Außergewöhnliche Belastungen

Schwere Schicksalsschläge sollte ein Mensch nicht ganz alleine tragen müssen.

Deshalb darf er existenzbedrohende Kosten, die etwa Folge schwerer Unwetter sind,

als außergewöhnliche Belastung in seiner Steuererklärung ansetzen. Diese senken sein zu versteuerndes Einkommen.

Dasselbe gilt zum Beispiel auch für Ausgaben für Pflege oder bedürftige Angehörige...

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Sparen will jeder, doch was können Steuerzahler überhaupt angeben und wie? In einer Serie erklärt Finanztest die wichtigsten Fachbegriffe für die Steuererklärung. Schwere Schicksalsschläge sollte ein Mensch nicht ganz alleine tragen müssen. Deshalb darf er existenzbedrohende Kosten, die etwa Folge schwerer Unwetter sind, als außergewöhnliche Belastung in seiner Steuererklärung ansetzen. Diese senken sein zu versteuerndes Einkommen. Dasselbe gilt zum Beispiel auch für Ausgaben für Pflege oder bedürftige Angehörige. Für eine Reihe allgemeiner Belastungen ist ein Nachweis nötig. Für besondere, festgelegte Belastungen gibt es pauschale Abzüge. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Katalog der außergewöhnlichen Belastungen mehrfach erweitert. In der jungen Bundesrepublik dienten vor allem zwei Posten dem Ausgleich: Mit dem ''Flüchtlingsfreibetrag'' konnten sich von den Nationalsozialisten Verfolgte eine Steuererleichterung für den Verlust von Hausrat und Kleidung holen. Zudem ließen sich Kosten für eine ''Hausgehilfin'' absetzen. Inzwischen gibt es deutlich mehr Posten. Außergewöhnliche Kosten Außergewöhnlich im Sinne des Finanzamts sind Kosten nur, wenn sie zwangsläufig und unvorhersehbar sind - etwa eine Naturkatastrophe, ein Pflegefall oder außergewöhnlich hohe Krankheitskosten, die medizinisch notwendig sind. Zunächst muss der Steuerzahler versuchen, die Kosten anders zu decken und zum Beispiel bei Hochwasserschäden seine Versicherung in Anspruch nehmen. Nur der Restbetrag zählt beim Finanzamt. Die abzuziehenden Kosten sind oft in der Höhe begrenzt, in einigen Fällen aber auch durch eine Pauschale abgegolten, wie beim Behinderten- oder Pflegepauschbetrag. Zumutbare Belastung Ob Kosten durch einen Schicksalsschlag überhaupt als eine besondere finanzielle Belastung anerkannt werden, hängt von der Höhe des eigenen Einkommens ab. Jeder muss zunächst eine zumutbare Belastung selbst tragen (siehe Tabelle unten). Stufenweise geht es dabei nach oben: So gilt es für einen Single, der weniger als 15 340 Euro verdient, als zumutbar, wenn er Kosten in Höhe von 5 Prozent seines Einkommens selbst tragen muss. Für Einkommensanteile darüber werden 6 Prozent zur zumutbaren Belastung gerechnet und über 51 130 Euro 7 Prozent. Erst bei Ausgaben über der eigenen zumutbaren Belastung wirken sich Kosten steuerlich aus. Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs von Anfang 2017 lassen sich nun teilweise deutlich mehr außergewöhnliche Belastungen angeben als früher (Az. VI R 75/14). Denn aus Sicht der Richter dürfen die Belastungs Zumutbare Belastung berechnen Beim Berechnen werden die Einkünfte gesplittet. Beispiel: Ein kinderloser Single mit 40 000 Euro muss für die ersten 15 340 Euro 5 Prozent und die nächsten 24 660 Euro (40 000-15 340 Euro) 6 Prozent selbst tragen. Zumutbare Last: 2 247 Euro. Zumutbare Belastung Prozentsatz je Anteil an den Gesamteinkünften (ohne Kapitaleinkünfte) grenzen, die jeder selbst tragen muss, nicht einfach auf das Gesamteinkommen umgeschlagen werden. Der jeweils höhere Prozentsatz für die zumutbare Belastung gilt nur für den Teil des Einkommens, der 15 340 Euro oder 51 130 Euro übersteigt. Bei einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Einkommen von 45 000 Euro macht das mehr als 150 Euro Unterschied: