentscheidungen von Studienberechtigten. Bedeutung der Hochschulreife. Übergang in Studium, Ausbildung und Beruf. Tätigkeiten ein halbes Jahr nach Schulabschluss. Gründe für den verzögerten Übergang in die nachschulische Qualifizierung. Studium. Studienentscheidung. Die Wahl des Studienfaches. Die Wahl der Hochschule. Wege in den Beruf. Bildungswege und Entscheidungsmöglichkeiten. Der vorliegende Bericht beschäftigt sich mit dem Entscheidungsprozess über den nächsten nachschulischen Qualifizierungsschritt der Studienberechtigten von 2012. Die Ergebnisse dieses Berichtes basieren auf zwei vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (ehemals HIS-Institut für Hochschulforschung) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführten standardisierten Befragungen der Studienberechtigten des Schulabschlussjahrganges 2012. Die Schüler(innen) wurden ein erstes Mal ein halbes Jahr vor dem Erwerb der Hochschulreife über ihre Ausbildungs- und Studienabsichten befragt. Ein halbes Jahr nach Schulabschluss wurden die Studienberechtigten im Dezember 2012 ein zweites Mal gebeten zu ihren Ausbildungs- und Studienentscheidungen Auskunft zu geben. Für den vorliegenden Bericht wurde eine auf Bundes- und Landesebene1, sowie nach Geschlecht, Schulart und Art der Hochschulreife repräsentative Stichprobe von Personen befragt, die im Schuljahr 2011/12 zum ersten Befragungszeitpunkt an allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schulen die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife, die Fachhochschulreife, die fach- oder landesgebundene Fachhochschulreife angestrebt haben. Erwerb der Hochschulreife um sich möglichst viele Wege offen zu halten Am häufigsten wird die Hochschulreife von den Schüler(inne)n erworben, weil es ein Schulabschluss ist, der ihnen alle Möglichkeiten offen lässt. 90 Prozent der angehenden Studienberechtigten stimmen dieser Aussage ein halbes Jahr vor Erwerb der Hochschulreife zu (Kap. 2). Diese Aussage spiegelt einerseits die Orientierungsphase wider, in der sich viele Schüler(innen) ein halbes Jahr vor ihrem Schulabschluss befinden: Zwölf Prozent der Befragten sind zu diesem Zeitpunkt noch unentschlossen, welchen Weg sie einschlagen möchten. Andererseits ermöglicht die Hochschulreife den Schulabsolvent(inn)en die freie Wahl zwischen verschiedenen Bildungswegen. Die konkreten Optionen werden von den Befragten direkt benannt: Für 81 Prozent der Schüler(innen) stellt die Hochschulreife die Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums dar, 77 Prozent der Befragten erhoffen sich durch den Abschluss verbesserte Chancen für die Ausbildungsplatzsuche und 62 Prozent der Studienberechtigten sind der Meinung, dass die Hochschulreife heute für jede Art von anspruchsvoller Berufsausbildung die übliche Voraussetzung ist. Die Hochschulreife wird von den Studienberechtigten nicht nur mit dem Ziel erworben, ein Hochschulstudium damit aufzunehmen. Schüler(innen) beginnen frühzeitiger mit Informationssuche und schätzen Informationsstand häufiger umfassend ein 96 Prozent der Studienberechtigten haben spätestens zu Beginn des letzten Schuljahres mit der aktiven Informationsbeschaffung über die nachschulischen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten begonnen (Kap. 3). Bei den Studienberechtigten des Jahres 2012 setzt sich der 2008 begonnene Trend hin zu einem früheren Informationsbeginn weiter fort. Zwei Fünftel der Studienberechtigten von 2012 stufen ihren Informationsstand ein halbes Jahr vor Schulabschluss als (sehr) umfassend ein. Der Informationsstand wird von den Studienberechtigten umso höher eingeschätzt, je früher sie mit der