Neueinstellungen in Teilzeit

Teilzeitarbeit kann für Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen von Vorteil sein.

Mit ihr lassen sich einerseits das Arbeitsvolumen flexibel anpassen

und andererseits Beruf und Familie besser vereinbaren...

Quelle: IAB-Kurzbericht

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Teilzeitarbeit ist nach wie vor eine Domäne der Frauen und insbesondere im Dienstleistungsbereich stark verbreitet. Das zeigen auch die Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für Deutschland. Bei den Neueinstellungen des Jahres 2012 wird deutlich, dass der Arbeitsmarkteinstieg für Arbeitslose und Personen aus der Stillen Reserve öfter über Teilzeit als über Vollzeit erfolgt. Erstere übernimmt damit eine Brückenfunktion in Beschäftigung. Im Durchschnitt sind Teilzeitstel len leichter zu besetzen als Vollzeitstellen. Bei Akademikern ist dieser Unterschied besonders ausgeprägt. Teilzeitarbeit kann für Betriebe und Beschäftigte zunächst gleichermaßen von Vorteil sein. Mit ihr lassen sich einerseits das Arbeitsvolumen flexibel anpassen und andererseits Beruf und Familie besser vereinbaren. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Teilzeitbeschäftigte öfter als Vollzeitbeschäftigte befristete Arbeitsverträge abschließen und unter ihrer Qualifikation beschäftigt sind. Mit familienfreundlicher Personalpolitik und attraktiven Arbeitsbedingungen können Betriebe das vorhandene Potenzial an qualifizierten Arbeitskräften künftig besser ausschöpfen. Teilzeitarbeit ist am deutschen Arbeitsmarkt weit verbreitet - vor allem bei Frauen und im Dienstleistungsbereich. Das wirkt sich auch auf den betrieblichen Stellenbesetzungsprozess aus, der sich für Teilzeitstellen in zentralen Punkten von dem für Vollzeitstellen unterscheidet. Teilzeit stellt eine gute Möglichkeit des (Wieder-)Einstiegs in den Arbeitsmarkt dar, was insbesondere gut qualifizierte Frauen häufig nutzen. Gerade für sie eröffnet sich so die Chance, ihre Arbeitszeit schrittweise zu verlängern. Betriebe können dies durch geeignete familienorientierte Personalstrategien unterstützen. Zur Entwicklung der Teilzeitbeschäftigung in Deutschland dürfte auch das Teilzeitund Befristungsgesetz (TzBfG) aus dem Jahr 2001 beigetragen haben. Es sichert unter bestimmten Voraussetzungen einen Rechtsanspruch auf einen Teilzeitarbeitsplatz. Wenngleich Minijobs ebenfalls zu den Teilzeitstellen zählen, beziehen sich die folgenden Analysen ausschließlich auf die so zialversicherungspflichtige Teilzeit, weil sie anderen Bestimmungsfaktoren unterliegt. Teilzeitarbeit entspricht oft sowohl den Interessen der Betriebe als auch den individuellen Wünschen der Beschäftigten. Sie bietet für beide Seiten vor allem ein höheres Maß an Flexibilität. So können Betriebe ihr Arbeitsvolumen mit Teilzeitkräften leichter dem aktuellen Personalbedarf anpassen, vorübergehende Engpässe überbrücken sowie Betriebs- und Arbeitsabläufe flexibel gestalten. Die Beschäftigten wiederum können mit flexiblen Teilzeitarrangements Beruf und Familie besser vereinbaren. Im Jahr 2012 waren Teilzeitbeschäftigte im Personalbestand von 83 Prozent der Betriebe in Deutschland zu finden. Während Teilzeitarbeit in fast allen Betrieben ab 250 Beschäftigten vorkommt, gaben immerhin 20 Prozent der Kleinbetriebe an, keine Teilzeitkräfte zu beschäftigten. Auf Basis von Beschäftigtendaten der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der IAB-Stellenerhebung (vgl. Infokasten auf Seite 3) aus dem Jahr 2012 untersuchen wir, wie sich die Teilzeitbeschäftigung entwickelt hat und welche Unterschiede im Stellenbesetzungsprozess zwischen Teilzeit- und Vollzeitstellen bestehen. Teilzeit ist vor allem weiblich Von Juni 2006 bis Juni 2011 stieg der Bestand an sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigten um 25 Prozent, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten dagegen nur um 4 Prozent. Infolge dieser unterschiedlichen Entwicklungen ist die Teilzeitquote im gleichen Zeitraum um 3 Prozentpunkte auf 20 Prozent gestiegen - das entspricht 5,7 Mio. Teilzeitbeschäftigten. Insbesondere während der Finanzkrise (2008/2009) wuchs die Teilzeitbeschäftigung weiter an, dagegen waren bei der Vollzeitbeschäftigung deutliche Verluste zu verzeichnen. Unbeeindruckt von konjunkturellen Effekten konnte Teilzeit am deutschen Arbeitsmarkt also zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dabei spricht der starke Aufwärtstrend bis 2011 eher gegen einen Substitutionseffekt bestehender Vollzeit- durch Teilzeitstellen und somit für einen additiven Aufbau von Teilzeitstellen. Ab 2011 zeichnet sich allerdings eine Angleichung der Wachstumsraten von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung ab. Der beobachtbare Anstieg der Teilzeitbeschäftigung lässt sich vor allem auf die vermehrte Teilzeittätigkeit von Frauen zurückführen: Mitte 2011 waren 83 Prozent der Teilzeitbeschäftigten weiblich. Insbesondere Mütter kehren häufiger und früher ins Berufsleben zurück als noch die Generationen vor ihnen (Vogel 2009) - dann aber oft auf eine Teilzeitstelle. Denn das reduzierte Stundenvolumen und eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit erleichtern die Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Interessen. Allerdings werden dabei Nachteile hinsichtlich Karriere, Einkommen und Altersversorgung in Kauf genommen (Wanger 2011). Auch von Seiten der Betriebe wird insbesondere die Flexibilität der Teilzeitarbeit positiv bewertet (Wanger 2006). Teilzeit ist eine typische Beschäftigungsform des Dienstleistungsbereichs, dagegen spielt sie im Produzierenden Gewerbe bislang eine geringe Rolle. Das hängt natürlich auch mit den Frauenanteilen in den jeweiligen Wirtschaftszweigen zusammen: Teilzeitarbeit als klassische Form der Frauenerwerbstätigkeit wird in typischen Frauenbranchen stärker genutzt. Dieser Effekt ist auch bei den Berufen zu beobachten: Die Teilzeitbeschäftigung konzentriert sich auf wenige - meist typisch weibliche - Berufe wie Bürofachkräfte, Verkäuferinnen und Reinigungsberufe...

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