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Betriebszugehörigkeit

Neuigkeit

Titel

Betriebszugehörigkeit

Quelle

Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.

Datum der Aktualisierung

25.04.2022

Info

Kaum Festangestellte, immer weniger stabile Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitnehmer, die wie Nomaden von Unternehmen zu Unternehmen ziehen müssen, um überhaupt irgendwie über die Runden zu kommen?

Mit der Realität hat all das in Deutschland nichts zu tun. In Wahrheit befindet sich die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit seit vielen Jahren auf einem gleichbleibend hohen Niveau.

Das belegen die Daten des Sozio-oekonomischen Panels, für das alljährlich rund 30000 Personen repräsentativ befragt werden.

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit in Deutschland betrug 2019 knapp elf Jahre und lag damit auf fast demselben Niveau wie 25 Jahre zuvor.

Zwischenzeitlich war der Wert zwar bis auf 11,5 Jahre geklettert, doch der Rückgang am aktuellen Rand hat erfreuliche Gründe. Bis zur Corona-Pandemie brummte der deutsche Arbeitsmarkt, die Erwerbstätigenquote legte kontinuierlich zu und die vielen neuen Beschäftigten drückten den Schnitt bei der Betriebszugehörigkeit. Ein rein statistischer Effekt.

Dessen ungeachtet ist die Betriebszugehörigkeit von verschiedenen Faktoren abhängig.

Branche

Die Beschäftigungsdauer in Deutschland unterscheidet sich von Branche zu Branche erheblich.

Mit einer durchschnittlichen Zugehörigkeit von 17,5 Jahren sind Mitarbeiter des Kredit- und Versicherungswesens besonders treue Angestellte, dicht gefolgt von Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung und der Sozialversicherungen, die ihrem Arbeitgeber im Mittel 16,4 Jahre die Treue halten.

Am anderen Ende des Rankings findet sich das Gastgewerbe. Hier hielten Angestellte 2019 im Schnitt nur etwas mehr als fünf Jahre beim selben Arbeitgeber durch.

Unternehmensgröße

Je größer die Firma, desto länger bleiben die Angestellten an Bord.

In Firmen mit weniger als 20 Mitarbeitern lag die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei rund acht Jahren. In Firmen mit mehr als 2000 Angestellten waren es fast 13 Jahre.

Erklärt werden können diese Größenunterschiede unter anderem damit, dass kleine Firmen oftmals Start-ups sind, die einfach noch nicht besonders lange existieren.

Großkonzerne gibt es dagegen meist schon viele Jahre. Und sie bieten intern oft erhebliches Entwicklungspotenzial.

Qualifikation

Setzt man das Qualifikationsniveau ins Verhältnis zur durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit, zeigt sich ein auf den ersten Blick überraschender Befund.

Personen mit mittlerer Qualifikation wie Fachschul- oder Meisterabschluss bleiben mit über 14 Jahren am längsten in einem Unternehmen.

Jene ohne Abschluss wechseln am häufigsten, was sich damit erklären lässt, dass sie von Konjunkturschwankungen am stärksten betroffen sind.

Doch auch Universitätsabsolventen am anderen Ende der Skala kommen im Schnitt auf weniger als neun Jahre in einem Unternehmen.

Das liegt unter anderem an den vielen befristeten Stellen im Wissenschaftsbetrieb, aber auch daran, dass Hochqualifizierte durch die langwierige Ausbildung schlicht weniger Berufsjahre zur Verfügung haben als andere Personengruppen.

EU-Vergleich

Im europäischen Kontext ist Deutschland relativ unauffällig, wie aus Zahlen der OECD für 2020 hervorgeht.

Während die Betriebszugehörigkeit in den nordeuropäischen Staaten tendenziell kürzer ist und in den südeuropäischen Staaten etwas länger, liegt Deutschland mit Frankreich nah am europäischen Durchschnitt von elf Jahren.

Warum Corona die Betriebszugehörigkeit erhöht

Infolge der Corona-Pandemie dürften die Durchschnittswerte bei der Betriebszugehörigkeit vorerst eher steigen als sinken. Und zwar aus drei Gründen:

Auch das Kurzarbeitergeld in Deutschland und anderen EU-Staaten war und ist darauf ausgelegt, Mitarbeiter in den Betrieben zu halten. Und viele Firmen in Deutschland tun ohnehin alles in ihrer Macht Stehende, um zu verhindern, dass ihnen die angesichts des demografischen Wandels knappen Fachkräfte verloren gehen.

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