aktiven Informationsbeschaffung begonnen haben. Von den Studienberechtigten, die bereits vor Eintritt in die gymnasiale Oberstufe/berufsbildende Schule mit der Informationsbeschaffung begonnen haben, schätzt fast jede(r) zweite Studienberechtigte den eigenen Informationsstand zu Studien- und Ausbildungsalternativen als umfassend ein (49%). Im Vergleich dazu trifft das nur auf etwa ein Drittel der Studienberechtigten zu, die erst im letzten Schuljahr begonnen haben, sich über die nachschulischen Bildungswege zu informieren (32%). Seit 2006 ist im Zeitverlauf hier eine positive Entwicklung zu sehen. 2010 betrug der Anteil der Schüler(innen), die sich zu diesem Zeitpunkt (eher) umfassend informiert fühlten 33 Prozent, 2006 traf das in etwa nur auf jeden vierten angehenden Studienberechtigten zu (27%). Schwierigkeiten bereitete den (angehenden) Studienberechtigten von 2012 wie bereits den Studienberechtigten von 2010 die schwer überschaubare Zahl der Möglichkeiten (43%). Von 42 Prozent der Befragten und damit deutlich häufiger als in vorangegangenen Befragungen wird als Schwierigkeit bei der Wahl des nachschulischen Werdeganges Zugangsbeschränkungen im angestrebten Studienfach thematisiert. Anhand weiterer häufig angegebener Schwierigkeiten wird deutlich, dass die Wahl des nachschulischen Werdeganges sich nicht nur an eigenen Interessen und Fähigkeiten, sondern auch an Beschäftigungsmöglichkeiten orientiert. Studienaufnahme von Männern erfolgt nach Aussetzung der Wehrpflicht deutlich häufiger bereits im Jahr des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung Ein halbes Jahr nach Schulabschluss haben 51 Prozent der Studienberechtigten des Jahres 2012 ein Studium und 19 Prozent eine Berufsausbildung aufgenommen (Kap. 4). Damit haben sieben von zehn Studienberechtigten im Jahr des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung eine weiterführende (berufliche) Qualifizierung aufgenommen. Der andere Teil der Studienberechtigten nutzt die Zeit nach der Schule, um erst einmal eine Übergangstätigkeit (z.B. ein freiwilliges (soziales oder ökologisches) Jahr, Jobben, Auslandsaufenthalte, Bundesfreiwilligendienste, Praktikum) aufzunehmen (21%). Darüber hinaus gibt es auch eine Gruppe von Studienberechtigten, die zwar bereits klare Vorstellungen haben, aber das geplante Studium bzw. die gewünschte Ausbildung bislang aus verschiedenen Gründen noch nicht aufnehmen konnten. Jede(r) fünfte Studienberechtigte, der/die noch keine weiterführende (berufliche) Qualifizierung aufgenommen hat, gibt an, dass die Zulassungsbeschränkungen im gewünschten Fach eine Verzögerung erfordern. Ähnlich viele Befragte wollen vor ihrem nächsten beruflichen Schritt zunächst Geld verdienen (19%). 18 Prozent der Befragten begründen ihre verzögerte Aufnahme damit, erst noch bestimmte Leistungen erbringen zu müssen. Jeweils elf Prozent geben an, ihr Studium bzw. ihre Ausbildung erst zu einem bestimmten Zeitpunkt beginnen zu können bzw. sich erfolglos um eine Ausbildungsstelle/einen Arbeitsplatz beworben zu haben. Im Vergleich zu vorherigen Studienberechtigtenjahrgängen zeigt die aktuelle Kohorte ein verändertes Übergangsverhalten: Der Rückgang der Wehrdienstleistenden seit der Studienberechtigtenbefragung 2002 geht mit einem deutlichen Anstieg der Universitätsstudierenden einher. Gleichzeitig verzögern die Befragten etwas häufiger als noch vor zwei Jahren ihre Ausbildungsoder Studienaufnahme, um eine sonstige Tätigkeit aufzunehmen ( und 3 Prozentpunkte). Durch das Aussetzen der Wehrpflicht hat sich vor allem das geschlechtsspezifische Übergangsverhalten verändert, was vorrangig darauf zurückzuführen ist, dass