Analyse betrieblicher Vereinbarungen zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung

Beschäftigte am Kapital des Unternehmens zu beteiligen, kann sich positiv auf die Unternehmensproduktivität auswirken.

Die Auswertung von 30 betrieblichen Vereinbarungen zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung zeigt,

welche gegenwärtigen Trends vorherrschen....

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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Nutzung von Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaften. Rückgabe einer Kapitalbeteiligung bei Ausscheiden aus dem Unternehmen und im Todesfall. Betriebsverfassungsgesetz Employee Stock Ownership Plan European Trade Union Institute Lohnsteuer-Durchführungsverordnung Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz Vermögensbildungsgesetz Vermögenswirksame Leistungen Wertpapierhandelsgesetz Beschäftigte am Kapital des Unternehmens zu beteiligen, kann sich positiv auf die Unternehmensproduktivität auswirken. Im internationalen Vergleich beteiligen jedoch nur relativ wenige Unternehmen in Deutschland ihre Beschäftigten am Eigen- oder Fremdkapital. Auch das Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz (MKBG) aus dem Jahr 2009 mit verbesserten Fördermöglichkeiten führte nicht zu einer wesentlichen Belebung. Die geringe Beachtung ist einerseits verwunderlich, da mit einer finanziellen Beteiligung betriebswirtschaftlich auch Motivationswachstum prognostiziert wird. Andererseits bedeutet Kapitalbeteiligung auch Beteiligung am unternehmerischen Risiko. Beschäftigte tragen ohnehin das Risiko, ihren Arbeitsplatz womöglich zu verlieren, sollte das Unternehmen insolvent werden. In diesem Fall würden sie darüber hinaus womöglich auch ihr eingesetztes Kapital verlieren. Ein anderes Argument dagegen könnte lauten: Wer mitfinanziert, will auch mitbestimmen. Auch dies könnte ein Grund sein, warum Eigentümer von Unternehmen nicht unbedingt ihre Belegschaften am Kapital beteiligen. Die vorliegende Untersuchung hat die zurückliegenden gesetzlichen Veränderungen zum Anlass genommen, insgesamt 30 betriebliche Vereinbarungen zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung zu analysieren. Am häufigsten werden Belegschaftsaktien geregelt, stille Beteiligungen, Genussrechte/-scheine, Mitarbeiterdarlehen sowie Aktienoptionen. Letztere stellen eher einen Sonderfall dar, denn: Werden die erhaltenen Aktien sofort wieder verkauft, handelt es sich eher um ein Modell der Erfolgsbeteiligung. Unabhängig vom jeweiligen Beteiligungsmodell wurden auch übergreifende Aspekte wie der Einsatz von Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaften, Finanzierungswege einer Kapitalbeteiligung und die Übertragbarkeit der Beteiligung bei Ausscheiden aus dem Unternehmen oder Tod untersucht. Formen der Mitarbeiterkapitalbeteiligung. Bei einer Kapitalbeteiligung stellen die Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber Gelder zur Verfügung: in Form von Eigenkapital, Fremdkapital oder auch sogenanntem Mezzaninkapital1. Hierdurch entsteht zwischen dem einzelnen Mitarbeiter und dem Unternehmen eine Verknüpfung gesellschaftsrechtlicher Natur, die über das Arbeitsverhältnis hinausgeht. Bei der Überlassung von Eigenkapital wird der beteiligte Mitarbeiter zu einem vollwertigen Gesellschafter des Unternehmens, mit allen Rechten und Pflichten. Gleichzeitig übernehmen die Beschäftigten mit ihrer Beteiligung das unternehmerische Risiko des Totalverlusts bei Insolvenz und erhalten umgekehrt die unternehmerische Chance auf Vermögenszuwachs bei einer erfolgreichen Entwicklung des Unternehmens. Beispiele für solche Eigenkapitalbeteiligungen sind Belegschaftsaktien oder Gesellschafteranteile bei einer GmbH. Im Fall der Überlassung von Fremdkapital werden die Mitarbeiter zu Gläubigern ihres Arbeitgebers, z.B. über ein Mitarbeiterdarlehen. Die Position als Fremdkapitalgeber ist vor allem im Insolvenzfall vorteilhafter für die Beteiligten, da ihre Forderungen bevorrechtigt behandelt werden. Da die beteiligten Mitarbeiter aber kein unternehmerisches Risiko tragen, ist entsprechend die Verzinsung des Fremdkapitals deutlich geringer als bei Eigenkapital. Komplizierter gestaltet sich die Ausgestaltung der