Einkommen und zumutbare Belastung (Euro) Ausnahme bei Pauschalen Keine zumutbare Belastung gibt es bei einer Reihe von Pauschbeträgen, für die in der Regel kein Kostennachweis notwendig ist. Dazu zählen zum Beispiel der Pauschbetrag bei Behinderung, der Ausbildungsfreibetrag, der Betrag bei Bezügen für Hinterbliebene, etwa von Soldaten, und der für Unterhalt an bedürftige Angehörige. Bei Pflegekosten dürfen Steuerzahler auch ihre tatsächlichen Kosten angeben, wenn sie diese nachweisen können. Wichtige Formulare Viele außergewöhnliche Belastungen gehören in den Hauptvordruck (oder: Mantelbogen), den sowieso jeder bei der Steuererklärung ausfüllen muss. Wichtig sind hier die Zeilen 61 bis 70 auf Seite 3. Weitere wichtige Formulare sind die Anlage Unterhalt, etwa für Pflegekosten, oder die Anlage Kind für die Bej treuung eines behinderten Kindes. Beerdigungskosten Anerkannt werden Kosten etwa für Begräbnis, Grabstätte oder Grabstein - aber nur, wenn sie den Wert des Erbes übersteigen. Nicht abzugsfähig sind Grabpflege, Trauerkleidung oder Trauerfeier. Nachweise: Erbschein, Kostenbelege. Einzutragen im Mantelbogen in Zeile 67. Naturkatastrophen Ersatz durch Hausrat- oder Gebäudeversicherung muss ausgeschöpft sein. Notwendig sind Belege über selbst bezahlten Schadenersatz etwa für wiederbeschafften Hausrat und Kleidung. Die Kosten gehören in den Mantelbogen in Zeile 67. Behindertenpauschbetrag Die Pauschale gibt es ohne Voraussetzungen ab einem Grad der Behinderung von 50. In den Zeilen 61 bis 64 des Hauptvordrucks wird sie beantragt. Je nach Grad der Behinderung gibt es bis zu 1 420 Euro. Für Kinder noch in der Anlage Kind die Zeilen 64 bis 66 ausfüllen. Sind die tatsächlichen Kosten höher, lassen sich auch diese statt der Pauschale angeben. Darlehenszinsen Etwa für die Beseitigung von Hochwasserschäden, wenn die Finanzierung ohne Darlehen unmöglich ist. Wichtig sind dabei Bankbescheinigung und ein Beleg über den Darlehensvertrag. Pflegekosten Erst bei festgestelltem Pflegegrad (früher: Pflegestufe) lassen sich Kosten problemlos absetzen. Dabei zählen sowohl Heimunterbringung als auch häusliche Pflege (Mantelbogen, Zeile 67 bis 69). Achtung: Pflegekosten und Behindertenpauschbetrag lassen sich nicht kombinieren - behinderte Pflegebedürftige müssen sich entscheiden. Scheidungskosten In seinem jüngsten Urteil hielt der Bundesfinanzhof die Prozesskosten grundsätzlich nicht mehr für existenzgefährdend (Az. VI R 9/16). Finanzämter erkennen sie selten an. Sie anzugeben lohnt sich nur, wenn sie nachweislich existenzgefährdend sind. Pflegepauschbetrag Für die persönliche Pflege eines hilfsbedürftigen Angehörigen gibt es pauschal 924 Euro. Diese Pauschale kann sogar mehrfach genutzt werden, wenn etwa beide Elternteile gepflegt werden müssen. Einzutragen im Mantelbogen in Zeile 65 und 66. Unterhalt Wer bedürftige Angehörige unterstützt, kann derzeit bis zu 8 820 Euro plus Krankenund Pflegeversicherungsbeiträge absetzen. Darunter fallen auch Pflegeheimkosten. Die Anlage Unterhalt muss ausgefüllt werden. Für im Inland lebende Personen sind die Zeilen 7 bis 16 und 31 bis 54 relevant. Gefährliche Stoffe Kosten für die Beseitigung gesundheitsgefährdender Stoffe wie Formaldehyd oder Hausschwamm im eigenen Haus. Ein vorheriges Gutachten ist zwar nicht immer nötig, aber sinnvoll. Krankheitskosten Steuerzahler müssen zunächst Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen. Darüber hinaus lassen sich privat getragene Kosten für medizinisch notwendige Behandlungen angeben - ärztliche Verordnung oder Attest vorausgesetzt. Krankheitskosten gelten grundsätzlich als außergewöhnlich, auch bei einem selbst verschuldeten Verkehrs- oder Sportunfall ...

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