Männer des Studienberechtigtenjahrgangs 2012 deutlich häufiger nach Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung direkt in ein Studium übergehen. Brutto-Studierquote konsolidiert sich weiter auf vergleichsweise hohem Niveau Der Anteil der Studienberechtigten des Abschlussjahrgangs 2012, die ein halbes Jahr nach Schulabschluss ein Studium aufgenommen oder als ersten nachschulischen Qualifizierungsschritt fest einplanen, liegt bei 73 Prozent (Minimalquote, Kap. 5.1) und steigt unter Berücksichtigung der Studienberechtigten mit ''unsicheren'' Studienabsichten auf 80 Prozent (Maximalquote). Die Studienberechtigten des Jahres 2012 nehmen deutlich häufiger als noch vor zwei bzw. zehn Jahren direkt nach der Schule ein Studium auf (52 vs. 43% in 2010 und 35% in 2002). Ein Fünftel der Studienberechtigten des Jahres 2012 schließt diesen akademischen Bildungsweg hingegen für sich erst einmal aus (20%, Kap. 5.1). Verglichen mit den Studienberechtigtenkohorten seit 2008 liegt die Brutto-Studierquote 2012 mit 73 Prozent annähernd auf dem gleichen Niveau (2008 und 2010: jeweils 72%). Auch die maximale Quote entspricht mit 80 Prozent in etwa den Ergebnissen der Vorerhebungen (2008 und 2010: jeweils 78%). Die Entscheidung ein Studium aufzunehmen, ist wie in den Befragungskohorten zuvor auch weiterhin sehr stark vom Geschlecht und von der sozialen Herkunft der Studienberechtigten abhängig. Studienberechtigte aus einem akademischen Elternhaus erwerben nicht nur häufiger eine Hochschulzugangsberechtigung, sondern nehmen auch deutlich häufiger als Studienberechtigte aus nicht-akademischen Elternhäusern ein Studium auf (80 vs. 66%). Auch Frauen neigen deutlich seltener als Männer zu einer Studienaufnahme (69 vs. 78%). Deutliche Veränderungen gab es jedoch bei den Männern hinsichtlich des Zeitpunktes der Studienaufnahme: Während im Jahr 2010 (vor Aussetzung der Wehrpflicht) lediglich 41 Prozent der Männer ein Studium ein halbes Jahr nach Erwerb der Hochschulreife bereits aufgenommen haben, steigt dieser Anteil im Jahr 2012 um 18 Prozentpunkte auf 59 Prozent an. Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Lehramtsstudiengänge gehören auch weiterhin zu den beliebtesten Studiengängen Die beliebtesten Studienrichtungen der Studienberechtigten des Jahres 2012 sind Wirtschaftswissenschaften (14% aller Studienberechtigten, Kap. 5.2), Maschinenbau (9%) und Lehramtsstudiengänge (8%). An der Rangfolge der Studienfachwahl hat sich in den letzten zehn Jahren kaum etwas verändert. Es kann ein leicht zunehmendes Interesse an Wirtschaftswissenschaften festgestellt werden. Während Frauen häufiger Lehramtsstudiengänge (10 vs. 5%), etwas häufiger Medizin (7 vs. 3%) oder Kultur- und Sprachwissenschaften (6 vs. 3%) studieren, entscheiden sich Männer deutlich häufiger für technische oder naturwissenschaftliche Studiengänge: Maschinenbau (16 vs. 3%), Mathematik/Informatik (9 vs. 3%) und Elektrotechnik (5 vs. 0%). Auch Wirtschaftswissenschaften werden von den Männern etwas häufiger angestrebt als von Frauen (16 vs. 12%). 46 Prozent der Bachelorstudierenden planen Masterstudium für sich fest ein 56 Prozent der Studienberechtigten des Jahres 2012 streben, nachdem die Umstellung von den traditionellen Studienabschlüssen (Diplom, Magister) auf die neue gestufte Studienstruktur mit den Abschlüssen Bachelor und Master inzwischen weitgehend abgeschlossen ist, einen Bachelorabschluss (29% an einer Universität und 27% an einer Fachhochschule) an (Kap. 5.3). Der Anteil der Studienberechtigten, die das Studium mit einem Staatsexamen (6%) oder im Rahmen eines Lehramtsstudienganges (8%) abschließen möchten, ist in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. 