Kapitalbeteiligung in Form von Mezzaninkapital, beispielsweise in Form von stillen Beteiligungen oder Genussrechten. Ob die jeweilige Beteiligungsform eher den Charakter von Eigen- oder von Fremdkapital aufweist, ist im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien zu prüfen. Typisch ist dabei die Konstellation, dass die Mezzaningelder wirtschaftlich als Eigenkapital anzusehen sind und auch entsprechend hoch verzinst werden, umgekehrt die Beteiligten aber nicht die Mitspracherechte eines vollwertigen Gesellschafters erhalten. Bei der Beteiligung über Mezzanin-Kapitalformen sind die Geldgeber als Eigenkapitalgeber zweiter Klasse anzusehen, für die nicht die Mitsprache im Unternehmen zählt, sondern die Aussicht auf ein erhöhtes Einkommen. Abbildung 1 zeigt die Möglichkeiten der Mitarbeiterkapitalbeteiligung im Überblick. Verbreitete Formen der Mitarbeiterkapitalbeteiligung Mitarbeiterkapitalbeteiligung Beteiligung am Eigenkapital Mezzanin- Beteiligungsformen Beteiligung am Fremdkapital Belegschaftsaktien GmbH-Anteile Genossenschaftsanteile Aktienoptionen Stille Beteiligung Genussrechte/-scheine Mitarbeiterdarlehen Anleihen Somit können Beteiligungsmodelle grundsätzlich in jeder Form analog der Unternehmensfinanzierung ausgestaltet werden. Der hauptsächliche Unterschied liegt darin, dass die Gelder nicht über Banken oder Beteiligungsgesellschaften zufließen, sondern über die eigene Belegschaft oder das Unternehmen selbst.3 Eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung kann darüber hinaus auch mit einer Erfolgsbeteiligung finanziert werden. Der Begriff Erfolgsbeteiligung ist als Oberbegriff für alle Beteiligungsformen anzusehen, bei denen Beschäftigten zusätzlich zu ihrem Arbeitsentgelt eine erfolgsabhängige Komponente gezahlt wird. In der betrieblichen Praxis hat sich dabei die Gewinnbeteiligung durchgesetzt. Bei dieser Form der Erfolgsbeteiligung erhalten die Mitarbeiter abhängig vom erzielten Unternehmensergebnis einen bereits im Vorfeld festgelegten Teil dieses Gewinns. So könnte eine Regelung hierbei lauten: 50 Prozent des Unternehmensgewinns nach Steuern wird gleichmäßig an die Belegschaft verteilt (vgl. Sendel-Müller/Weckes 2013). Gewinnbeteiligungen eignen sich besonders gut als Einstiegsmodell in das Thema Mitarbeiterbeteiligung. Denn aufgrund des Fehlens gesellschaftsrechtlicher Komponenten sind sie einfacher im Unternehmen umsetzbar als Kapitalbeteiligungen. Diese Umstände führen letztlich auch dazu, dass Systeme der Gewinnbeteiligung in Deutschland deutlich häufiger vorzufinden sind als Modelle der Kapitalbeteiligung. Wird eine Gewinnbeteiligung zur Finanzierung einer Kapitalbeteiligung genutzt, spricht man von einer Investivanlage. Der Vorteil hierbei: Die Mitarbeiter müssen nicht aus ihrem Privatvermögen eine Beteiligung finanzieren, sondern gelangen automatisch über die Gewinnbeteiligung zu Kapitalanteilen. Des Weiteren werden direkte und indirekte Modelle der Mitarbeiterkapitalbeteiligung unterschieden: Bei der direkten Beteiligung der Mitarbeiter wird jeder Teilnehmer direkt am Kapital seines Arbeitgebers beteiligt. Demgegenüber wird bei einer indirekten Beteiligung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter eine eigens zu diesem Zweck gegründete Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft geschaltet. Abbildung 2 zeigt die unterschiedlichen Finanzierungswege (Unternehmen und/oder Mitarbeiter) sowie Durchführungswege (direkte oder indirekte Beteiligung) im Überblick. Verbreitung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Deutschland Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Verbreitung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung lediglich im Mittelfeld.4 Da jedoch über die tatsächliche Verbreitung sowie die einzelnen Formen der Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Deutschland keine validen statistischen Erfassungen vorliegen, sind die Angaben eher als Trendaussagen zu verstehen. Der Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung (AGP) sowie die Gesellschaft für innerbetriebliche Zusammenarbeit (GIZ) haben zuletzt im Jahr 2009 auf Grundlage von Schätzungen folgende Übersicht für Deutschland veröffentlicht...

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