Psychisch krank im Job. Was tun? (Praxishilfe)

In den meisten Betrieben gibt es Mitarbeiter,

die psychisch krank sind

oder in einer schweren seelischen Krise mit Krankheitscharakter stecken...

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Psychisch krank im Job. Was tun ? Ursachen psychischer Erkrankungen Belastungsfaktoren als Auslöser für eine psychische Erkrankung Stress Burnout Mobbing Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz Arbeitsorganisation Interpersonale Kontakte Das Modell beruflicher Gratifikationskrisen Betriebliche Gesundheitsförderung Maßnahmen zur Reduktion von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz Verhältnisbezogene Maßnahmen (betriebliche Ebene) Verhaltensbezogene Maßnahmen (Mitarbeiter-Ebene) Krankheitsbilder und Auswirkungen im Arbeitsleben Depression Bipolare (manisch-depressive) Erkrankung Angststörung Schizophrenie Persönlichkeitsstörungen Psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen Gemeinsamkeiten von psychischen Erkrankungen Erkennen einer psychischen Erkrankung im Arbeitsumfeld Psychische Störungen nehmen dramatisch zu, sie ­haben seit einigen Jahren auch den beruflichen Alltag der Beschäftigten erreicht. Depression und Angsterkrankungen drohen zu Volkskrankheiten am Arbeitsplatz zu werden. Der Anteil an den Krankheitstagen durch psychische Störungen seit Beginn der neunziger Jahre hat sich mehr als verdoppelt. Der BKK Gesundheitsreport 2009 zeigt auf, dass mittlerweile 10% der Ausfalltage direkt mit einer psychischen Erkrankung verbunden sind. Darüber hinaus führen psychische Erkrankungen überproportional häufig zu Frühverrentungen und haben den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge. Über 30% aller Fälle von Frühverrentungen gehen auf eine s­eelische Erkrankung zurück. Die Auswirkungen dieser Entwicklung machen sich in steigenden Kosten für das Gesundheitssystem und insbesondere auch für die Unternehmen bemerkbar. Die Bundesanstalt für ­Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt einen Produktionsausfall von jährlich 4 Mrd. Euro. Die Ur­sachen für diese Erkrankungen sind dabei vielfältig und komplexer Natur. Zu ihrer Entwicklung tragen gesellschaftliche Faktoren, z.B. Angst vor Arbeitsplatzver lust oder Stress und Überbelastung in der Arbeitswelt ebenso bei wie individuelle Dispositionen. Die Zunahme der Erkrankungen, der Anstieg der Fehltage und der damit verbunden Kosten sowie die Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter rücken zunehmend in den Blickpunkt betrieblicher Gesundheitspolitik und werden für viele Unternehmen zu einem Thema mit größer werdender Dringlichkeit. Personalverantwortliche, Kollegen und betriebliche Helfer sind heute häufig mit psychischen Krankheitsbildern konfrontiert, im Umgang mit betroffenen Mitarbeitern jedoch verunsichert: Ist der Mitarbeiter überhaupt in einer Krise, kann er angesprochen werden, oder führt dies zu einer Verschlimmerung der Problemlage? Wie sollte ein sensibler und verantwortungsvoller Umgang mit der Erkrankung aussehen? Dies sind u.a. Fragen, mit denen Verantwortliche im Unternehmen konfrontiert sind. Seelische Probleme gehören in den privaten Bereich, über sie sollte am Arbeitsplatz nicht gesprochen werden, befinden auch heute noch viele Bürger, trotz größer werdender Offenheit. Betroffene Menschen verschweigen deshalb häufig ihre psychischen Krisen und ihre Krankheit aus Scham und Angst um ihren Arbeitsplatz. Erschwerend kommt für die Betroffenen hinzu, dass Personalverantwortliche häufig signalisieren, psychisch beeinträchtigte Menschen seien aufgrund häufigerer Krankschreibungen ökonomische ''Risikofaktoren'' für das Unternehmen, nicht bedenkend, dass dies ebenfalls für Extremsportler, für rasante Fahrer oder Raucher zutreffen kann. Psychische Leiden sind nach wie vor tabuisiert und haben Ausgrenzungen und Stigmatisierung zur Folge. Sie führen zu erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität der Betroffenen, der Angehörigen und im sozialen Umfeld. Vor diesem Hintergrund haben die Familien-Selbsthilfe Psychiatrie und der BKK Bundesverband gemeinsam ein Projekt ins Leben gerufen mit dem Ziel, im beruflichen Umfeld psychisch Erkrankter präventiv für die Betroffenen tätig zu werden und gleich­zeitig den Unternehmen Hilfestellung für den Umgang mit erkrankten Mitarbeitern anzubieten. Ein Mehr an Wissen und Information