35 Prozent der Studienberechtigten des Jahres 2012, die ein halbes Jahr nach Schulabschluss ein Bachelorstudium aufgenommen bzw. fest eingeplant haben, wissen bereits zu diesem Zeitpunkt, dass sie direkt nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium anschließen möchten. Weitere elf Prozent wollen nach dem Bachelorabschluss und vor Beginn des Masterstudiums erst einmal eine Phase außerhalb der Hochschule verbringen. Ebenfalls elf Prozent schließen für sich ein Masterstudium aus und 43 Prozent sind noch unentschlossen. Ähnlich wie schon in vorangegangenen Befragungskohorten streben 43 Prozent der Studienberechtigten des Jahres 2012 einen Universitätsabschluss an (2006, 2008 und 2010: jeweils 44%), weitere 20 Prozent einen Fachhochschulabschluss (2010: 21%, 2006 und 2008: jeweils 20%). Berufsausbildung ist für 24 Prozent der Studienberechtigten eine attraktive Alternative zum Hochschulstudium Von den Studienberechtigten des Jahres 2012 haben ein halbes Jahr nach Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung 19 Prozent eine Berufsausbildung aufgenommen, weitere fünf Prozent planen die Aufnahme einer Ausbildung sicher für ihre Zukunft (Kap. 6). Die Brutto-Berufsausbildungsquote fällt mit 24 Prozent ähnlich hoch aus wie bei den zuletzt befragten Kohorten (2010: 23%, 2008: 25%). Bei Betrachtung der verschiedenen Arten der Berufsausbildung, entfällt der größte Anteil dabei auf die betriebliche Ausbildung im Dualen System (15%). Am beliebtesten sind innerhalb dieser Ausbildungsform die Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufe (5%). Eine schulische Ausbildung haben sechs Prozent der Befragten aufgenommen oder planen dies sicher für ihre Zukunft. Zwei Prozent der Befragten wählen eine Beamtenausbildung, ein Prozent entscheidet sich für eine Ausbildung an einer Berufsakademie. Insbesondere Studienberechtigte, die in der Schule durchschnittlich schlechtere Schulleistungen erbracht haben und die sich u. a. von einer Berufsausbildung häufiger eine finanzielle Unabhängigkeit noch während der Ausbildungsphase und einen frühen Einstieg ins Erwerbsleben versprechen, nehmen häufiger eine Berufsausbildung auf. Außerdem erwarten diese Studienberechtigten durch eine Berufsausbildung geringere Leistungsanforderungen im Vergleich zu einem Studium (9 vs. 61%). Zudem trauen sich einige Befragte, insbesondere Frauen, seltener das erfolgreiche Absolvieren eines Studiums zu (68% der Frauen vs. 75% der Männer). Außerdem verbinden sie mit einem Studienabschluss geringere Ertragserwartungen als Männer. Da Männer im Vergleich zur Befragung im Jahr 2010 etwas häufiger eine Berufsausbildung aufnehmen, verringern sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Brutto-Berufsausbildungsquote von elf Prozentpunkten Differenz auf sieben Prozentpunkte. Frauen entscheiden sich aber weiterhin deutlich häufiger für eine Berufsausbildung als Männer (27 vs. 20%). Auch Studienberechtigte aus nicht-akademischen Elternhäusern nehmen deutlich häufiger als Studienberechtigte aus akademischen Elternhäusern eine Berufsausbildung auf (29 vs. 18%). Studium als direkter Weg in den Beruf gewinnt weiter an Bedeutung Von den Studienberechtigten des Jahres 2012 haben sich 60 Prozent ausschließlich für ein Studium als direkten Weg in den Beruf entschieden (Kap. 7). Das sind drei Prozentpunkte mehr als bei den Studienberechtigten des Jahres 2010. Neun Prozent streben ebenfalls diesen Weg an, allerdings haben sie bereits vor bzw. mit Erwerb der Hochschulreife eine Berufsausbildung abgeschlossen (z.B. Erwerb der Hochschulreife über den Zweiten