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Ist-Besteuerung bei der Umsatzsteuer

Neuigkeit

Titel

Ist-Besteuerung bei der Umsatzsteuer

Quelle

Deutsche Handwerks Zeitung

Datum der Aktualisierung

31.01.2022

Info

Im Umsatzsteuerrecht gilt die so genannte Soll-Besteuerung. Unternehmer müssen hierbei in Vorleistung treten. Bei der Ist-Besteuerung wird die Umsatzsteuer hingegen erst dann fällig, wenn der Kunde die Rechnung beglichen hat.

Bei der Soll-Besteuerung wird die Umsatzsteuer bereits nach Ausführung eines Umsatzes zur Zahlung ans Finanzamt fällig. In der Praxis vergehen jedoch oftmals Wochen oder bei Streitigkeiten sogar Monate, bis der Rechnungsempfänger die Rechnung begleicht. Die Betriebe sind dadurch weniger liquide.

Im Gegensatz zur Soll-Besteuerung muss bei Anwendung der Ist-Besteuerung die Umsatzsteuer erst dann ans Finanzamt abgeführt werden, wenn der Kunde seine Rechnung beglichen hat. Das bedeutet im Klartext: Der Rechnungsaussteller muss nicht in Vorleistung treten.

Beispiel: Eine selbständige Handwerkerin führt für einen Kunden im November 2021 eine Leistung aus. Wegen zahlreicher Aufträge zum Jahresende stellt sie die Rechnung erst im Januar 2022. Der Kunde lässt sich mehrmals mahnen und zahlt letztendlich im März 2022.

Folge: Bei der Soll-Besteuerung wäre die Umsatzsteuer bereits am 10. Dezember 2021 (Leistungsmonat November) fällig. Bei der Ist-Besteuerung wäre die Selbstständige hingegen erst am 11. April 2022 verpflichtet, die Umsatzsteuer an das Finanzamt zu überweisen (Monat der Zahlung der Rechnung im März 2022).

Fazit: Bei der Soll-Besteuerung hätte die Unternehmerin vier Monate in Vorleistung treten müssen, bis sie die ans Finanzamt bezahlte Umsatzsteuer von ihrem Kunden überwiesen bekommt.

Voraussetzungen für die Ist-Besteuerung

Die Ist-Besteuerung bei der Umsatzsteuer nach § 20 UStG ist möglich, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

Konkludenter Antrag genügt

Normalerweise erwartet das Finanzamt, dass der Unternehmer einen Antrag auf Ist-Besteuerung stellt. Dann kann das Finanzamt die Voraussetzungen prüfen und die Genehmigung erteilen. Eine bestimmte Form für die Antragstellung ist nicht vorgegeben. Es empfiehlt sich aber, den Antrag schriftlich zu stellen.

Doch die Ist-Besteuerung kann auch ohne Antragstellung durchgeführt werden. Und zwar durch einen ''konkludenten'' Antrag.

Das bedeutet: Ist für das Finanzamt aus den Umsatzsteuer-Voranmeldungen oder aus der Umsatzsteuer-Jahreserklärung klar ersichtlich, dass die Ist-Versteuerung angewandt wird und es verbietet die Ist-Besteuerung nicht, kommt das einer Genehmigung gleicht (BFH Urteil vom 18.11.2015, XI R 38/14).

Praxis-Tipp

Wer jedoch seine Steuererklärungen über Jahre hinweg nicht abgibt, muss damit rechnen, dass das Finanzamt die Ist-Besteuerung ohne vorherige Beantragung durch den Unternehmer rückwirkend versagt.

Denn ohne Einkommensteuererklärung ist es für das Finanzamt nicht nachvollziehbar, ob in der Umsatzsteuer-Jahreserklärung oder in den Voranmeldungen die Soll- oder die Ist-Besteuerung angewandt wird (FG Hamburg, Urteil v. 23.7.2021, Az. 2 K 205/20; veröffentlicht im November 2021).

Kombination aus Ist-Besteuerung und Dauerfristverlängerung

Die Liquiditätsvorteile lassen sich mit einer Kombination aus Antrag auf Ist-Besteuerung und Antrag auf Dauerfristverlängerung noch toppen.

Hier haben Unternehmer zwischen einem und mehreren Monaten Zeit, bis sie die vom Kunden erhaltene Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen müssen.

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