über diese Erkrankungen bietet die Möglichkeit, durch rechtzeitiges Eingreifen und Handeln größeren Krisen vorzubeugen und dem betroffenen Mitarbeiter frühzeitig Unterstützung zu geben. So können möglicherweise Fehlzeiten verringert, die Chronifizierung der Krankheiten verhindert, der Arbeitsplatz erhalten und das Know-how des Mitarbeiters im Betrieb belassen werden. Rückkehr in das Unternehmen Das betriebliche Eingliederungsmanagement dient dazu, den Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, also auch psychisch kranken Menschen, im Betrieb die Beschäftigungsfähigkeit und den Arbeitsplatz zu erhalten. Für Unternehmen ist diese Maßnahme ebenfalls von Vorteil. Sie verringert Ausfallzeiten und verbessert den Betriebsablauf durch schnellere Rückkehr der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, spart also Kosten. Die Rehabilitationsträger (Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Rentenversicherungsträger, sowie die Integrationsämter und die Agenturen für Arbeit) stehen den Unternehmen für kostenlose Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Verfügung. Psychische Erkrankungen sind häufige Leiden, haben schwankende Verläufe und können jeden treffen. Sie haben vielfältige Ursachen und sind gut behandelbar. Ist ein Mitarbeiter psychisch krank, in ambulanter Behandlung oder kehrt er nach stationärer Behandlung in den Betrieb zurück, ist es hilfreich, wenn am Arbeitsplatz auf zwischenmenschlich unterstützende Umgangsweisen geachtet wird. Mängel in der Kommunikation und Probleme im Arbeitsumfeld belasten auch gesunde Mitarbeiter und verschlechtern das Betriebsklima. Vor allem bei psychisch instabilen Mitarbeitern kann dies jedoch auf Dauer zu gesundheitlichen Schäden führen. Psychisch belasteten Mitarbeitern hilft es besonders in Bezug auf Arbeitsabläufe und Arbeitsaufträge, Klarheit und Transparenz zu erfahren. Geplante Veränderungen, auch in der Arbeitsumgebung, sollten rechtzeitig mitgeteilt werden, Unklarheit verwirrt und belastet den Betroffenen. Dies gilt insbesondere für jede Art der Kommunikation. Unklare, sich widersprechende Anweisungen verwirren und belasten den Mitarbeiter. Je deutlicher und klarer sich die Arbeitsumgebung und der Kontakt mit den Mitarbeitern gestalten, umso unterstützender ist dies für den Betroffenen. Ein gutes Betriebsklima ermöglicht dem Erkrankten frühzeitig, Probleme anzusprechen. Es ist nicht notwendig, den psychisch Kranken mit Samthandschuhen anzufassen oder aus Sorge vor einem neuerlichen Rückfall, ihm gegenüber eine Schonhaltung einzunehmen. Er wird nicht sofort wieder krank, wenn er ein kritisches Wort hört. Konsequentes Verhalten unterstützt, wenn es freundlich und wohlwollend ist, Starrheit und Prinzipienreiterei dagegen belasten jedes Arbeitsklima. Auch wenn sich ein Mitarbeiter in einer psychischen Krisensituation befand oder befindet, müssen bestimmte Regeln der Kommunikation oder Arbeitsstrukturen eingehalten werden. So können Kollegen ihm zwar hilfreich zur Seite stehen, sollten aber bedenken, dass sie keine Hilfstherapeuten sind. Sie müssen und sollen durchaus Grenzen setzen, wenn sie sich im Umgang mit dem kranken Kollegen überfordert fühlen. Sie sollten dies in der entsprechenden Situation auch deutlich und offen äußern. Es versteht sich von selbst, dass Sarkasmus und Hänseln keine hilfreiche Unterstützung darstellen. Psychisch Erkrankte leiden sehr unter der Stigmatisierung ihrer Erkrankung und ihrer Person und auch witzige oder scherzhafte Bemerkungen können von den Betroffenen leicht missverstanden werden. Möglicherweise ist die Arbeitsleistung des Betroffenen zeitweise eingeschränkt. Es sollte in jeder Phase genau besprochen werden, welche Leistungen der Betroffene sich zutraut. Überforderungen wie Unterforderungen sind kontraproduktiv und lösen Stress aus. Dennoch können im Verlauf einer Rekonvaleszenz Rückfälle vorkommen, die mit schwankendem Leistungsvermögen einhergehen. Häufig wird bei einem psychisch erkrankten Mitarbeiter über ihn geredet und nicht mit ihm. Als Vorgesetzter und Kollege sollte man eine psychische Erkrankung eines Mitarbeiters genauso ernst nehmen wie eine körperliche Erkrankung und möglichst unvoreingenommen damit umgehen. Möchte der Betroffene diese Offenheit nicht, wird er dies signalisieren und seinerseits Grenzen setzen ...

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