Bildungsweg). Auf die Einlösung der Studienoption verzichten und damit einen nicht-akademischen Bildungsweg einschlagen, möchten 21 Prozent der Studienberechtigten des Jahres 2012. Das Absolvieren eines Studiums und einer Berufsausbildung (sog. Doppelqualifizierung) beabsichtigen drei Prozent dieser Studienberechtigten. Neben diesen vier Typen der beruflichen Qualifizierung gibt es eine Gruppe von sechs Prozent der Schulabsolvent(inn)en, die es zum Befragungszeitpunkt nach Erwerb der Hochschulreife beim erreichten Stand der Ausbildung belassen möchten. Darunter befinden sich allerdings vier Prozent, die bereits vor bzw. mit Erwerb der Hochschulreife eine Berufsausbildung absolviert haben. G8-Abiturient(inn)en des doppelten Abiturjahrgangs des Jahres 2012 treffen ähnliche Bildungsentscheidungen wie G9-Abiturient(inn)en In Bezug auf das Informationsverhalten lassen sich zwischen Gymnasiast(inn)en mit zwölfjähriger und denen mit 13-jähriger Schulzeit bis zum Abitur keine Unterschiede erkennen (Kap. 3). Lediglich unter Berücksichtigung des Geschlechts der Abiturient(inn)en lässt sich zeigen, dass die männlichen Gymnasiasten, die nach achtjähriger Gymnasialzeit das Abitur ablegen möchten, etwas früher ihre Informationssuche über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten begonnen haben als ihre Mitschüler, die nach neun Jahren ihr Abitur erwerben werden (54 vs. 50%). Gleichzeitig beurteilen die männlichen Schüler des achtjährigen Gymnasialzweiges ihren Informationsstand ein halbes Jahr vor dem Erwerb der Hochschulreife häufiger als umfassend als die Vergleichsgruppe (45 vs. 40%, Werte 1 und 2 auf einer 5-stufigen Skala von 1 ''in hohem Maße'' bis 5 ''überhaupt nicht''). Der frühere Beginn der Informationssuche und der höhere Informationsstand resultiert für die männlichen G8-Abiturienten jedoch nicht in einem häufigeren direkten Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf. Sowohl G8-Abiturienten als auch G8-Abiturientinnen schieben die Aufnahme der nachschulischen Qualifikation häufiger auf als G9-Abiturient(inn)en und üben ein halbes Jahr nach dem Schulabschluss häufiger eine Übergangstätigkeit (z.B. Jobben, Urlaub, Au-Pair-Tätigkeit, Freiwilliges soziales Jahr) aus (Kap. 4). Diese Verzögerung macht sich ein halbes Jahr nach Schulabschluss jedoch nur bei der Beteiligung an akademischen Bildungswegen bemerkbar: Die G8-Gymnasiast(inn)en haben im Vergleich zu den G9-Gymnasiast(inn)en etwas seltener ein Fachhochschulstudium (15 vs. 19%) und deutlich seltener ein Universitätsstudium (31 vs. 39%) begonnen. Auch die Brutto-Studierquote der G8-Absolvent(inn)en ist mit 82 Prozent geringfügig niedriger als die der G9-Absolvent(inn)en (85%, Kap. 5.1). Die Maximalquote, die in beiden Gruppen identisch ist (88%), deutet jedoch darauf hin, dass die Gymnasiast(inn)en, die nach achtjährigem Gymnasium das Abitur bestanden haben, etwas häufiger noch unsicher über eine Studienaufnahme sind. Dies trifft insbesondere auf die weiblichen G8-Absolventinnen zu, die etwas seltener als ihre ehemaligen Mitschülerinnen ein Studium absolvieren oder sicher planen (79 vs. 83% G9-Abiturient(inn)en) und etwas häufiger das Studium ''wahrscheinlich'' oder ''alternativ'' in Betracht ziehen (7 vs. 4%). Insgesamt weisen die G8-Absolvent(inn)en ein halbes Jahr nach Schulabschluss eine etwas höhere Brutto-Berufsausbildungsquote auf (19 vs. 15% G9-Abiturient(inn)en, Kap. 6). Ob die G8-Absolvent(inn)en auch in einer langfristigen Perspektive seltener ein Studium aufnehmen, kann erst auf der Basis späterer Befragungen geklärt werden. Es zeichnet sich jedoch ab, dass die Gymnasiastinnen, die ihr Abitur nach zwölfjähriger Schulzeit erworben haben, häufiger als die übrigen Absolvent(inn)en der doppelten Abiturjahrgänge eine nachschulische Ausbildung anstreben und seltener ausschließlich ein Studium absolvieren werden (Kap. 7). Die Gymnasiast(inn)en nach acht- und neunjähriger Gymnasialzeit entscheiden sich für ähnliche Studienrichtungen (Kap. 5.2). Lediglich wirtschaftswissenschaftliche Studienfächer werden von G8-Absolvent(inn)en etwas seltener gewählt als von G9-Absolvent(inn)en (16 vs. 19%). Dieser Unterschied zeigt sich jedoch nur bei den männlichen G9-Absolventen, die etwas häufiger als ihre ehemaligen Mitschüler nach achtjährigem Gymnasium diese Studienrichtung wählen (21 vs. 17%). Darüber hinaus zeigt sich, dass männliche G8-Abiturienten häufiger als männliche G9-Abiturienten ein halbes Jahr nach Schulabschluss ein Medizinstudium aufgenommen haben oder diesen Schritt sicher planen (7 vs. 4%). In Deutschland erwirbt bemessen an der altersgleichen Bevölkerung mittlerweile gut jede(r) zweite Schüler(in) eine schulische Hochschulzugangsberechtigung. Der Anteil ist in den letzten 20 Jahren kontinuierlich von 31 Prozent auf 54 Prozent (um G8-Effekt bereinigt) gestiegen (Statistisches Bundesamt 2014, Abb. A 1.1). Immer häufiger wird in Deutschland von Schülerinnen und Schülern die Hochschulzugangsberechtigung erworben, aber wer löst diese Studienoption tatsächlich ein? Im Zentrum des Berichtes steht der Hochschulzugang von Schulabsolvent(inn)en, die im Jahr 2012 eine schulische Hochschulzugangsberechtigung erworben haben. Die doppelten Abiturjahrgänge des Jahres 2012 werden dabei gesondert betrachtet. Darüber hinaus werden diese Befunde über die nachschulischen Werdegänge von studienberechtigten Schulabsolvent(inn)en im Rahmen der Fortsetzung der DZHW-Untersuchungsreihe auch im zeitlichen Vergleich seit 2002 eingeordnet. Der Hochschulzugang kann aus einer Schul- und einer Hochschulseite bestehend betrachtet werden (Klomfaß 2011), wobei sich auf beiden Seiten in den letzten zehn Jahren sehr viel verändert hat. Auf Seiten der Schulen wurde in den letzten Jahren länderübergreifend an allgemeinbildenden Gymnasien die Schulzeit von insgesamt neun Jahren auf acht Jahre verkürzt, was zu doppelten Abiturjahrgängen zwischen 2007-2016 führt.3 Durch einen Beschluss der Kultusministerkonferenz (2000: 3) wurde möglich, dass das Abitur nach zwölf oder nach 13 Jahren erlangt werden kann, sofern der gymnasiale Bildungsgang ein Gesamtvolumen von mindestens 265 Wochenstunden aufweist. Bei dem im Folgenden genauer untersuchten Studienberechtigtenjahrgang 2012 traf das auf die Schüler(innen) allgemeinbildender Gymnasien der Bundesländer Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Bremen zu.4 Mit der Verkürzung der Gymnasialzeit wird u. a. das Ziel verfolgt, Schüler(inne)n dem Arbeitsmarkt schneller zur Verfügung zu stellen (Klomfaß 2011: 196), da das Durchschnittsalter deutscher Schulabsolvent(inn)en in internationaler Perspektive vergleichsweise hoch und die Schulpflichtzeit überdurchschnittlich lang ist (OECD 2013: 269).5 Im Hinblick auf den Hochschulzugang waren in den letzten Jahren die größten bildungspolitischen Ziele, die Rolle der Hochschulen bei der Studierendenauswahl zu stärken (7. HRGÄndG 2004), die Zahl der Studienplätze vor allem in Westdeutschland zu erhöhen (Hochschulpakt 2020)6 und eine Nichtvergabe von Studienplätzen zu vermeiden. Auf Seiten der Hochschulen fand in den letzten fünfzehn Jahren mit der im Rahmen des Bologna-Prozesses angestoßenen Studienstrukturreform eine Umstellung der traditionellen Studienabschlüsse...

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